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Solaranlage mieten statt kaufen? Ein Experte erklärt, was ihr dazu wissen müsst und ob es sich lohnt

Eine Solaranlage (Symbolfoto). - Copyright: Getty Images/The Good Brigade
Eine Solaranlage (Symbolfoto). - Copyright: Getty Images/The Good Brigade

Wer in diesem Jahr Post von seinem Stromanbieter bekam, konnte leicht ins Schwitzen kommen. Denn oft verkündete das unscheinbare Schreiben schmerzhafte Preiserhöhung. Laut dem Vergleichsportal Verivox kletterte der durchschnittliche Preis je Kilowattstunde im Oktober auf 53,85 Cent – von 31,38 Cent im Vorjahresmonat. Die Energiekrise in Folge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine machte die eigene Stromproduktion über eine Solaranlage für viele deutlich attraktiver.

Dabei fiel die Wahl der Kunden oft auf Anbieter, die die Anlagen nicht verkaufen, sondern Kunden ein Mietmodell anbieten. Das Prinzip: Anstatt den fünfstelligen Kaufpreis für Komponenten und Montage hinzublättern, zahlen Kunden über Laufzeiten von oft 20 Jahren einen monatlichen Betrag an den Anbieter. Dafür dürfen sie den Solarstrom aus der Anlage nutzen und kassieren im Normalfall auch die Vergütung, falls sie den Strom nicht selbst verwenden, sondern ins Netz einspeisen.

Wer Solaranlagen mieten will, sollte sich nicht auf Berechnungen der Anbieter verlassen

Kunden entscheiden sich häufig aufgrund von zwei vermeintlichen Vorteilen für das Mietmodell: Zum einen fällt die hohe Anfangsinvestition weg. Zum anderen versprechen sie sich wesentlich weniger Planungsaufwand für ihre Anlage. Denn: Der Vermieter ist der Eigentümer und hat als solcher sicherzustellen, dass die Anlage überhaupt auf dem Dach landet und ordnungsgemäß funktioniert, erklärt Sören Demandt von der Verbraucherzentrale NRW. Der Mieter ist dann lediglich der Betreiber der Anlage und muss die steuerlichen Aspekte mit dem Finanzamt regeln.

Das klingt erst einmal erleichternd. Denn wer sich für eine Solaranlage entscheidet, muss sich beim Vergleich der Angebote mit vielen Zahlen herumschlagen – Nennleistung, Speicherkapazitäten, Einspeisevergütung, Wartungskosten, Versicherungen. Und im Zweifelsfall muss auch noch ein Kredit her, um den Kauf zu finanzieren. Vermieter versprechen ein Rundum-Sorglos-Paket.

Das führe allerdings dazu, dass Kunden nicht genau auf die Details achten, so Demandt. „Uns ist vermehrt aufgefallen, dass Verbraucher bei Miet-Angeboten dazu neigen, nicht so genau hinzusehen, weil eine All-Inclusive-Lösung versprochen wird.“ Das sei aber wichtig. Denn Hauptknackpunkt bei der Miete sind die Kosten. Die sind durch die lange Finanzierung am Ende oft wesentlich höher als beim Kauf einer PV-Anlage, erklärt Demandt – so hoch, dass sie rein finanzielle betrachtet kaum attraktiver seien, als die normale Versorgung mit Strom aus dem Netz. Wer sich dafür interessiert, eine Solaranlage zu mieten, sollte sich nicht allein auf die oft überzogenen Einspar-Versprechungen der Vermieter verlassen.

Finanzierung mit langen Laufzeiten aktuell unrentabel

Dass sich Solaranlagen über eine lange Finanzierung kaum lohnen, liege auch am aktuellen Zinsniveau. Das wirke sich sowohl auf die Miete aus als auch auf Kreditfinanzierungen mit langer Laufzeit. So beschaffte PV-Anlagen würden sich erst nach Jahrzehnten amortisieren, meint Demandt. „Wie hoch letztlich die Ersparnisse sind, hängt sehr stark vom Standort und der Nutzung des selbst produzierten Stroms ab“, erklärt Demandt. „Mit durchschnittlichen Annahmen ist es aber in vielen Fällen so, dass sich die Anlage in 20 Jahren noch nicht amortisiert hat. Erste Ersparnisse stellen sich wahrscheinlich erst nach zehn bis 15 Jahren ein.“ Auch bei Mietmodellen würde man im Vergleich zum Netzstrom am Anfang erstmal draufzahlen.

Allgemein appelliert die Verbraucherzentrale daher an Interessenten, sich verschiedene Angebote einzuholen und zu vergleichen, um nicht auf überhöhte Versprechen der Anbieter hereinzufallen. Wer dafür nicht zum Taschenrechner greifen will, kann die jeweiligen Daten auch in ein Online-Tool der Verbraucherzentrale eingeben und einfach berechnen lassen.

Mieten oder kaufen: „Kein Modell ist prinzipiell besser oder schlechter“

Zudem sei der Blick ins Kleingedruckte der Verträge unerlässlich. Denn daran entscheide sich beispielsweise, ob vermietete Energiespeicher – die grundsätzlich mit zehn bis 15 Jahren eine geringere Haltbarkeit aufweisen als die Paneele – während der Mietzeit auch vom Anbieter ausgetauscht würden. In der Regel seien aber Klauseln im Mietvertrag, über welche die Vermieter eine bestimmte Speicherkapazität garantieren, so Demandt.

Miet-Angebote seien aber nicht grundsätzlich unseriöser als Kaufangebote, meint Demandt: „Kein Modell ist prinzipiell besser oder schlechter“. Einige Kaufanbieter würden beispielsweise überzogene Preise fordern, zumal die Nachfrage zuletzt hoch war und einige Komponenten der Anlage aufgrund von Lieferengpässen schwer verfügbar. Hier ist also ebenfalls eine sorgfältige Prüfung geboten.

Unterm Strich sollten sich Interessenten also mit der Anschaffung Zeit lassen, mehrere Angebote – sowohl Kauf als auch Miete – vergleichen und durchrechnen und sich nicht durch Verkaufsdruck oder schnelle Verfügbarkeit zu einem Vertrag drängen lassen. Sonst könnte es passieren, dass ihr am Ende deutlich weniger spart, als ihr euch vorgestellt habt.