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„Sexistischer Müll“ – Herber Shitstorm gegen das DHDL-Startup Pinky

Lisa Ksienrzyk
·Lesedauer: 3 Min.
Eugen Raimkulow (l.) und André Ritterwürden ließen ihr Startup Pinky mit 150.000 Euro bewerten.
Eugen Raimkulow (l.) und André Ritterwürden ließen ihr Startup Pinky mit 150.000 Euro bewerten.

Die Gründer des Startups Pinky zeigten sich in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ als Frauenversteher. Die Ex-Soldaten Eugen Raimkulow und André Ritterswürden haben jahrelang einen rosafarbenen Plastikhandschuh entwickelt, den sich Frauen überziehen sollen, wenn sie ihre Periodenprodukte entfernen. Die Idee ist, dass die Tampons direkt in den Handschuh eingerollt und weggeworfen oder eingepackt werden können, wenn Kundinnen in der Natur oder auf dem Festival unterwegs sind. Ralf Dümmel und Nils Glagau waren begeistert von dem Frauenprodukt, das die beiden Männer anpreisten – und boten einen Deal an. Dümmel bekam den Zuschlag und 20 Prozent an Pinky.

Raimkulow und Ritterswürden bekamen aber nicht nur einen neuen Investor, sondern auch einen enormen Shitstorm ­– vor allem von Frauen. „Wie kann man so einen sexistischen Müll auch noch unterstützen?“, kommentierte etwa eine Zuschauerin bei Facebook unter einen Post der Show. Eine andere schreibt: „Entschuldigt bitte, aber sich als Frauenversteher zu verkaufen und 'Probleme zu lösen', wo gar keine sind, das macht mich wütend.“ Tausende weitere Zuschauerinnen und Zuschauer äußerten sich kritisch zum Produkt, auch auf Twitter und Instagram.

In erster Linie geht es darum, dass sich die Nordrhein-Westfalen als nicht-menstruierende Menschen, ohne Frau im Team und ohne Erfahrung diesem Thema angenommen haben: In der TV-Show sagen sie ehrlich, dass sie angewidert gewesen seien, wenn sie von Mitbewohnerinnen durchnässte Tampons im Mülleimer gesehen haben. Viele Influencer und auch Gründerinnen werfen den Pinky-Machern vor, mit ihrem Startup ein Problem zu kreieren, das Frauen nie als solches empfunden haben. Im Grunde würden die Handschuhe nur dazu dienen, das Problem der Männer zu lösen: Ekel.

„Realität ist: Männer geben Männern Geld“

„Die Periode wird als Tabuthema gefestigt, wo wir doch eigentlich dafür kämpfen, dass es damit aufhört“, sagt etwa Kristine Zeller, Gründerin der Menstruationsunterwäsche Ooia auf Instagram. Sie und ihre Mitgründerin Kati Ernst waren 2019 selbst bei der Show, haben keinen Deal bekommen. Das Produkt sei zu nischig, hieß es damals. Judith Williams zeigte zwar Interesse, wollte aber nicht zu viel Geld in das Startup stecken. „Im Grunde wird damit im TV manifestiert was Realität ist: Männer geben Männern Geld“, äußert sich die Startup-Influencerin Tijen Onaran dazu und spricht die geringe Frauenquote bei VC-Finanzierungen an.

Die Berliner Gründerinnen sowie zahlreiche andere Personen prangern aber noch mehr an Pinky an: Die Handschuhe sind aus Plastik, für den Wechsel der Damenhygiene würde man nach Auffassung der Gründer zwei Stück benötigen. Obendrein sind die einzelnen Artikel noch einmal in Kunststofffolie verpackt. Umweltunfreundlich, sagen die Kritikerinnen. Und auch der Preis sei für schlichte Einmal-Handschuhe zu teuer. Eine Packung mit 48 Stück kostet knapp 12 Euro. Für den gleichen Betrag bekommt man etwa 500 handelsübliche, weiße Handschuhe aus ähnlichem Material.

Millionen Aufrufe und Kommentare

Das fast fünfminütige Video von den Ooia-Gründern wurde seit Dienstagmittag auf Instagram mehr als 1,5 Millionen Mal aufgerufen. Zahlreiche Influencer mit teils Hunderttausenden Fans haben selbst Beiträge zu Pinky verfasst und geteilt. Das Thema hat eine hiesige Welle geschlagen. Raimkulow und Ritterswürden haben sich einige Stunden später ebenfalls mit einem Video gemeldet: „Wir können uns nur mithilfe der konstruktiven Kritik verbessern“, sagen die Gründer nüchtern. Die Menstruation sei nichts, wofür sich Frauen schämen müssten und was ekelhaft sei. Im Gegenteil, sie würden sich dafür einsetzen, das Thema mehr in die Öffentlichkeit zu bringen.

Die Ooia-Chefinnen akzeptieren eigenen Aussagen zufolge diese Entschuldigung, in den sozialen Netzwerken wird das Startup dennoch weiterhin angegriffen:

https://twitter.com/AnnieLovesWine1/status/1381998099166547968

https://www.instagram.com/p/CNnhelLgDW8/

https://twitter.com/esregnetkaum/status/1381691180522569730

https://www.instagram.com/p/CNnPaejnvnr/

https://twitter.com/ohhellokathrina/status/1381945071688417283

https://twitter.com/_Tacita_/status/1381944252675022849?s=20