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Sparpotenzial im Gesundheitsbereich: Ärzteverband fordert, Zahl der Kliniken nicht noch weiter zu reduzieren

·Lesedauer: 3 Min.

Was schätzt ihr: Wie viele gesetzliche Krankenkassen gibt es in Deutschland? Sechs, sieben, vielleicht fünfzehn? Weit gefehlt – es sind insgesamt 103. Zu viele, kritisiert der Verband Leitender Krankenhausärzte (VLK) in einer Mitteilung vom 23. September. Statt immer mehr Krankenhäuser zu schließen, sollten in Deutschland eher Kosten im Bereich der Krankenkassen gespart werden, so die Forderung der Medizinerinnen und Mediziner.

Tatsächlich ist die Anzahl der Krankenhäuser hierzulande seit Jahren rückläufig, das zeigt eine Tabelle des Statistischen Bundesamts: 1914 Krankenhäuser gibt es in Deutschland aktuell, vor 30 Jahren waren es noch mehr als 2400. Beim VLK sieht man diese Entwicklung mit Sorge. „Deutschland muss in genug erreichbare
Krankenhäuser investieren – und nicht in mehr als 100 gesetzliche Krankenkassen“, sagt VLK-Präsident Michael Weber. „Statt des Einsparinteresses der Kassenlobby muss die aus ärztlicher Sicht medizinisch erforderliche Versorgung der Patientinnen und Patienten das Maß aller Dinge sein.“

Experte regte im Sommer an, 700 Kliniken zu schließen

Webers Aussage steht im Kontrast zur Aussage eines weiteren Experten, der im Juli Schlagzeilen mit einer ganz anderen Sichtweise machte. Josef Hecken, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) und Chef der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, regte damals an, dass in Deutschland ein beträchtlicher Anteil der bestehenden Krankenhäuser geschlossen werden könnte. „Wir haben zurzeit 1900 Krankenhäuser, 1200 wären genug“, sagte Hecken im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er sprach sich damit für die Schließung fast jedes dritten Krankenhauses in Deutschland aus.

Die Krankenhäuser müssten künftig die Arbeit klüger untereinander aufteilen, forderte Hecken. Kleinere Krankenhäuser auf dem Land sollten sich auf einfache Eingriffe beschränken, während anspruchsvolle Operationen nur in darauf spezialisierten Zentren durchgeführt werden sollten. „Das wäre gut für die Wirtschaftlichkeit und für die medizinische Qualität.“ Um den zu erwartenden weiteren Anstieg der Krankenhauskosten zu bremsen, sei eine umfassende Strukturreform nötig.

Schon im Sommer 2019 hatte die Bertelsmann-Stiftung mit einer Studie zur Krankenhausdichte in Deutschland für Wirbel gesorgt. Darin wurde vorgeschlagen, die Zahl der Kliniken auf unter 600 zu reduzieren. Die Bündelung von Ärzten und Pflegepersonal sowie Geräten in weniger Krankenhäusern würde zu einer höheren Versorgungsqualität führen, hatten die Autoren argumentiert. Ärztevertreter und Kliniken hatten mit heftiger Kritik reagiert.

Bevölkerung eher für Einsparungen bei Kassen statt bei Kliniken

Auch der Verband Leitender Krankenhausärzte (VLK) unter Präsident Michael Weber ist dagegen, mehr Krankenhäuser zu schließen. Die Zustimmung weiter Teile der Bevölkerung ist ihnen dabei offenbar sicher. In einer aktuellen repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag des VLK durchgeführt hat, wurden 2.500 Bürgerinnen und Bürger gefragt, ob sie – vor die Wahl gestellt – eher Gesundheitskosten bei den Krankenkassen oder bei den Krankenhäusern sparen würden.

Die Antworten fielen eindeutig aus: Knapp 80 Prozent der Befragten gaben an, dass sie lieber die Zahl der gesetzlichen Krankenversicherungen reduzieren würden statt die der Krankenhäuser. Nur knapp sechs Prozent würden umgekehrt lieber weniger Krankenhäuser in Deutschland sehen.

„Gerade jetzt, unter dem Eindruck einer globalen Pandemie, stellen wir fest: Wir sind in Deutschland auf eine bedarfsgerechte Versorgungsstruktur angewiesen. Und zwar in allen Regionen.“ Er dürfte damit auf die ländlichen Gebiete Deutschlands anspielen, die von den Klinikschließungen besonders betroffen sind.

In ländlichen Regionen schafften es schon im Jahr 2016 nur etwa 64 Prozent der Bevölkerung, innerhalb einer Viertelstunde ein Krankenhaus mit einer Basisversorgung zu erreichen. Das ergab der Krankenhaus-Atlas der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. In größeren Städten ist das dagegen für knapp 90 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner möglich.

Es ist wenig verwunderlich, dass gerade der Landbevölkerung in der VLK-Umfrage die Krankenhäuser am wichtigsten waren: 88,5 Prozent der Befragten, die ländlich wohnen, gaben an, sich Einsparungen bei Krankenkassen zu wünschen – statt bei Krankenhäusern.

Wo auch immer man ansetzt, Einsparpotenzial im Gesundheitssektor gäbe es. Das hat zumindest die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) in einer Studie aus dem September 20221 ermittelt: Deutschland positioniere sich demzufolge im internationalen Vergleich als eines der Länder mit den höchsten Gesundheitskosten, aber ohne eine qualitativ überdurchschnittliche Versorgung. Bis 2040, prognostiziert die BCG, würden die Gesundheitsausgaben um bis zu 80 Prozent ansteigen, wenn sich der aktuelle Trend fortsetzte.

jb/ mit dpa

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