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Staatsministerin Bär dämpft Hoffnung auf Corona-App-Nutzung mit alten Handys

Auf vielen Smartphones funktioniert die Corona-Warn-App des Bundes nicht. Dies liege auch daran, dass manche sagten, sie seien zu bequem, sich ein neues Handy zu kaufen, sagt Staatsministerin Bär.

Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin für Digitales, verteidigt die neue Anwendung gegen Kritik. Foto: dpa

Seit ihrem Start am Dienstagmorgen ist die Corona-Warn-App der Bundesregierung – Stand 19. Juni 2020 – knapp zehn Millionen Mal heruntergeladen und installiert worden. Auf Millionen älterer Handys wie dem Iphone 6 funktioniert die Anwendung jedoch nicht.

„Viele ältere Geräte sind nach Einschätzung der Experten technisch nicht in der Lage, Bluetooth für die Abstandsmessung zu nutzen“, sagte die Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) im ZDF.
Geschätzt wird, dass zwischen zehn und 20 Prozent aller im Einsatz befindlichen Smartphones in Deutschland nicht die Mindestvoraussetzungen für die App erfüllen. Laut dem Digitalverband Bitkom besitzen in Deutschland 58 Millionen Menschen ab sechs Jahren ein Smartphone.

Damit auch Menschen mit älteren Smartphones die Anwendung nutzen können, will die Bundesregierung bei Apple und Google erreichen, dass die Mindestvoraussetzungen heruntergeschraubt werden. Jedoch sind nicht die US-Konzerne die Ansprechpartner der Regierung, sondern die Entwickler von SAP und Telekom. Diese seien zwar im ständigen Austausch mit Apple und Google. „Aber ich möchte jetzt auch keine falschen Hoffnungen wecken und sagen, wir reden jetzt nochmal, machen Druck und dann funktioniert es auf jedem einzelnen Gerät“, sagte Bär.

Grünen-Chef Robert Habeck hält die Einschränkungen der App für inakzeptabel. „Dadurch lässt sie ausgerechnet Ältere oder Menschen mit wenig Geld außen vor“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Auch sie müssen erfahren können, ob sie mit Infizierten Kontakt hatten. Die Bundesregierung muss jetzt alles dafür tun, dass möglichst alle Menschen die App nutzen können.“

„Manchmal ist es auch ein Problem der Bequemlichkeit“

Auch Ex-SPD-Chef Franz Müntefering mahnte die Einschränkung an. „Dringenden Besserungsbedarf gibt es in Bezug auf ältere Geräte, auf denen die App nicht funktioniert. Davon sind Senioren besonders betroffen“, sagte der 80-Jährige, der auch Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen ist, dem Nachrichtenportal „t-online.de“.

Die CSU-Staatsministerin Bär wies die Kritik zurück. „Jeder, der die App nutzt, hilft auch denjenigen, die die App momentan noch nicht nutzen können“, sagte sie. Gelegentlich sei es auch nicht nur eine soziale Frage. „Manchmal ist es auch ein Problem der Bequemlichkeit“, betonte die CSU-Politikerin.

Es hätten sie schon einige Berufsgruppen, die sich durchaus ein neues Handy leisten könnten, darauf angesprochen, dass die App für sie nicht verfügbar sei, weil sie noch ein Iphone 6 haben. „Die sagen dann, sie seien zu bequem, sich ein neues Handy zu kaufen.“

Hinzu komme, dass einige Bürgerinnen und Bürger das Handy oft zu Hause in der Küchenschublade hätten, und es nur im Falle eines Anrufs anschalteten. „Da würde auch ein neues Handy nichts nützen“, erläuterte die Staatsministerin. „Es steht und fällt also auch mit dem Nutzerverhalten, das ist ganz klar.“