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Schuh-Posse bei der Deutschen Post: Warum die Briefträger seit drei Jahren auf den neuen "Zustellschuh" warten

·Lesedauer: 3 Min.

Die längste Lieferzeit gibt es offenbar bei der Post selbst: Der frühere Staatskonzern hat im September 2018 erstmals öffentlich angekündigt, für seine Brief- und Paketboten einen neuen Schuh anzuschaffen. Doch auch rund drei Jahre später, so zeigen interne Unterlagen, die Business Insider vorliegen, wird offenbar noch immer gesucht, getestet, geprüft.

Laut einer 59-seitigen Präsentation zum Projekt "Zustellschuh" von Anfang 2019 hat die geplante Einführung einen ernsten Hintergrund: Jedes Jahr resultieren rund ein Drittel aller Arbeitsunfälle bei der Post durch Stolpern, Umknicken, Rutschen oder Stürzen. So fielen in der Vergangenheit deshalb jährlich rund 100.000 Ausfalltage an. Post-interne Prüfungen zeigten dabei: In 30 bis 60 Prozent der Fälle wurden mangelhafte Schuhe bei den Postboten festgestellt.

Laut der internen Unterlagen ist die Post sogar schon seit Januar 2018 auf der Suche nach einem neuen Schuh. In einer ersten, sieben Monate langen Testphase mit zunächst 200 Zustellern traten die Firmen Atlas, Baltes, Elten und Steitz Secura jeweils mit Sommer- und Winterschuhen gegeneinander an. Die Zusteller gaben den Schuhen in elf Kategorien Noten, von Dämpfung bis Gehsicherheit. Das Modell von Baltes fiel später aus den Tests allerdings raus.

Schuhe im Wintertest
Schuhe im Wintertest

Die zweite Testphase wurde schließlich von April 2019 bis September 2019 (Sommerschuh) und von Oktober 2019 bis Februar 2020 (Winterschuh) geplant. Doch auch hier konnte man sich offenbar in den anschließenden Analysen nicht für ein Modell entscheiden.

  Schuhe im Sommermodell
Schuhe im Sommermodell

Und so ist inzwischen schließlich eine dritte Testphase angelaufen, von November 2020 bis Februar 2021 (Winterschuh) sowie von März dieses Jahres bis zum kommenden Monat. Dabei gibt es in ausgewählten Standorten eigens Vermessungen und Anproben für die Zusteller.

Ein Post-Sprecher bestätigt auf Anfrage, man befinde sich "momentan immer noch in einer Testphase, in der wir die Akzeptanz des Zustellschuhs bei ganztägigem Tragen sowie den Einfluss auf die Unfallentwicklung in Bezug auf Stolper,-Umknick,- Rutsch- und Sturzunfälle betrachten." Fragen zu den potenziellen Anschaffungskosten will der Sprecher nicht beantworten.

Ob nach der dreijährigen Suche nach dem Super-Schuh dann endlich die Lieferung mit neuen Tretern bei den Postboten ankommt? Das bleibt abzuwarten. Der Post-Sprecher: "Nach Abschluss des Tests werden wir final über das weitere Vorgehen in Sachen Zustellschuh entscheiden. Eine verbindliche Trageverpflichtung für alle Zustellerinnen und Zusteller der Deutschen Post AG ist übrigens nicht vorgesehen."

In einem post-intern extra für den Zustellschuh gedrehten Aufklärvideo wird allerdings versprochen, dass jeder Brief- und Paketbote ein Paar für Sommer und Winter bekommen soll. Für Christina Dahlhaus von der Fachgewerkschaft dpvkom ist es auch höchste Zeit. "Die Krankentage der Beschäftigten werden akribisch verfolgt, aber ein gutes Projekt zu Unfallverhütung dauert mehr als drei Jahre. Dafür habe ich kein Verständnis", sagt sie Business Insider. Dahlhaus weiter: "Die Zusteller laufen sich sprichwörtlich die Hacken ab und bewältigen die riesigen Mengen an Paketen, Briefen und Warensendungen. Die Unfallzahlen und die auch daraus resultierenden Krankentage sind sehr hoch. Darum ist aus Sicht des Arbeitsschutzes der Schuh für die Zusteller längst überfällig."

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