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So gelingt die Bewerbung für ein MBA-Programm

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Für eine Aufnahme an den Top-Business-Schools reichen gute Noten allein nicht aus. Auch der Motivationsaufsatz muss überzeugen. Worauf es dabei ankommt.

Den größten Fehler begeht mancher Interessent für ein MBA-Programm gleich am Anfang. „Ich möchte an einer der Top-Business-Schools studieren, um meine Karrierechancen zu verbessern.“ Wer seine Bewerbung so oder so ähnlich begründet, sollte die Absage besser gleich einkalkulieren.

„Wir erleben es oft, dass Bewerber vor allem davon reden, was sie mit dem Studium erreichen wollen und welchen persönlichen Gewinn sie sich erhoffen“, sagt Emma Bond von Fortuna Admissions in London. Doch genau das wollen die Managementschmieden nicht hören.

Organisationen wie Fortuna unterstützen Studenten aus aller Welt bei ihrer Bewerbungsstrategie. Die Nachfrage ist groß, und das verwundert nicht: Die Plätze an den Eliteschulen sind rar, die Konkurrenz ist groß. Um herauszufinden, wie ihre Bewerber ticken und was sie zu bieten haben, verlangen viele Business-Schools zusätzlich zu Zeugnissen, Lebenslauf, Eignungstests und Empfehlungsschreiben persönliche Aufsätze zu einer konkreten Fragestellung.

Anwärter werden etwa gebeten, ihren Studienwunsch zu begründen, ein besonderes Erfolgserlebnis oder den Umgang mit einem Misserfolg zu beschreiben sowie ihre Pläne und Ziele nach dem Abschluss zu erläutern.

Obwohl der Bewerbungsessay in der Regel nicht länger als 300 bis 500 Wörter lang ist, sollten Interessenten für den begehrten Wirtschaftsabschluss Master of Business Administration (MBA) Zeit und Sorgfalt in diesen Teil ihrer Bewerbung investieren. Denn an Spitzenuniversitäten wie Stanford, Harvard, der LBS, der HEC in Paris oder der IESE in Barcelona kommen auf eine Zusage vier bis zehn Absagen.

Es ist gerade der Essay, der zwischen den vielen gut qualifizierten Kandidaten den Unterschied macht. Hinzu kommt: Wegen der Corona-Pandemie finden Eignungstests wie der GMAT in vielen Ländern nur noch eingeschränkt statt – das erhöht die Bedeutung des Motivationsaufsatzes noch.

Beraterin Bond rät: „Machen Sie deutlich, was Sie zu dem Programm und später zum Alumni-Netzwerk beitragen werden.“ Bond entschied früher im Auswahlkomitee der London Business School (LBS) darüber, wer zugelassen wird – und wer nicht.

Sich für eine angestrebte Position ins Zeug zu legen ist für angehende Führungskräfte nichts Neues, das kennen sie aus ihrer beruflichen Karriere. Doch das hochselektive Auswahlprozedere einer Topuniversität funktioniert anders als die Einstellungskriterien bei Unternehmen.

Firmen achteten viel stärker auf die sofortige Passgenauigkeit des Bewerbers für eine konkrete Position, sagt Pascal Michels von Menlo Coaching in Amsterdam. „Die meisten Manager wünschen sich jemanden, der ihnen das Leben leichter macht.“

Hochschulen dagegen denken deutlich langfristiger: „Business-Schools wollen nicht nur tolle Studenten, sondern auch wertvolle Alumni“, um damit das Renommee der Hochschule stärken zu können, erklärt Fortuna-Geschäftsführerin Caroline Diarte Edwards, ehemals in der Auswahlkommission der französischen Kaderschmiede Insead.

Akademische Erfolge, intellektuelle Fähigkeiten, Offenheit und Lernbereitschaft seien wichtig. Doch auch die Unterstützung künftiger Jahrgänge bei ihrer Karriere sollte den Absolventen ein Anliegen sein.

Anders als Konzerne, die oft Mitarbeiter mit dem passenden „Stallgeruch“ bevorzugen, legen Business-Schools Wert auf Diversität. Je vielseitiger der Mix an kulturellen und beruflichen Hintergründen ist, desto lebendiger und spannender sind der Austausch und das Lernerlebnis.

Für Langweiler sei da kein Platz, meint Michels, der nach einer Karriere in der Finanzwelt und als Director of MBA Admissions an der IESE beide Seiten kennt. Auch Ehrgeizlinge, die nur die eigene Karriere im Blick hätten und anderen nicht zuhörten, dürften sich keine großen Chancen ausrechnen.

Teamfähigkeit ist gefragt

Namhafte deutsche Privathochschulen denken ähnlich: „Im Auswahlprozess achten wir darauf, dass jeder Teilnehmer etwas mitbringt, von dem seine Kommilitonen lernen können“, sagt Gerold Gnau, Programmdirektor MBA an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar. „Wir möchten im Essay erfahren, was die Bewerber aus ihrer Sicht auszeichnet, wofür sie in einer Klasse stehen würden.“ Ebenso wichtig wie gute Noten und Testergebnisse seien persönliche Eigenschaften wie Teamfähigkeit sowie die Bereitschaft, von anderen zu lernen und Wissen zu teilen.

Um es mit einem überzeugenden Text in die nächste Auswahlrunde zu schaffen, sind hierzulande in der Regel zwar keine vierstelligen Beraterhonorare nötig. Die Bewerber sollten jedoch vorher gründlich recherchieren: „Wir wollen sehen, wie intensiv sie sich mit der WHU und unserem MBA auseinandergesetzt haben“, sagt Gnau.

Webinare und virtuelle Campus-Führungen, wie sie die meisten Hochschulen anbieten, sind eine gute Gelegenheit, vorab mit dem Admission-Team, Studierenden und Alumni in Kontakt zu treten und Interesse zu zeigen.

Auch die kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Werdegang, den persönlichen Fähigkeiten, Wünschen und Zielen erfordert Zeit. Der Essay verlange einen kritischen Blick auf sich selbst, so Gnau. Wer nur Allgemeinplätze wie „Ich bin international und kontaktfreudig“ aufliste, habe schlechte Karten.

Kai Stenzel, Leiter Zulassungen an der Mannheim Business School, ergänzt: „Negativ fällt auch auf, wenn dem Essay jegliche Individualität fehlt oder sogar der Verdacht naheliegt, dass er gar nicht aus der Feder des Bewerbers stammt.“

Buzzwords vermeiden

Was Bewerber sich beim Schreiben ebenso sparen sollten: Business-Buzzwords und technisches Kauderwelsch. „Wenn es sich anhört wie ein Dialog bei Star Trek, streichen Sie es“, rät Raj Patil, Gründer der Beratung Admissionado. Persönliche Erfolge sollten stets mit konkreten Daten untermauert werden. Also besser „Im vergangenen Jahr konnte ich die Verkaufszahlen verdreifachen“ als „Ich habe Erfahrung als Salesmanager“.

Wichtig sei es auch, Fakten in den richtigen Kontext zu stellen: „Ich belegte bei der Abschlussprüfung Platz 38“ klingt weniger interessant als „Ich belegte Platz 38 von 760“. Oder noch besser: „Ich gehörte zu den besten fünf Prozent meines Jahrgangs.“

Von falscher Bescheidenheit raten Experten ab: Natürlich dürfe man nicht lügen oder maßlos übertreiben, aber es spreche nichts dagegen, die Fakten bestmöglich zu präsentieren. „Machen Sie sich bewusst, dass Sie für die Business-School nicht nur Kunde, sondern auch Teil des Produkts sind“, sagt Bewerbungsberater Michels: „Die anderen bezahlen dafür, mit Ihnen in einer Klasse zu sitzen.“ Dafür sollte der Essay einen guten Grund liefern.