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So ermöglichen diese fünf Unternehmen mobiles Arbeiten aus dem Ausland

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„Office for the day“ – ihr kennt die Instagram-Bilder: Menschen, die auf ihren Laptops tippen, während sie in der Hängematte an tropischen Stränden irgendwo in Südostasien liegen und aus einer Kokosnuss genüsslich ihren Piña Colada trinken.

Doch auch einige von uns zog es während der monatelangen Lockdowns im grauen Deutschland an sonnigere Orte: von Städten wie Lissabon oder Bordeaux bis hin zu abgelegenen Orten am Mittelmeer. Warum statt des grauen Großstadtlebens nicht lieber eine wunderbare Aussicht über den Dächern eines kleinen mediterranen Fischerdorfs bis hin zum Meer genießen?

Was Angestellten sonst nur in Ausnahmefällen möglich war, ist mit dem pandemiebedingt gestiegenen Zuspruch von Remote-Work auch unter Beschäftigten beliebt geworden: arbeiten, wo andere Urlaub machen – auch bekannt als „Workation“. Für Mitarbeiter bei der DZ Bank, Vodafone, TUI, SAP und Continental ist das jetzt möglich.

Der klassische 9-to-5-Job wird flexibler werden

Bis Anfang 2020 stellte für die Mehrheit der Deutschen das mobile Arbeiten insgesamt eher eine Ausnahme dar. Mit der Pandemie änderte sich das nicht nur schlagartig, sondern auch nachhaltig: Künftig aber wird nach einer repräsentativen Studie des Digitalverbands Bitkom mehr als jeder dritte Beschäftigte (35 Prozent) den Arbeitsort flexibel wählen können.

Zwar pendelt sich seit dem Ende der Pflicht zum Homeoffice in Deutschland für viele der „normale“ Arbeitsalltag langsam wieder ein. Aber viele wünschen sich, weiterhin selbst entscheiden zu können, wann und von wo sie arbeiten. Die Flexibilität, die sie während der Pandemie erlebt haben und auch die Tatsache, dass das Arbeiten aus der Ferne gut funktioniert (hat), möchten viele Arbeitnehmer gern beibehalten.

Damit ist Flexibilität am Arbeitsplatz so gefragt wie noch nie. Die Corona-Pandemie hat nicht nur die digitale Transformation in Unternehmen beschleunigt, sondern auch die Art und Weise, wie wir künftig arbeiten wollen, nachhaltig verändert. Der klassische 9-to-5-Job wird langfristig wohl beugsameren Arbeitsmodellen weichen müssen.

Rückkehr zu Arbeitsbedingungen wie vor Corona? Nicht bei diesen Unternehmen

Mit der im April erlassenen Corona-Arbeitsschutzverordnung mussten Arbeitgeber Homeoffice überall dort anbieten, wo es möglich war. Die anfängliche Skepsis verflog, nachdem sie festgestellt hatten, dass auch ohne unmittelbare physischer Anwesenheit Arbeitsabläufe gut funktionierten und die Qualität der Arbeitsergebnisse ihrer Mitarbeiter nicht abnahm.

Einige passen daher ihre Arbeitsmodelle jetzt dauerhaft – auch als Teil ihres Employer Brandings – an die Wünsche und Gewohnheiten ihrer derzeitigen und potenziellen Mitarbeiter an. Zu diesen Unternehmen gehören beispielsweise die DZ Bank, Vodafone, TUI, SAP und Continental.

Bis zu 20 Tage im Jahr aus dem Ausland bei Vodafone und der DZ Bank

Sowohl die DZ Bank als auch Vodafone ermöglichen etwa ihren Mitarbeitern für einen begrenzten Zeitraum aus dem europäischen Ausland zu arbeiten. Die DZ Bank hat eigens mithilfe einer Betriebsvereinbarung den Weg fürs mobile Arbeiten frei gemacht: Innerhalb Deutschlands können die Mitarbeiter nun selbst entscheiden, von wo sie arbeiten möchten. Zusätzlich dürfen sie für einen Zeitraum von 18 Tagen aus dem EU-Ausland mobil arbeiten.

Vodafone ist bereits Anfang Oktober mit einem hybriden Arbeitsmodell gestartet, das auch nach der überstandenen Pandemie beibehalten werden soll. Mit dem „Full Flex Office“ ermöglicht das Unternehmen ohne Quoten-Vorgabe seinen Mitarbeitenden frei zu entscheiden, wann sie von wo aus arbeiten. Dieses Modell erlaubt es den Mitarbeitern zudem, bis zu 20 Tage im Jahr im EU-Ausland zu arbeiten.

Innerhalb Europas ist dank des hohen Stellenwerts der Freizügigkeit auch in der aktuellen Situation vieles möglich. Doch es gibt auch rechtliche Stolperfallen. Denn steuerrechtlich ist wichtig, wie lange jemand im Ausland tätig ist. Daher habe die zeitliche Begrenzung vor allem sozial- und steuerrechtliche Gründe, wie es auf Anfrage von Business Insider aus dem Konzern heißt.

30 Tage mit TUIs „Workwide-Programm“

Das deutsche Touristikunternehmen TUI ermöglicht seinen Mitarbeitern, sogar bis zu 30 Tage im Jahr weltweit von überall zu arbeiten. Dabei ist der Aufenthalt nicht nur auf das europäische Ausland begrenzt.

Wie Personalchefin Sybille Reiß bereits im August mitteilte, basiere das Projekt "TUI Workwide" auf Vertrauen – und gewähre für sechs Wochen im Jahr "absolute Flexibilität" für die Mitarbeiter.

SAP und Continental: Flexibles Arbeiten von überall

Software-Hersteller SAP und Automobilzulieferer Continental gehen noch einen Schritt weiter und geben ihren Beschäftigten die komplett freie Wahl.

Continental hat bereits im Jahr 2016 flexible Arbeitsbedingungen eingeführt. Neben Teil- und Gleitzeit sowie Sabbaticals steht den Mitarbeiter die freie Auswahl ihres Arbeitsortes zu. Auch der Softwareriese SAP setzt auf komplett flexible Arbeitsprozesse und lässt seine Mitarbeiter selbst entscheiden, wann sie von zu Hause, von unterwegs, im Büro oder aus dem Ausland arbeiten wollen.

Unternehmen haben inzwischen erkannt, dass das Konzept "ein Job fürs Leben" mit der Generation Z endgültig der Vergangenheit angehört. Für viele und vor allem für junge Mitarbeiter rückt die individuelle Lebensqualität immer weiter in den Vordergrund. Sie wünschen sich mehr Freiräume und Flexibilität als jemals zuvor: Dazu gehört es vor allem, mehr Zeit mit Familie und Freunden zu haben.

Auf diesen Shift versuchen Unternehmen nun zu reagieren. Mit Entscheidungen wie dem Angebot einer „Workation“ wollen sie insbesondere neue Talente ansprechen und sich gleichzeitig als Arbeitergeber mit dem besten Employer Branding positionieren.

So plant ihr eure „Workation“

Ihr habt Lust darauf bekommen, auch mal aus dem Ausland zu arbeiten? Bevor ihr euch an die Planung eurer „Workation“ setzt: Ein gesetzlich verankertes Recht auf Homeoffice in Deutschland gibt es nicht. Ihr müsst dabei die rechtlichen Voraussetzungen immer im Blick zu behalten. Dazu gehören arbeitsrechtliche, sozialversicherungsrechtliche, steuerrechtliche und andere Aspekte.

Ob das in eurem Unternehmen gegeben und möglich ist, müsst ihr erfragen. Arbeiten aus dem Ausland geht also nur dann, wenn euer Vorgesetzter informiert und ausdrücklich einverstanden ist. Weiß euer Chef nicht, dass ihr euch bereits an einem provisorisch aufgestellten Tisch in einer kleinen verträumten italienischen Seitengasse befindet, ist das ein Verstoß gegen euren Arbeitsvertrag.

Falls ihr also plant, für eine Zeit aus dem Ausland zu arbeiten, einigt euch unbedingt zuerst mit eurem Vorgesetzten. Ist er oder sie skeptisch, dann könntet ihr beispielsweise eine Testphase vorschlagen – in welcher ihr euren Chef davon überzeugt weiterhin produktiv arbeiten zu können und erreichbar zu sein.

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