Deutsche Märkte geschlossen

Fünf Punkte, die für Anleger heute wichtig sind

Der Verband der Automobilindustrie zieht eine Zwischenbilanz für die Branche in der Coronakrise. In den USA bleiben die Börsen feiertagsbedingt geschlossen.

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Zum Ausklang einer erfreulichen Handelswoche holt der Dax wohl erstmal Luft: Auf außerbörslichen Handelsplattformen notiert der Deutsche Leitindex am Freitagmorgen auf dem Niveau des Vortages. Das ist allerdings schon recht hoch. Den Donnerstag beendete er mit dem höchsten Schlusskurs seit drei Wochen, nachdem er 2,8 Prozent auf 12.608 Punkte zugelegt hatte.

Zu den Gewinnern am deutschen Aktienmarkt zählten vor allem die Automobilwerte. Die Titel von Daimler, BMW & Co. profitierten von einer Umfrage des Ifo-Instituts, wonach die deutsche Autobranche in den kommenden Monaten auf eine langsame Belebung setzt. Zudem rief BMW-Chef Oliver Zipse am Donnerstag bei der Eröffnung einer neuen Fertigung für Elektroantriebe im niederbayerischen Dingolfing die Aufholjagd auf Tesla aus.

Doch für die deutschen Autobauer wird es nicht einfach, Tesla die Technologieführerschaft im Bereich der Elektroautos streitig zu machen: Der US-Elektroautobauer hat im zweiten Quartal trotz Belastungen durch die Coronakrise deutlich mehr Fahrzeuge ausgeliefert als erwartet. In den drei Monaten bis Ende Juni brachte Tesla weltweit 90.650 Autos an die Kundschaft, wie das Unternehmen am Donnerstag in Palo Alto mitteilte. Damit wurden die Prognosen der Analysten bei Weitem übertroffen. Das beflügelte den Aktienkurs des inzwischen wertvollsten Autobauers der Welt.

Freundliche Signale für die Börsen gab es auch vom US-Arbeitsmarkt: Im Juni wurden 4,8 Millionen Stellen neu geschaffen, die Konsensschätzung lag bei 3,0 Millionen. Die Arbeitslosequote liegt bei 11,1 Prozent nach 13,3 Prozent im Mai. Erwartet wurde hier ein Wert von 12,3 Prozent. Die neuen Jobdaten schoben die Kurse in Frankfurt und an der Wall Street deutlich an.

Doch das könnte nur eine Momentaufnahme gewesen sein: Zuletzt gab es in den USA mehr als 50.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus an einem Tag. Besonders betroffen sind die Bundesstaaten Florida, Texas, Arizona, Georgia und Kalifornien. Die US-Arbeitslosenzahlen wurden vor der jüngsten Corona-Welle in den USA erhoben. Dieser Umstand könnte sich mit Verzögerung auch in einer steigenden Unsicherheit an den Aktienmärkten niederschlagen.

Am heutigen Freitag gibt es in den USA feiertagsbedingt keinen Börsenhandel. Der Tag der Unabhängigkeit (4. Juli) fällt dieses Jahr zwar auf einen Samstag, die Bürger bekommen aber dafür den Freitag frei.

1 – Vorgaben aus den USA

Am Donnerstag haben die Hoffnung auf die rasche Marktreife eines Coronavirus-Impfstoffs und die ermutigende US-Arbeitsmarktdaten die Wall Street angetrieben. Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss 0,4 Prozent höher auf 25.827 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte 0,5 Prozent auf einen Schlussrekord von 10.207 Punkten vor. Der breit gefasste S & P 500 legte 0,5 Prozent auf 3130 Punkte zu. Im Wochenvergleich ergab sich für den Dow ein Plus von 3,3 Prozent, den S & P ein Aufschlag von vier Prozent und den Nasdaq ein Gewinn von 4,6 Prozent.

2 – Handel in Asien

Konjunkturdaten aus China und den USA haben Asiens Anleger am Freitag bei Aktien zugreifen lassen. In Tokio kletterte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index um 0,3 Prozent auf 22.220 Punkte. Die Börse in Shanghai gewann 0,9 Prozent und der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen 0,6 Prozent. Der Arbeitsmarktbericht in den USA für Juni fiel besser aus als erwartet. In China wuchs die Dienstleistungsbranche im Juni so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr.

3 – Neueste Entwicklungen in der Coronakrise

In den USA schnellen die Corona-Zahlen in die Höhe. Während US-Präsident Donald Trump weiter an das Verschwinden des Virus glaubt, registrierten vier US-Bundesstaaten innerhalb eines Tages zusammen 25.000 neue Coronavirus-Infektionen. Die Zahl der Fälle stieg in 40 der 50 US-Bundesstaaten an und überschritt die Marke von 50.000 neuen Infektionen am Tag. Besonders viele Fälle gab es in Arizona, Kalifornien, Florida und Texas. In 36 Staaten nahm der prozentuale Anteil positiver Tests zu.

Der Wirkstoff Remdesivir bekommt voraussichtlich am Freitag in der Europäischen Union die Zulassung zur Behandlung schwerer Covid-19-Erkrankungen. Es wird erwartet, dass die EU-Kommission die Entscheidung im Laufe des Tages bekannt gibt. Vorausgegangen war eine entsprechende Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA.

Die US-Regierung hatte diese Woche eine Vereinbarung mit dem Hersteller Gilead Sciences bekannt gemacht, wonach sie fast die gesamte Produktionsmenge des Mittels für die nächsten Monate aufgekauft hat. Allerdings hat zum Beispiel Deutschland bereits Vorräte angelegt. Die EU-Kommission verhandelt ebenfalls mit dem Hersteller, um sich ausreichende Mengen des Wirkstoffs zu sichern.

Jeder zweite Deutsche hat große oder sehr große Sorgen vor einem deutlichen Wiederanstieg der Corona-Infektionen in den kommenden Wochen. Das geht aus einer Umfrage von Infratest dimap für den ARD-Deutschlandtrend hervor. Bei rund 13 Prozent der Menschen ist die Sorge demnach sehr groß, bei etwa 37 Prozent groß. Die andere Hälfte der Bevölkerung sieht der Zukunft dagegen entspannter entgegen. Bei rund 32 Prozent ist die Sorge weniger groß, 17 Prozent beschreiben sie als klein, wie der Westdeutsche Rundfunk (WDR) am Donnerstag mitteilte.

4 – VDA zieht Bilanz für das Corona-Halbjahr in der Autobranche

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) will an diesem Freitag Bilanz ziehen für die schwierige erste Jahreshälfte der Branche in der Coronakrise. Verbandspräsidentin Hildegard Müller will bei der Pressekonferenz in Berlin (11.00 Uhr) auch Perspektiven für die Branche in den kommenden Monaten aufzeigen. Der Auto-Absatz war wegen der heruntergefahrenen Produktion, geschlossener Autohäuser und gestörter Lieferketten eingebrochen. Von Januar bis Mai sind in den deutschen Werken so wenige Autos vom Band gelaufen wie seit 45 Jahren nicht.

Der Juni dürfte für die Autohäuser ebenfalls ein schwieriger Monat gewesen sein. Denn erst seit Anfang dieses Monats gilt die von der Bundesregierung beschlossene, vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer. Wer nicht ganz dringend ein Auto brauchte, wird daher wohl bis Juli gewartet haben. Das Kraftfahrtbundesamt will ebenfalls am Freitag aktuelle Zahlen vorlegen.

5 – Bundestag und Bundesrat beschließen Kohleausstieg in Deutschland

Bundestag und Bundesrat beschließen am Freitag einen schrittweisen Kohleausstieg in Deutschland bis spätestens 2038. Am Vormittag stimmt zunächst der Bundestag über zwei zentrale Gesetze ab, danach folgt die Länderkammer. Am Mittag äußern sich in Berlin die Ministerpräsidenten der Kohle-Länder Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Der Bund will den Ländern beim Strukturwandel mit insgesamt 40 Milliarden Euro helfen.

Bei den zentralen Gesetzen geht es zum einen um ein Gesetz mit einem Fahrplan zur schrittweisen Reduzierung der klimaschädlichen Kohleverstromung ab 2020, zum anderen um ein Gesetz zur Strukturstärkung.

Vor anderthalb Jahren hatte eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission einen Kohleausstieg bis spätestens 2038 vorgeschlagen. Kohlekraftwerke werden zwar ohnehin nach und nach vom Netz genommen, aber Klimaziele machen einen schnelleren Ausstieg notwendig. Eigentlich wäre erst in den späten 40er-Jahren Schluss gewesen für die Kohleverstromung.

Umweltverbände bemängeln, aus Klimaschutzgründen sei ein schnellerer Kohleausstieg nötig. Sie kritisieren außerdem Milliarden-Entschädigungen für Betreiber von Kohlekraftwerken. Auch am Freitag sind Proteste von Klimaschützern in Berlin geplant.

Termine Unternehmen am 3. Juli

  • Deutschland: VDA / VdIK / KBA - Pkw-Neuzulassungen 06/20
  • 10:00 Uhr Deutschland: Helma Eigenheimbau, Hauptversammlung (online)
  • 11:00 Uhr Deutschland: Verband der Automobilindustrie (VDA) - Halbjahres-Pk als Video-Call


Termine Konjunktur am 3. Juli

  • 09:15 Uhr Spanien: PMI Dienste 06/20
  • 09:45 Uhr Italien: PMI Dienste 06/20
  • 09:50 Uhr Frankreich: PMI Dienste 06/20 (endgültig)
  • 09:55 Uhr Deutschland: PMI Dienste 06/20 (endgültig)
  • 10:00 Uhr Deutschland: VDMA Auftragseingang Maschinenbau 05/20
  • 10:00 Uhr EU: PMI Dienste 06/20 (endgültig)
  • 10:30 Uhr Großbritannien: PMI Dienste 06/20 (endgültig)
  • EU: Fitch-Ratingergebnis Schweiz

Sonstige Termine am 3. Juli

  • 09:30 Uhr Deutschland: Bundesrat Themen u.a. Kohleausstieg (siehe separater Planungseintrag), Grundrente, Nachtragshaushalt, Gesetz gegen Hass im Netz.
  • 09.30 Uhr: Rede Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Zielen der EU-Ratspräsidentschaft

    Hinweis: Feiertag in den USA, Börse geschlossen

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