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Spaniens Wirtschaft wächst um knapp 17 Prozent im dritten Quartal

·Lesedauer: 4 Min.

Das starke Wachstumsplus liegt am heftigen Einbruch in den Monaten zuvor. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen sind Experten für das Jahresende jedoch skeptisch.

Die Einnahmen im Tourismusbereich in Spanien sind massiv eingebrochen. Foto: dpa
Die Einnahmen im Tourismusbereich in Spanien sind massiv eingebrochen. Foto: dpa

Die spanische Wirtschaft ist im dritten Quartal um 16,7 Prozent gewachsen. Das enorme Plus ist vor allem auf den heftigen Einbruch im zweiten Quartal zurückzuführen, als Spaniens Wirtschaft um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr schrumpfte – mehr als in jedem anderen europäischen Land.

Im Vergleich zum Vorjahr bleibt ein Minus von 8,7 Prozent. Das liegt vor allem an der großen Abhängigkeit der spanischen Wirtschaft vom Tourismus, dessen Einnahmen in diesem Sommer nach Angaben des Branchenverbands Exceltur um rund 70 Prozent eingebrochen sind. Der Tourismus macht in Spanien zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung aus.

Die spanische Wirtschaftsministerin Nadia Calviño hatte zuvor ein Wachstum von rund 13 Prozent in Aussicht gestellt und zeigte sich zufrieden. „Die Daten, die wir in dieser Woche gesehen haben, zeigen die starke Belebung von Wirtschaft und Beschäftigung im dritten Quartal des Jahres“, sagte sie.

So hätten 80 Prozent der Kurzarbeiter dieses Schema inzwischen wieder verlassen. „Die Erholung hält an, aber wir befinden uns derzeit in einer Phase großer Unsicherheit, sowohl auf europäischem als auch auf globalem Niveau“, sagte sie. Spanien und die EU müssten die Pandemie deshalb weiter koordiniert bekämpfen.

Die Aussichten für das vierte Quartal sind wegen der steigenden Infektionen und immer neuer Restriktionen düster. In Spanien hat die zweite Welle schon im Juli und damit früher als im Rest Europas begonnen und dazu geführt, dass Experten ihre Prognosen reihenweise gesenkt haben.

„Wir erwarten jetzt, dass die spanische Erholung im vierten Quartal zu einem abrupten Stopp kommt“, schrieben die Analysten von Morgan Stanley in einer Studie Mitte Oktober. Sie gehen nun von einem Nullwachstum im Vergleich zum dritten Quartal aus, während sie ursprünglich ein Plus von neun Prozent prognostiziert hatten. „Die Stagnation kommt negativ zu einer bereits schwachen Leistung hinzu und wird dazu führen, dass Spanien mit Abstand der schlechteste regionale Akteur sein wird.“

BBVA erwartet im viertel Quartal zwei Prozent Wachstum

Die Unsicherheit ist allerdings auch unter Experten groß, und die Prognosen variieren entsprechend stark. Die spanische Großbank BBVA erwartet ein Wachstum von zwei Prozent für das vierte Quartal. In normalen Zeiten wäre das ein hoher Wert, jetzt aber bedeute es einen drastischen Rückgang, erklärt BBVA-Analyst Miguel Cardoso. „Mit der zweiten Covid-19-Welle, die sich schnell im Rest Europas verbreitet (…) sieht es so aus, als würde die Erholung nicht in Form eines Nike-V verlaufen, sondern in Form eines W“, schrieb Spanien-Analyst Steven Trypsteen von ING am vergangenen Mittwoch.

Für das Gesamtjahr rechnet er mit einem Minus von 15 Prozent für die spanische Wirtschaft. Und auch für das kommende Jahr ist die Bandbreite der Prognosen enorm: Sie reichen von dem optimistischen Plus von 9,8 Prozent der spanischen Regierung bis zu sechs Prozent von BBVA.

Vieles hängt davon ab, wie sich in den kommenden Wochen die Infektionen entwickeln. In ganz Europa füllen sich gerade die Krankenhäuser und Intensivstationen. Mehrere Regierungen haben Lockdowns verhängt, wenn auch nicht so strikte wie im Frühjahr.

Spaniens Restriktionen sind bislang vergleichsweise sanft: Seit dieser Woche gilt ein nationaler Alarmzustand, der eine nächtliche Ausgangssperre von 23 bis 6 Uhr vorsieht. Ausnahme sind die Kanaren, deren Infektionsrate deutlich besser ist als in den restlichen Regionen. Bars und Restaurants müssen dort um 23 Uhr schließen.

Deutschland dagegen schließt im November alle Bars, Restaurants, Kinos, Theater und Fitness-Studios – obwohl die Infektionsrate nur ein Drittel der spanischen beträgt. „Spanien versucht, mit Blick auf die Wirtschaft so vorsichtig wie möglich zu sein, aber ich frage mich, ob die aktuellen Maßnahmen ausreichen, um das Virus zu stoppen“, sagt José Ignacio Conde-Ruiz von der spanischen Business-School ESADE. Einen Lichtblick gebe es mit Blick auf das vierte Quartal immerhin: „Der Tourismus fällt dann nicht mehr so stark ins Gewicht fällt, weil die Saison mit Ausnahme der Kanaren gelaufen ist“, sagt er.

Dafür gewinnt der inländische Konsum an Bedeutung. Der aber sinkt, wenn die Infektionen steigen. Nach Angaben von BBVA sind die Ausgaben mit Kreditkarten im August um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, während sie in den ersten drei Oktoberwochen nur um 1,5 Prozent zulegten.

Hinzu kommt, dass Hilfsmaßnahmen wie Kurzarbeitergeld oder staatlich garantierte Kredite zum Beginn der Pandemie die schwersten Folgen für die Wirtschaft abgefedert haben. Diese Maßnahmen lassen sich aber nicht beliebig fortsetzen. „Unternehmen werden nicht immer neue Kredite aufnehmen, schließlich müssen sie diese auch zurückzahlen können“, sagt Ökonom Conde-Ruiz. „Einige werden eher schließen, wenn die Krise anhält.“