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Sparen mit ETFs: Ein Finanzprofi erklärt, welche Fehler Anleger häufig machen – und wie ihr sie vermeidet

·Lesedauer: 6 Min.
Finanzexperte Christian W. Röhl
Finanzexperte Christian W. Röhl

Kaum eine Anlageform ist derzeit so gefragt wie ETFs. Laut dem Branchenportal ExtraETF haben deutsche Sparer per Ende Juni bereits 64,7 Milliarden Euro in börsengehandelte Indexfonds investiert – ein Rekordwert. Allein seit Jahresbeginn sind die Spareinlagen in den Depots damit um mehr als ein Drittel (36 Prozent) gestiegen. Insgesamt wurden im Juni mehr als zwei Millionen Sparpläne ausgeführt.

Exchange Traded Funds – auch börsengehandelte Indexfonds genannt – bilden stumpf per Computer einen Aktienindex nach, etwa den deutschen Leitindex Dax. Über einen regelmäßigen Sparplan zahlen Anleger dann in einen „Korb“ von Wertpapieren ein, in dem alle 30 im Dax gelisteten Unternehmen enthalten sind. Durch die Vielzahl an Positionen schwankt ein ETF vergleichsweise wenig. Stürzt die Aktie eines Unternehmens ab, gleichen andere den Verlust wieder aus. Das ist für Einsteiger leicht zu verstehen und sehr kostenarm. Für viele ETFs liegen die jährlichen Gebühren zwischen 0,1 und 0,5 Prozent – viel weniger als etwa aktiv von Börsenmanagern verwaltete Fonds, die Banken ihren Kunden anbieten.

Für den Boom der ETFs lassen sich drei Gründe anführen: Erstens gibt es auf Sparbücher und Tagesgeldkonten keine Zinsen mehr. Zweitens haben viele Menschen während der Corona-Lockdowns kaum Geld ausgegeben. Die Zeit zu Hause auf der Couch wurde stattdessen genutzt, um sich mit dem Thema Vermögensaufbau zu beschäftigen. Und drittens ist auch der Zugang zu Finanzbildung einfacher denn je. In Facebook-Gruppen und auf Youtube können sich Anleger kostenlos über Indexfonds informieren, Sparpläne vergleichen oder sich Tipps für ihr persönliches ETF-Depot einholen.

Trotzdem machen Neuanleger im Umgang mit ETFs häufig Fehler, die auf Dauer wertvolle Rendite kosten können. Business Insider hat mit dem Finanzmarktexperten und Anlegerschützer Christian Röhl gesprochen. Er kennt die häufigsten Fehler – und sagt, wie ihr sie vermeiden könnt.

Fehler 1: Zu viele ETFs im Depot

ETFs lassen sich oft schon ab einer monatlichen Sparrate von 25 Euro besparen. Das macht die Anlageform auch für junge Anleger sehr attraktiv. Viele neigen jedoch dazu, trotz geringer Sparsummen gleich vier oder fünf ETFs zu besparen. Erstmal verständlich, wie Röhl findet: „Die Begeisterung für die Vielfalt an Indexfonds ist am Anfang sehr groß und viele können sich nur schwer vorstellen, wie ihr Geld mit nur einem einzigen Wertpapier im Depot ausreichend breit angelegt sein soll“, sagt Röhl.

Das Motto „Viel hilft viel“ gelte beim Vermögensaufbau mit ETFs allerdings nicht, im Gegenteil: Wer in zu viele – und vor allem wenig aufeinander abgestimmte – Indexfonds gleichzeitig investiert, riskiere Überschneidungen und womöglich höhere Kosten. Ein bis zwei ETFs reichen laut Röhl bei Sparraten unter 100 Euro völlig aus: „Eine solide Basis ist zum Beispiel der MSCI All Countries World Index, der rund 3.000 Unternehmen aus Schwellen- und Industrieländern enthält“, sagt Finanzprofi. Alternativ biete sich auch der FTSE All World an. Er umfasst rund 4.000 Positionen aus 49 Ländern.

Wer unbedingt zwei ETFs besparen möchte, könne hingegen den MSCI World um den Schwellenländer-Index MSCI Emerging Markets ergänzen. Mit allen Optionen hätten Anleger fast die gesamte Weltwirtschaft abgedeckt. Ein dritter ETF ist laut Röhl erst ab Sparraten von 100 Euro oder mehr sinnvoll. Um das Portfolio weiter zu diversifizieren, eigne sich etwa der MSCI World Small Cap. „Der enthält auch kleine Unternehmen mit geringem Börsenwert, die langfristig gute Wachstumschancen haben.“

Fehler 2: „Klumpen“ riskieren

Doch Vorsicht: Auch wer nur zwei ETFs bespart, macht schnell einen weiterer beliebter Fehler. Denn je mehr ETFs im Depot liegen, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass dieselben Aktien mehrfach enthalten sind. Ein „Klumpenrisiko“, wie Finanzexperte Christian Röhl das Phänomen nennt.

So würden junge Anleger neben dem bewährten MSCI World Index oft noch einen ETF auf die technologielastigen US-Indizes Nasdaq oder S&P 500 besparen. „Damit haben Anleger ihr Geld zwar auf mehr Firmen verteilt, aber keineswegs das Portfolio auch geographisch oder sektoral diversifiziert, wie es bei ETFs eigentlich sinnvoll ist“, erklärt Röhl. Von den rund 1600 Aktien im MSCI World beispielsweise entfielen bereits zwei Drittel auf Unternehmen aus den USA – mit Werten wie Apple und Microsoft an der Spitze. „Die Plattform-Riesen dominieren auch im S&P 500 und im Nasdaq, sodass die Streuung bloß die Konzentration erhöht“, sagt Röhl. Er empfiehlt Anlegern, lieber geographisch zu streuen. Zum Beispiel mit einem ETF, der nur Aktien von Unternehmen aus Europa oder Asien enthält.

Fehler 3: Zu viel Heimatliebe

Auch wer sich bislang kaum mit Aktien beschäftigt hat: Den deutschen Leitindex Dax kennt fast jeder. Neuanleger greifen deshalb gerne zu einem Dax-ETF mit Werten wie Siemens oder Volkswagen. Diese Form der Heimatverbundenheit ist laut Finanzmarktexperte Röhl jedoch keine sinnvolle Strategie: „Mit 30 Werten lässt sich zwar ein diversifiziertes Portfolio aufbauen, aber dem Dax mangelt es dafür an sektoraler Breite. Es gibt zum Beispiel viel Automobilindustrie, aber wenig nicht-zyklische Konsumgüterfirmen.“

Außerdem fehle es Deutschland an globalen Plattformunternehmen, die in vielen ETFs ein wichtiger Renditetreiber seien. Zwar gebe es auch hierzulande wachsende Tech-Firmen wie Delivery Hero oder SAP. „In ihrer Zugkraft sind diese aber nicht vergleichbar mit einem Apple, Microsoft oder Google“, so Röhl.

Er rät Anlegern, als Basis-ETF lieber einen der bewährten World-Indizes zu wählen. Darin seien auch Aktien deutscher Unternehmen enthalten. „Wer dann immer noch auf etwas Lokalkolorit im Depot besteht, kann einen ETF auf den Nebenwerteindex MDax beimischen“, so Röhl weiter. Dieser spiegelt die Entwicklung der 60 größten deutschen Unternehmen wieder, die beim Börsenwert und Handelsvolumen auf die 30 Dax-Werte folgen. So würden auch Überschneidungen vermieden.

Fehler 4: Nur auf die Kosten schauen

ETFs sind im Vergleich zu aktiven Fonds extrem günstig. Die durchschnittlichen Gebühren aller ETFs in Deutschland liegen laut dem Portal ExtraETF bei 0,35 bis 0,5 Prozent pro Jahr. Tendenz fallend – auch weil ständig neue Indexfonds dazukommen. So manchen Anleger verleiten günstigere Gebühren dazu, sein Depot auf vergleichbare ETFs anderer Anbieter umzuschichten. Ein Fehler, schließen seien etwa noch Steuern zu berücksichtigen. „Damit sich das rechnet, müssen die Kosten schon mindestens 15 bis 20 Prozentpunkte niedriger sein“, warnt Röhl.

Und selbst dann seien höhere Renditen keineswegs garantiert. Ein ETF mit niedrigeren Kosten könne in der Folge etwa schlechter performen als solche mit höheren Kosten. Eine Ausnahme sind für Röhl Sonderaktionen von Banken, die mit kostenlosen Sparplänen für bewährte ETFs werben. „Wenn ich da ohnehin noch bei einem Broker bin, der mir abseits von Sonderaktionen pro Sparplanausführung 1,5 Prozent an Gebühren berechnet, kann sich ein Wechsel durchaus lohnen.“ Aber auch hier sollten Anleger vorher genau das Kleingedruckte lesen, warnt Röhl. Viele dieser Aktionen gelten nur für ein Jahr. Danach entstünden womöglich wieder Mehrkosten.

Fehler 5: Dauernd auf Rendite optimieren

Ähnlich äußert sich Röhl auch zu Anlegern, die statt den Kosten lieber die Rendite optimieren wollen. Zum Beispiel, indem sie ihren Depotbestand regelmäßig in andere ETFs mit vermeintlich besserer Performance umschichten. Röhl beobachtet dieses Verhalten oft bei mathematisch interessierten Menschen. „Die versuchen ständig zu optimieren, das ist so eine typische Ingenieurskrankheit“, erklärt der ETF-Experte. Was bei einer Maschine noch sinnvoll sei, gelte für den Umgang mit Indexfonds allerdings nicht.

Auch ob ein Sparplan am Monatsersten oder in der Monatsmitte ausgeführt werde, sei für die Rendite auf Dauer unerheblich. „Viel wichtiger ist, sich vor dem Einstieg in die ETF-Welt auf eine Strategie festzulegen und dabei zu bleiben, mindestens zehn bis 15 Jahre“, betont Röhl. Andernfalls gelte schnell die bewährte Börsenweisheit: „Hin und her macht Taschen leer.“

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