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So soll die Rückkehr zum normalen Krankenhausalltag gelingen

Gesundheitsminister Jens Spahn will Kliniken wieder zum Regelbetrieb führen. Ein Viertel der Intensivbetten soll aber Covid-19-Patienten vorbehalten bleiben.

Angesichts der bevorstehenden Lockerungen sollen Kliniken weiter 25 Prozent der Intensivkapazität für Covid-19-Patienten vorhalten und flexibel aufstocken können. Foto: dpa

Vor mehr als sechs Wochen, am 16. März 2020, begannen die Kliniken in Deutschland angesichts der Ausbreitung der Corona-Pandemie, alle medizinisch nicht zwingend notwendigen Behandlungen und Operationen zu verschieben, um in den Kliniken freie Kapazitäten für Covid-19-Patienten zu schaffen. Bislang wurde davon nur ein kleiner Teil gebraucht.

Deshalb will das Bundesgesundheitsministerium die Kliniken nun langsam wieder in Richtung Normalbetrieb führen und hat dazu am Dienstag ein Konzeptpapier vorgestellt. Zurzeit entwickelt sich die Zahl der Neuinfektionen wegen des Lock-Down stabil. Aber auch wenn im Zuge der Lockerungen wieder mehr Fälle von Sars-Cov-2-Infektionen auftreten, dürften die Kliniken binnen weniger Tage in der Lage sind, freie Intensivkapazitäten zu schaffen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will auf dem Weg zur Normalisierung nach einem Stufenplan vorgehen. Danach sollen Kliniken bis auf weiteres 25 Prozent der insgesamt vorhandenen Intensivbetten freihalten. Die OP-Kapazität könne in einem ersten Schritt zu 70 Prozent für so genannte elektive Eingriffe, also planbare Operationen geöffnet werden.

Über diese Vorgabe hinaus sollten die Krankenhäuser in der Lage sein, je nach Pandemieverlauf innerhalb von 72 Stunden weitere Intensiv- und Beatmungskapazitäten zu organisieren.

In den nächsten Schritten sollen dann die Kapazitäten für elektive Eingriffe alle zwei Wochen um zehn Prozent gesteigert werden, wobei regional immer die vorhandenen Intensivkapazitäten und das Auftreten von Neuinfektionen berücksichtigt werden sollen. In einer weiteren Phase könnten dann alle drei Wochen die OP-Kapazitäten um weitere fünf Prozent geöffnet werden.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) begrüßt das Papier grundsätzlich, sieht aber die teilweise detailverliebten Regelungen kritisch. Die Krankenhäuser hätten in der ersten Phase der Pandemie gezeigt, dass sie sehr verantwortlich und flexibel reagieren können und werden, wenn es die Infektionslage erfordert. „Die Verantwortlichen in den Krankenhäusern wissen was zu tun ist, um allen Patienten die notwendige Versorgung zukommen zu lassen“, sagt DKG-Präsident Gerald Gaß.

Boris Augurzky, Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit beim RWI Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung in Essen, plädiert beim Übergang zum Regelbetrieb für die Zusammenführung aller relevanten Informationen in einer Art „Epidemie-Cockpit“ und zwar von der Bundesebene bis hinunter zum Landkreis.

„Wir müssen genau wissen, wie das lokale Infektionsgeschehen ist - beispielsweise auch mit Hilfe der Tracking-App. Wir müssen wissen, wie die Kapazitäten für Coronatests, wie die Krankenhauskapazitäten sind. Das muss man auf der lokalen Ebene nachhalten können, damit man auch den lokalen Krankenhausbedarf planen kann und damit man bei Bedarf nur lokale, keine nationalen Lockdowns braucht.“

Das sei auch deshalb wichtig, um globale Lockdowns zu vermeiden, so der Branchenexperte. „Denn wenn in einem Landkreis die Zahl der Infektionen steigt, ist klar, dass zeitversetzt einige Tage später auch mehr Patienten ins Krankenhaus kommen und gegebenenfalls eine Intensivversorgung brauchen“, so Augurzky. Der Gesundheitsökonom geht davon aus, dass im Laufe des Monat Mai alle diese Informationen zusammengetragen seien, damit man wieder zu einem Regelbetrieb zurückkehren könne.