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So entschlüsseln Anleger den Börsencode

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Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Jede Branche hat ihre eigene Sprache. Das ist auch in der Finanzbranche nicht anders. Experten verwenden oft Begriffe, die Laien erst einmal ratlos zurücklassen. Dabei kann es Anlegerinnen und Anlegern helfen, wenn sie die Fachausdrücke entschlüsseln können. Sieben häufig verwendete Wörter im Überblick:

1. Marktkapitalisierung: Das ist der Wert, mit dem die Börse ein Unternehmen insgesamt bewertet, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Oder anders gesagt: «Die Anzahl der Aktien, die an der Börse frei gehandelt werden, mal dem aktuellen Aktienpreis», erklärt Edda Vogt von der Deutschen Börse AG.

2. Small Caps, large Caps, Pennystocks: Aktie ist nicht gleich Aktie. Je nach Größe des Unternehmens bezeichnet man die Aktien anders. Als Small Caps etwa werden sogenannte Nebenwerte bezeichnet. «Also Unternehmen mit einer geringen Marktkapitalisierung», erläutert Vogt. Gelistet sind solche Werte beispielsweise im S-Dax.

Large Caps, auch Blue Chips genannt, haben die höchste Marktkapitalisierung. In Deutschland sind das Standardwerte - etwa umsatzstarke Aktien, die im deutschen Leitindex Dax vorkommen. Der Begriff Blue Chips stammt aus dem Casino, erläutert Edda Vogt. Dort hatten die blauen Chips den höchsten Wert.

Pennystocks sind Aktien, die unter einem Euro notieren. Diese Werte seien meist großen Schwankungen unterlegen, sagt Edda Vogt. «Ein Investment in Pennystocks ist also massiv spekulativ.» Je kleiner die Marktkapitalisierung, desto höher seien häufig die Rendite-Chancen, aber umso höher sind auch die Verlustrisiken.

3. Handelsplatz: Dort werden Wertpapiere gehandelt - viele Menschen denken da sofort an die Börse. «Seit 2007, als die Europäische Finanzmarktrichtline in deutsches Recht umgewandelt wurde, gibt es auch außerhalb der Börse Marktplätze», erklärt Edda Vogt. Beide Formen unterliegen Regulierungen.

Dazu noch ein Tipp von Jürgen Kurz: «Gerade bei Small Caps oder Pennystocks sollten Anleger darauf achten, dass sie einen Handelsplatz wählen, an dem die Aktien mit einem möglichst großen Volumen gehandelt werden.» Bei geringen Handelsvolumina bestehe die Gefahr, einen schlechteren Preis zu bekommen.

4. Split: Übersetzen kann man diesen Begriff etwa mit «Teilung». «Diesen Schritt vollziehen Unternehmen in der Regel, wenn sie ihre Wertpapiere optisch verbilligen und so wieder für einen breiteren Investorenkreis interessant machen wollen», erklärt Kurz.

Er erklärt das an einem Beispiel: Aus einer Aktie, die aktuell bei 1000 Euro steht, würden bei einem 1:10 Split zehn Aktien zu jeweils 100 Euro. «Die Marktkapitalisierung bleibt dadurch zunächst gleich.»

5. IPO: Die Abkürzung steht für Initial Public Offering - also für das erstmalige Angebot von Wertpapieren an die Öffentlichkeit. «Es handelt sich um eine Form des Börsengangs», sagt Vogt.

Dabei platziert ein Unternehmen seine Aktien erstmals weltweit an der Börse. «Eine andere denkbare Form eines Börsengangs wäre, dass ein Unternehmen seine Wertpapiere nur privat platziert - etwa zwei professionellen Investoren anbietet», erläutert die Börsenexpertin.

6. Kapitalerhöhung: «Wenn ein Unternehmen sein Grundkapital erhöhen will, kann es die Anzahl seiner öffentlich angebotenen Aktien an der Börse erhöhen», sagt Vogt. Die Folge: Mehr Menschen können Aktien des Unternehmens kaufen, bei Erfolg erhält es dann mehr Geld. Diesen Schritt muss sich das Aktienunternehmen zunächst genehmigen lassen.

«Da hier eine Verwässerung des Titels stattfindet, haben Altaktionäre oder bisherigen Aktionäre dann erst ein Bezugsrecht. Das können sie nutzen oder verkaufen», so Vogt.

7. Volatilität: Der Begriff beschreibt das Auf und Ab einzelner Wertpapiere oder ganzer Aktienmärkte. Volatilität ist das Maß für das Risiko von Geldanlagen. Sie wird in einer Prozentzahl angegeben: Je höher sie ist, desto stärker schwankt die Rendite der Geldanlage um ihren Mittelwert, so die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Der Wert der Option beziehungsweise der Zertifikate hängt direkt davon ab. Grundsätzlich stimmt: Je mehr der Marktpreis einer Geldanlage schwankt, umso volatiler und damit auch riskanter ist die Aktie. Allerdings trifft die Volatilität weder Aussagen über maximale Verluste, noch über Renditechancen einer Anlage.

Literatur:

Stefanie Kühn, Markus Kühn: «Alles über Aktien - Das Wichtigste rund um Börse, Dividende, Dax und Co.», Stiftung Warentest 2020, 176 Seiten, SBN: 978-3-7471-0343-2, 19,90

Euro Beate Sander: «Der Aktien und Börsenführerschein», Finanzbuchverlag 2020, 367 Seiten, 29,90 Euro, ISBN 978-3-95972-279-7.

Brigitte Wallstabe-Watermann u.a.: «Anlegen mit ETF - Geld bequem investieren mit ETF und Indexfonds», Stiftung Warentest 2020, 176 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-7471-0128-5.

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