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Start der Bilanzsaison könnte Dax zu neuen Rekorden verhelfen

Zu Beginn der neuen Börsenwoche stehen Unternehmensbilanzen im Fokus. Zudem treiben Konjunkturdaten und das Coronavirus die Börsianer um.

Bilanzsaison, Fed-Sitzung, Virussorgen: Anlegern steht eine ereignisreiche Woche bevor. Foto: dpa

Aus der deutschen Industrie kamen zuletzt positive Signale – so fiel der Einkaufsmanagerindex, ein vielbeachtetes Konjunkturbarometer, besser aus als erwartet. Doch spiegelt sich dieser neue Optimismus auch in den Unternehmensbilanzen wider?

Antworten darauf erhalten Anleger ab dem kommenden Dienstag, wenn mit dem Softwareriesen SAP der erste Dax-Konzern seine Quartals- und Jahreszahlen vorlegt. Am Donnerstag folgt ein weiterer Gradmesser der deutschen Wirtschaft: Die Deutsche Bank. Das wichtigste deutsche Geldhaus überraschte seine Aktionäre am Freitag mit einer Personalie: Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel zieht in den Aufsichtsrat ein. Bei den Aktionären kam der Personal-Coup gut an – die Aktie der Deutschen Bank gehörte am Freitag zu den Gewinnern im Dax.

Legen die beiden Dax-Konzerne positive Zahlen vor, könnte es mit der Rekord-Jagd im deutschen Leitindex weitergehen. Am Mittwoch markierte der Dax zwischenzeitlich ein neues Allzeithoch, bevor es zunächst wieder bergab ging. Die Handelswoche schloss das Börsenbarometer dennoch im Plus bei 13.580 Punkten.

Größere Rücksetzer seien nicht zu erwarten, sagt auch Anlagestratege Axel Botte vom Vermögensverwalter Ostrum. „Es gibt keine liquiden Alternativen, die ein ähnliches Aufwärtspotenzial wie Aktien bieten.“ Außerdem schienen sich die Gewinne der Unternehmen besser zu entwickeln als gedacht.

Alle Augen auf Apple

Bestes Beispiel sind Intel und die chronisch zyklischen Chip-Hersteller. Der US-Konzern legte überraschend starke Quartalszahlen vor und peilt für 2020 einen Umsatz über Markterwartungen an. Die Intel-Aktien notierten vorbörslich mehr als fünf Prozent im Plus. In ihrem Windschatten gewannen die europäischen Chip-Firmen Infineon und STM am Freitag zeitweise jeweils gut zwei Prozent. Letztere notierten zeitweise bei 27,57 Euro. Das ist der höchste Stand seit fast 18 Jahren.

Wie zuletzt Intel könnten in der kommenden Woche eine Reihe großer US-Konzerne die Stimmung an den Aktienmärkten weiter aufhellen. So geben unter anderem der iPhone-Anbieter Apple oder der angeschlagene Airbus-Rivale Boeing Ergebnisse bekannt. Bei Letzterem interessieren sich Börsianer vor allem für die Kosten im Zusammenhang mit den Problemen bei den Maschinen des Typs 737 Max.

Weniger besorgt scheinen die Börsianer dagegen über die Entwicklungen in China: „Starke Zahlen des US-Chip-Herstellers Intel innerhalb einer auch sonst sehr überzeugenden Berichtssaison in den USA lassen die Sorgen um die Ausbreitung des Coronavirus heute zunächst etwas in den Hintergrund rücken“, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Dabei meldete China weiter steigende Infektionszahlen. Im Kampf gegen die Ausbreitung der Lungenkrankheit riegelte die Regierung in Peking mehrere Millionenstädte ab, strich offizielle Neujahrsfeiern und schloss Tempel sowie Touristen-Attraktionen. Die Sars-Pandemie, deren Erreger dem Coronavirus ähnelt, hatte 2002/2003 das chinesische Wirtschaftswachstum gebremst.

Konjunktur im Fokus

Statt auf die chinesische Wirtschaft dürfte sich die Aufmerksamkeit der Börsianer wieder auf die Konjunktur in den USA und Deutschland richten. So gibt der Ifo-Index am Montag Auskunft über die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen. Über die Kauflaune der hiesigen Verbraucher informiert am Mittwoch der GfK-Index. Einen Tag später folgen vergleichbare Stimmungsbarometer für die Euro-Zone.

Den Abschluss bilden die europäischen Inflationsdaten am Freitag. Das Highlight sind allerdings wenige Stunden später die US-Konsumausgaben. Denn die Kauflaune der Verbraucher gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. „Mit Blick auf die vielen wichtigen Termine und Veröffentlichungen erwarte ich in der kommenden Woche wieder mehr Schwankungen an den Börsen“, sagt Robert Greil, Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck.

Da die US-Notenbank den Leitzins am Mittwoch voraussichtlich nicht antasten werde, bestehe die größte Herausforderung für die Fed in der Kommunikation der jüngsten Eingriffe am Geldmarkt, sagt Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner. Deren Umfang sei mit demjenigen der bislang letzten Welle von Anleihekäufen vergleichbar. Um Liquiditätsengpässe zu verhindern, musste die Notenbank in den vergangenen Wochen wiederholt Geld in den Interbanken-Markt pumpen.

Finale in der Brexit-Saga

Unabhängig davon verlässt Großbritannien die EU am Freitag offiziell – gut zweieinhalb Jahre nach dem entsprechenden Referendum. Zunächst werde sich gar nichts ändern, weil dann die bis Ende 2020 laufende Übergangsfrist beginne, betont Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Sollte bis zu deren Ablauf aber kein Handelsabkommen stehen, drohe ein harter Bruch.

Am Tag vor dem offiziellen Brexit könnte die Bank von England (BoE) den Leitzins um einen Viertel Prozentpunkt auf 0,5 Prozent senken. Die zuletzt ermutigenden Konjunkturdaten würden die Zentralbank wohl nicht von einem solchen Schritt abhalten, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Die britische Konjunktur habe die Talsohle noch lange nicht durchschritten. Investoren taxieren die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung auf rund 50 Prozent.

Mit Material von Reuters