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Sechsstelliger Betrag für Kampfmittelräumung des Feldlagers in Afghanistan: Zahlte die Bundeswehr Schutzgeld an die Taliban?

·Lesedauer: 4 Min.

Afghanistan ist in der Hand radikaler Islamisten. Nach dem Abzug internationaler Truppen haben die Taliban in nur wenigen Wochen das Land überrannt und bitten nun um diplomatische Beziehungen und finanzielle Unterstützung aus Deutschland. Vorsichtig signalisierte die Bundesregierung in den vergangenen Tagen Gesprächsbereitschaft, damit Ortskräfte und Hilfesuchende das Land verlassen können. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) stellte den Islamisten unter bestimmten Bedingungen auch Gelder in Aussicht. So dürfe Afghanistan nicht zu einem "neuen Hort für Terrorismus" werden.

Recherchen von Business Insider zeigen allerdings, dass möglicherweise längst deutsche Steuermittel an die Taliban geflossen sind. Wie mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen bestätigen, haben die Taliban Schutzgeld für die Räumungsarbeiten in einem großen Bundeswehrlager verlangt und über einen britischen Dienstleister der Bundeswehr einen sechsstelligen Betrag erhalten.

Im Camp Marmal, unweit der Stadt Mazar-e Sharif, bildete die Bundeswehr mehr als sechs Jahre lang Tausende afghanische Soldaten aus, damit sie eines Tages gegen die radikalislamische Bewegung der Taliban bestehen würden. Anfang Juni endete die NATO-Mission "Resolute Support". In der Folge zogen die rund 1000 deutschen Soldaten ab und die afghanische Nationalarmee übernahm das Feldlager.

UN-Konventionen und NATO-Richtlinien verpflichten Deutschland aber noch, Munitionsreste auf dem weitläufigen Gelände zu bergen und zu entsorgen. Für die 1,6-Millionen-Euro-Mission beauftragte die Bundeswehr am 14. Juni einen langjährigen Partner, die britische Firma Safe Lane, die auf die Beseitigung von Kampfmittelresten spezialisiert ist. Drei Wochen später begann das Tochterunternehmen Star Demining Ltd. mit der Säuberung des Schießbahnkomplexes in der Nähe des Camps.

Wie aus dem Schriftverkehr zwischen Dienstleister und Bundeswehr hervorgeht, rückte in der Folgezeit die Sicherheitslage im Raum Mazar-e Sharif in der Vordergrund. Am 10. August informierte Safe Lane das Einsatzführungskommando über die besorgniserregende Entwicklung. Noch am selben Tag schrieb der zuständige Oberstleutnant zurück, dass die Räumung möglichst fortgesetzt, bei einer ernsten Bedrohungslage aber unterbrochen werden sollte. Im Einsatzführungskommando bei Potsdam werden alle weltweiten Bundeswehr-Einsätze koordiniert.

Wenige Tage später erreichten die Taliban das Feldlager – ohne Gegenwehr der Nationalarmee. Nach Informationen von Business Insider informierte der britische Dienstleister das Einsatzführungskommando am 15. August über den Vormarsch der Islamisten und den erzwungenen Abbruch der Räumungsarbeiten. Daraufhin forderte die Bundeswehr den Auftragnehmer dazu auf, in Verhandlungen mit den Taliban zu treten und ihnen die Dringlichkeit der Mission deutlich zu machen. Es sei "im Interesse von Afghanistan", wenn Deutschland diesen Auftrag abschließen könnte.

Auf Anfrage von Business Insider bestätigt eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums: "Gespräche zur Fortsetzung der Kampfmittelräumarbeiten wurden seitens der Firma STAR DEMINING LTD (SDL) mit den Taliban geführt." In den Verhandlungen habe der Dienstleister aufgezeigt, "dass die Beräumung durch lokale einheimische Arbeitskräfte erfolgt, die durch das Projekt ein mit Arbeitsvertrag garantiertes Einkommen erzielen und dadurch das alltägliche Leben ihrer Familien und Angehörigen absichern können". Es sei zudem aufgezeigt worden, dass die Beseitigung der Kampfmittel das Gelände sicherer machen würde und ein "humanitärer Nutzen" erzeugt werde.

Nach Recherchen von Business Insider reichten die Worte aber nicht aus, um die Taliban zu überzeugen. Wie mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen bestätigen, verlangten die Islamisten während der Verhandlung einen Betrag in niedriger sechsstelliger Höhe, damit die Räumungsarbeiten sicher fortgesetzt werden dürfen. Über die Schutzgeld-Forderung habe Safe Lane anschließend den zuständigen Oberstleutnant des Einsatzführungskommandos informiert, heißt es. Noch am 16. August habe es aus Deutschland grünes Licht für die Zahlung gegeben.

Auf Anfrage äußerte sich die britische Spezialfirma nicht und verwies auf den Auftraggeber. In einem Statement des Bundesverteidigungsministerium heißt es dazu: "Eine erfolgte Geldübergabe an die Taliban ist hier nicht bekannt. Der zuständige Projektbeauftragte der Bundeswehr wurde am 16. August 2021 informiert, dass der Auftragnehmer (AN, Firma Safe Lane Global GmbH) seine Sicherheitsvorkehrungen auf Grund der sich verschlechternden Sicherheitslage im Raum Mazar-e Sharif verschärfen muss, um mit den Arbeiten fortfahren zu können und dass diese zusätzlichen AN-Maßnahmen Zusatzkosten verursachen werden."

Zufall oder nicht: Die Zusatzkosten belaufen sich laut Bundeswehr auf einen "niedrigen sechsstelligen Betrag". Um welche weiteren Sicherheitsvorkehrungen es sich konkret handele, konnte die Bundeswehr nicht erklären. "Der AN wurde informiert, welche Unterlagen für eine etwaige Erstattung vorzulegen sind", heißt es. "Es liegen noch keine Angaben des AN vor, aus denen ersichtlich wäre, wie die Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen umgesetzt wurde."

Die Maßnahmen haben jedenfalls ihren Zweck erfüllt. Laut Bundesverteidigungsministerium konnte die Räumung des Feldlagers unter der Duldung der Taliban fortgesetzt werden. Aufgrund der Größe der Fläche würden die Arbeiten noch bis Ende des Jahres andauern.

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