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Sanders bietet Angriffsflächen – verliert aber nicht die Nerven

Die Demokraten attackieren den aktuellen Favoriten im Kampf um die US-Präsidentschaftskandidatur. Die Stimmung im Vorwahlkampf ist giftig – auch bei der jüngsten TV-Debatte.

Von links: Pete Buttigieg, Elizabeth Warren und Bernie Sanders. Foto: dpa

Drei Vorwahlen haben die amerikanischen Demokraten hinter sich, gerade mal ein Bruchteil der Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag im Juli sind vergeben – doch die Stimmung in der Partei schwankt zwischen Hysterie und Euphorie. Zunehmend hysterisch zeigt sich das moderate Lager - angesichts des überraschenden Erfolgs Bernie Sanders, eines Bewerbers, der sich selbst als „demokratischen Sozialisten“ bezeichnet.

Zunehmende Euphorie dagegen macht sich im Sanders-Lager breit, das die Zeit für einen linken Messias gekommen sieht und jegliche Zugeständnisse an das so genannte Establishment als Verrat betrachtet. Das ist die Ausgangslage drei Tage vor den Wahlen in South Carolina und knapp eine Woche vor dem Super Tuesday, wo in 14 Bundesstaaten parallel abgestimmt wird – und ein Drittel der Delegiertenstimmen vergeben werden.

Die Stimmung ist giftig. Das spiegelte sich auch in zehnten TV-Debatte der Demokraten am Dienstagabend (Ortszeit) wider. Dieses Mal fand sie in Charleston (South Carolina) statt. Protagonist und zugleich Ziel massiver Attacken war dieses Mal Sanders. Aber auch sein ideologischer Gegner, der New Yorker Milliardär Michael Bloomberg, sah sich heftigen Angriffen ausgesetzt.

„Ich weiß nicht, wie viele Milliarden Herr Bloomberg besitzt“, sagte Elizabeth Warren, die linksgerichtete Senatorin aus Massachusetts, gleich zu Beginn der Debatte: „Was ich aber weiß, ist, dass die demokratische Basis ihm niemals trauen wird“.

Der Ton war damit gesetzt. Auch Joe Biden, Vizepräsident unter Obama, sah seine Chance gekommen und zeigte sich angriffslustig: Sanders warf er vor, er verteidige das Regime in Kuba, was der 78-Jährige vehement bestritt. „Eine Krankenversicherung zu fordern, hat nichts mit Kommunismus zu tun“, sagte Sanders. Im Gegensatz zu Präsident Donald Trump sympathisiere er nicht mit Autokraten.

Biden betonte an diesem Abend wiederholt, dass er sein „ganzes Leben für die Rechte der schwarzen Minderheit gekämpft“ habe. Tatsächlich braucht Biden für seine Kampagne dringend die Unterstützung der Afroamerikaner, deren Anteil an der Bevölkerung in South Carolina bei 60 Prozent liegt. „Ich werde South Carolina gewinnen“, rief der 77-Jährige, der in den drei vorherigen Vorwahlen enttäuschend angeschnitten hatte.

„Gewinnt Sanders, riskieren wir die Widerwahl Trumps“

In Umfragen liegt er in dem südöstlichen Bundesstaat bei 30 Prozent klar an der Spitze. Fakt ist: Will Biden seiner Favoritenrolle unter den moderaten Kandidaten gerecht werden, braucht er einen klaren Sieg in South Carolina.

Bloomberg liegt in landesweiten Umfragen inzwischen mit knapp 15 Prozent dicht hinter ihm. Und auch Pete Buttigieg, der bei den ersten Vorwahlen überraschen stark abgeschnitten hatte, holt auf und kommt inzwischen auf über zehn Prozent.

In der TV-Debatte warnte der frühere Bürgermeister von South Bend (Indiana) eindringlich vor Radikalisierung der Partei: „Wird Sanders Präsidentschaftskandidat, riskieren wir nicht nur die Wiederwahl Donald Trumps“. Die Demokraten würden auch ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus und ihre Chancen auf eine Rückeroberung des Senats verlieren.

Wie Buttigieg kritisierte auch die moderate Senatorin aus Minnesota, Amy Klobuchar, Sanders Pläne für eine gesetzliche Krankenversicherung für alle Bürger, die „einfach nicht finanzierbar“ sei. Bloomberg wiederum warf Sanders vor, er lasse sich Russlands Staatschef Wladimir Putin im Wahlkampf unterstützen. Und, so Bloomberg weiter, die Russen machten das nur, damit letztlich Trump wiedergewählt werde. Und Biden warf dem Senator aus Vermont vor, er habe im Kongress gegen ein schärferes Waffenrecht gestimmt.

Die Nerven scheinen blank zu liegen under den demokratischen Kandidaten der Mitte. Und Sanders nahm die Angriffe seiner Parteikollegen erstaunlich gelassen: „Ich höre meinen Namen heute Abend sehr oft“, sagte er: „Ich frage mich, warum.“

Sanders weiß um seinen Vorteil: Während das moderate Lager zersplittert ist, sammelt sich der linke Flügel geschlossen hinter ihm. Inzwischen liegt Sanders auch in den landesweiten Umfragen mit knapp 29 Prozent deutlich vorne. Es folgt Biden – allerdings zehn Prozentpunkte dahinter.

Zwar vereinen die moderaten Kandidaten zusammen immer noch fast eine absolute Mehrheit hinter sich. Das Problem: deren Anhänger können sich nicht entscheiden, wen der vier Kandidaten sie unterstützen wollen. Solange das so bleibt, kann Sanders entspannt bleiben.

Mehr: Nichts scheint Bernie Sanders aufhalten zu können – nicht einmal die Angst vor einer Niederlage gegen Donald Trump.