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So soll die Wiesn grüner werden als je zuvor

So soll die Wiesn grüner werden als je zuvor

Zechen mit gutem Gewissen: Das größte Volksfest der Welt gibt sich umweltbewusst. Dieses Jahr schenken die Wirte in München erstmals klimaneutral produziertes Bier aus.

Ein Prosit auf die Natur: Das Oktoberfest soll dieses Jahr so umweltfreundlich werden wie noch nie. Zum ersten Mal bekommen die Besucher in München klimaneutral hergestelltes Bier vorgesetzt. „Der Klimaschutz gewinnt täglich an Bedeutung“, sagt Hofbräu-Direktor Michael Möller.

Hofbräu sieht sich mit seinem klimaneutralen Wiesnbier selbst als Vorreiter. Doch auch die Wettbewerber zögen beim Umweltschutz mit, beteuert Oktoberfest-Chef Clemens Baumgärtner. „Den Weg, den Hofbräu geht, den gehen alle Brauereien.“

An diesem Samstag beginnt das größte Volksfest der Welt, bis zum 6. Oktober erwartet die bayerische Metropole rund sechs Millionen Gäste auf der Theresienwiese.

Wenn so viele Menschen feiern, belastet das die Umwelt ganz gewaltig. Die Stadt München versucht deshalb, die negativen Auswirkungen so gut es geht zu begrenzen. Schon seit fast 30 Jahren ist Einweggeschirr verboten, auch Dosen sind nicht zugelassen. Betriebe, die Öko-Kriterien erfüllen, haben bessere Chancen, einen der begehrten Plätze auf der Wiesn zu ergattern. Positiv beurteilt wird etwa der Einsatz von Elektrofahrzeugen oder Solaranlagen.

Schon seit drei Jahren steht mit der Hühner- und Entenbraterei Ammer ein klimaneutrales Festzelt auf dem Oktoberfest. Die CO2-Emissionen gleicht der Wirt durch Umweltschutzprojekte in Afrika aus. Seither sind zwei weitere Zelte hinzugekommen.

Nun folgt als erste Brauerei Hofbräu. Der Staatsbetrieb unterstützt einen Landwirt darin, auf 44 Hektar Ackerfläche Humus aufzubauen. Damit soll der CO2-Ausstoß ausgeglichen werden, der bei der Bierproduktion fürs Oktoberfest entsteht, beim Transport auf die zentral gelegene Festwiese sowie beim Betrieb der vier Hofbräu ausschenkenden Zelte.

Das sei ein sinnvolles Vorhaben, meint Manfred Mödinger, Brau-Ingenieur und Umweltberater. „Böden sind der wichtigste Kohlenstoffspeicher der Welt. Es hat also eine Logik, durch humusaufbauende Maßnahmen über die Pflanzen Klimagas aus der Atmosphäre zu entnehmen.“

Auf dem Oktoberfest gibt es nur Münchner Bier, neben Hofbräu sind die Brauereien Paulaner, Augustiner und Löwenbräu vertreten. Im Rest des Freistaats bemühen sich aber auch Wettbewerber, die Umwelt zu schonen; allen voran die Öko-Brauerei Lammsbräu. Die Biobauern, die die Brauerei beliefern, bauten „den durch die industrielle Turbolandwirtschaft mit Ihren Giften zerstörten Humus auf den Feldern wieder auf“, teilt die Familienfirma mit. Humus sei eine natürliche CO2-Senke, er fange das Klimagas auf. „Und jeder Zentimeter mehr davon hilft, den Klimawandel wirkungsvoll zu bekämpfen“, sagt Lammbräu-Chef Johannes Ehrnsperger.

Darüber hinaus sind auch einige Schaustellerbetriebe als klimaneutral zertifiziert. Die Emissionen von Achterbahn oder Wellenflieger werden der Kommune zufolge durch anerkannte Klimaschutzprojekte ausgeglichen.

Die Stadt München hat einen hohen Anspruch. „Wir wollen ein ökologisches Fest veranstalten“, sagt Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Baumgärtner. Soweit das überhaupt geht: Denn es wird hemmungslos konsumiert. Vergangenes Jahr verschlang das Publikum 130 Ochsen und 48 Kälber. Hinab gespült haben die 6,3 Millionen Gäste 2018 ihre Mahlzeiten mit mehr als sieben Millionen Liter Bier.

Die Stadt bietet den Unternehmern auf der Wiesn daher Umweltberatung an. 43 Betriebe haben offiziellen Angaben zufolge dieses Jahr teilgenommen, „vom Mandelbrenner über das Kettenkarussell bis zum Festzelt“. So sei es inzwischen weit verbreitet, das Nachspülwasser der Biergkrugspülmaschinen für die Toiletten zu verwenden. Die städtischen Initiativen scheinen auch an anderer Stelle erfolgreich: So sei die Müllmenge auf den Straßen zwischen 2008 und dem vergangenen Jahr von 247 Tonnen auf 88 Tonnen gesunken.

Auf den Bierpreis haben die Umweltschutzaktivitäten der Brauer keinen Einfluss, die Maß wird ohnehin jedes Jahr teurer: 2019 kostet der Liter gut elf Euro.