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Warum sich der Sosafe-Gründer 2024 wieder aufs Fahrrad traut – und welche Psychologie-Hacks ihn morgens aus dem Bett holen

Sosafe-Gründer Niklas Hellemann haben durch KI erstellte Cyber-Attaken auf Unternehmen 2023 beunruhigt. Er glaubt, dass 2024 trotzdem gut wird. - Copyright: Sosafe
Sosafe-Gründer Niklas Hellemann haben durch KI erstellte Cyber-Attaken auf Unternehmen 2023 beunruhigt. Er glaubt, dass 2024 trotzdem gut wird. - Copyright: Sosafe

Niklas Hellemann kennt die menschlichen Schwächen gut und weiß, wie Hacker das ausnutzen – vor allem mit Mitteln, die neuerdings KI bietet. Vor viereinhalb Jahren hat der promovierte Psychologe zusammen mit Felix Schürholz und Lukas Schaefer das Cybersecurity-Startup Sosafe gegründet. Netz-Kriminelle bekämpfen die Gründer dabei nicht durch Schutz-Software, die sie bei Unternehmen einrichten. Stattdessen trainieren sie deren Mitarbeitende. Das Ziel: Durch Erfahrung erkennen Teammitglieder gefälschte E-Mails („Phishing“) schneller und geben Zugangsdaten an Betrüger erst gar nicht weiter.

Die Lernplattform, auf der Beschäftigte in kurzen Nuggets Wissen aufbauen und in Quizfragen testen, können Unternehmen in ihr eigenes Cloud-System integrieren. Zudem simuliert das Startup Cyber-Attacken, indem es über das Jahr verteilt Phishing-E-Mals an Mitarbeitende verschickt. Heute bedient Sosafe über 4.000 Kunden, darunter Aldi Nord, Energieversorger Vattenfall und Rossmann. Zuletzt sammelten die Gründer im Januar 2022 rund 73 Millionen US-Dollar (66 Millionen Euro) bei Investoren ein. An dem Startup beteiligen sich unter anderem Rocket Internet, die SAP-Tochter Hybris, Acton Capital und der Berliner VC La Famiglia. Wie Sosafe-CEO Hellemann das scheidende Jahr erlebt hat und was er sich für das Kommende vornimmt, erfahrt ihr hier.

Dein Jahr 2023 in einem Wort? 

Multi-Krisen.

Warum? 

In der Cybersecurity-Branche spielen die aktuelle geopolitische Lage und Krisen eine wichtige Rolle. Dabei geht es aber nicht nur um die politische Perspektive: Der Anstieg an Cyberangriffen kommt auch durch halbstaatliche oder kriminelle Cyber-Akteure, die die generellen Unsicherheiten für ihre Zwecke ausnutzen. Mit Künstlicher Intelligenz verschärft sich die Lage weiter: Selbst Laien können durch KI zu professionellen Hackern werden, zum Beispiel durch die automatisierte Erstellung von Malware. KI ermöglich außerdem die Skalierung von Cyberangriffen und eröffnet Hackern neue Sphären des Social Engineerings durch Deepfakes, Voice Phishing und Ähnliches. Wenn ich diese Entwicklungen zusammenfasse, spreche ich oft von einer “Industrialisierung der Angreiferseite”. Cyberkriminelle sind mittlerweile hochprofessionelle Organisationen, die effiziente und gewinnorientierte Strukturen entwickelt haben. Sie nutzen unsere allgemeine gesellschaftliche Situation und die Multi-Krisen, mit denen wir dieses Jahr konfrontiert wurden, rücksichtlos für ihre Zwecke aus.

Und 2024 wird ...?

2024 wird besser, weil ich beobachte, dass sowohl Unternehmen als auch unsere Gesellschaft zunehmend widerstandsfähiger gegenüber dieser Bedrohungslage werden – dieser Prozess ist zwar langsam, aber deutlich erkennbar. Wir dürfen allerdings nicht vergessen, dass diese positive Entwicklung das Ergebnis harter Arbeit ist. Es ist notwendig, dass wir kontinuierlich investieren und uns engagieren, um diese Resilienz weiter zu stärken und den Herausforderungen der Zukunft erfolgreich begegnen zu können.

Was machst du in der Zeit dazwischen, wo und mit wem? Auch mal komplett Digital Detox?

Ich lege großen Wert darauf, möglichst viel Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen und mich auch aktiv um Self-Care zu kümmern. Dazu gehört definitiv auch mal der Digital Detox, vor allem in Bezug auf soziale Medien, der mir hilft, mich von der ständigen digitalen Reizüberflutung zu erholen. Traditionell schalte ich an Weihnachten aber auch mal die Switch an – im Vergleich zu Plattformen wie TikTok und anderen sozialen Medien erscheinen mir Spielekonsolen fast schon wie ein “vernünftiges Medium”.

Was hast du dieses Jahr neu gelernt?

Dieses Jahr habe ich nochmal gelernt, wie wichtig “Selbstwirksamkeit” ist. Grundsätzlich geht es dabei um das Gefühl oder die Überzeugung, dass unser Handeln einen echten Einfluss hat und dass wir aktiv unser Leben und unsere Umgebung mitgestalten können. In der Psychologie wissen wir, dass ein Mangel an Selbstwirksamkeit zu Depressionen führen kann. Und ich glaube, wir konnten alle sehr eindringlich sehen, dass viele negative Ereignisse und Entwicklungen, zum Beispiel in der politischen Debatte, darauf zurückzuführen sind, dass Menschen sich machtlos oder unwichtig fühlen – und dann den „großen Vereinfachern“ hinterherrennen. Ich glaube, dass es deshalb entscheidend ist, dass wir Wege finden, den Menschen wieder das Gefühl zu geben, dass sie eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielen – nicht außerhalb davon. Und dass wir so wieder etwas mehr Stabilität in unserer Gesellschaft schaffen können.

Was willst du nächstes Jahr neu lernen?

Ich will wieder lernen, ohne Angst in Köln Fahrrad zu fahren. In diesem Jahr hatte ich einen schweren Fahrradunfall und wurde von einem Auto angefahren – seitdem habe ich mich noch nicht wieder aufs Fahrrad gesetzt. Das will ich 2024 ändern.

Wer oder was hat dich 2023 am meisten genervt?

Was mich dieses Jahr am meisten genervt hat, waren Menschen, die sich ausschließlich auf ihr eigenes Fortkommen konzentriert und dabei sehr verkürzte Lösungen propagiert haben, ohne Rücksicht auf die gesellschaftlichen Konsequenzen. Diese Haltung führt oft dazu, dass sich die Spaltung in der Gesellschaft weiter vertieft – statt den Zusammenhalt zu fördern, den wir aktuell so dringend brauchen.

Was hast du im vergangenen Jahr in deinem beruflichen Leben getan, auf das du richtig stolz bist? 

Wir haben unser Board und unsere Organisation mit vielen großartigen Kolleginnen und Kollegen verstärkt. Darunter war beispielsweise Zeynep İnanoğlu, die Chief Marketing Officerin von Atlassian, die jetzt Board Member bei uns ist; oder Gonçalo Gaiolas, unser neuer Chief Product Officer (CPO), der zuvor CPO bei Outsystems war – einem der großen Tech-Unicorns in Europa. Darüber hinaus haben wir in Lissabon einen Tech-Hub eröffnet mit vielen neuen Teammitgliedern.

Größte berufliche Fehlentscheidung 2023?

Dass ich nicht immer meiner Überzeugung gefolgt bin.

Geschätzt: An wie vielen Tagen des vergangenen Jahres hattest du keinen Bock aufzustehen?

Ich weiß, dass mir das viele jetzt nicht glauben werden: Aber seit wir Sosafe 2018 gegründet haben, hatte ich so einen Tag nicht mehr. Sicher, es gibt Wochen, die herausfordernder sind als andere, und manchmal weiß ich schon im Voraus, dass es hart wird. Aber ich bin mir der Tatsache sehr bewusst, dass ich einen der vielfältigsten Jobs habe, den man sich vorstellen kann, und dafür bin ich unglaublich dankbar. Aus der psychologischen Forschung wissen wir aber, dass Menschen an verschiedenen Tagen für unterschiedliche Arten von Aufgaben besser geeignet sind. Ich habe für mich selbst herausgefunden, dass ich montags in der ersten Tageshälfte am besten konzentriert und ungestört arbeiten kann, also nutze ich diese Zeit für “Deep Work”. Sehr wichtige externe Meetings plane ich, mit wenigen Ausnahmen, auch nicht für Montage. Diese Erkenntnisse über meine Arbeitsweise helfen mir, mich jeden Tag motiviert und produktiv zu fühlen.

Wenn du eine Extra-Strunde pro Tag hättest, wie würdest du sie verbringen?

Ich würde die Zeit nutzen, um regelmäßig zu meditieren – am liebsten jeweils 20 Minuten am Morgen und am Abend. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass ich dadurch schnell erkennen würde, dass es nicht unbedingt “mehr Zeit” ist, die man benötigt, um solche Routinen zu etablieren. Vielmehr geht es darum, die eigene Einstellung zu ändern. Ich glaube, dass die Herausforderung eher darin liegt, Prioritäten zu setzen und sich bewusst Zeit für das zu nehmen, was einem persönlich wichtig ist, anstatt nur auf mehr verfügbare Zeit zu warten.

Krasser persönlicher KI-Hack?

Einer der bemerkenswertesten persönlichen KI-Hacks für mich ist die Verwendung von ChatGPT zur Erstellung psychologischer Surveys. Während meines Studiums in Psychologie haben wir sehr intensiv psychologische Testtheorie gelernt, also die Entwicklung wissenschaftlich fundierter Umfrageinstrumente. Die Erstellung und Validierung von Fragen war ein komplexer Prozess. Doch mit Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT ist dies nun viel einfacher und effektiver geworden. Diese KI-Tools ermöglichen eine schnellere und präzisere Generierung von Fragen und tragen erheblich dazu bei, die Qualität, Reliabilität und Validität von Surveys zu verbessern.

Wird alles gut?

Unbedingt – wenn wir davon nämlich nicht überzeugt sind, dann wird es ziemlich sicher nicht gut.