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Nach Sabotage an Nord-Stream-Pipelines: Schweden fährt Sicherheit für zwei Atomkraftwerke hoch, wegen "erschwerter Bedrohung"

Die Schweden sind die Präsenz russischer U-Boote in der Ostsee gewohnt. Doch die Anschläge auf die Nord Stream-Pipelines sind eine Eskalation. Außenministerin Ann Linde (l.), Regierungschefin Magdalena Andersson (m.) und Verteidigungsminister Peter Hultqvist bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Stockholm. - Copyright: picture alliance / TT Nyhetsbyrån | Fredrik Persson/TT
Die Schweden sind die Präsenz russischer U-Boote in der Ostsee gewohnt. Doch die Anschläge auf die Nord Stream-Pipelines sind eine Eskalation. Außenministerin Ann Linde (l.), Regierungschefin Magdalena Andersson (m.) und Verteidigungsminister Peter Hultqvist bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Stockholm. - Copyright: picture alliance / TT Nyhetsbyrån | Fredrik Persson/TT

Die Sicherheitsbehörden der skandinavischen Staaten Norwegen, Schweden und Dänemark sind in Alarmbereitschaft. Denn die Ostseepiplines Nordstream 1 und 2 sind beschädigt – mutmaßlich durch Sabotage. Bis Mittwoch war man von drei Lecks an den Gasleitungen ausgegangen. Die schwedische Sicherheitspolizei hat nach Bekanntwerden eines vierten Lecks in der Nähe von Sirishamn am Donnerstagmorgen in einem Kommentar geschrieben, den zwei Atomreaktoren Ringhals und Forsmark stärkere Aufmerksamkeit zu widmen – aufgrund erschwerter "Bedrohung gegen Schweden". Das Nachbarland Norwegen hatte bereits am Dienstag verkündet, Öl- und Gasanlagen stärker überwachen zu wollen, gegebenenfalls auch durch das Militär. Deutsche Sicherheitskreise vermuten "staatliche Akteure" hinter den Lecks an den Gasleitungen. Die Untersuchungsergebnisse werden noch abgewartet, aber es wird davon ausgegangen, dass Russland hinter der Sabotage steckt.

"Die Bedrohung gegen Schweden hat sich erschwert und ist sowohl militärisch als auch zivil", hieß es in einem Kommentar der schwedischen Sicherheitspolizei als Begründung, die Sicherheitsstufe für die zwei Reaktoren Ringhals (Westschweden) und Forsmark (Ostschweden) zu erhöhen. Das berichtete die schwedische Nachrichtenagentur TT.

Und auch das Nachbarland Norwegen hatte zu Beginn dieser Woche verkündet, seine Energieinfrastruktur stärker bewachen zu wollen. Man nehme die Schäden an den Nordstream-Pipelines sehr ernst und gehe davon aus, dass es sich "sehr wahrscheinlich um Sabotageakte" handele, sagte der norwegische Minister für Energie und Öl, Terje Aasland, im Gespräch mit dem norwegischen öffentlich-rechtlichen Sender NRK am Dienstag. "Wir haben Polizei, Bundeswehr und Behörden gebeten, alle jetzt relevanten Maßnahmen zu prüfen und für optimale Sicherheit zu sorgen", um norwegische Öl- und Gasförderanlagen zu schützen. Denn es seien verstärkt Drohnenaktivitäten über Öl- und Gasanlagen beobachtet worden.

Wer hinter der mutmaßlichen Sabotage an den Gaspipelines steckt, darüber wollte sich bis Mittwoch noch kein Regierungsvertreter der skandinavischen Länder äußern. Die schwedische Außenministerin Ann Linde ließ aber wenig Zweifel daran, dass sie von Sabotage-Akten an den Nordstream-Pipelines ausgeht: "Wir können und wollen nicht darüber spekulieren, was das Motiv ist oder wer dahintersteckt. Aber es ist eine sehr komplizierte Operation, zwei Detonationen durchführen zu können, die zu drei Gaslecks in diesem Bereich führen", sagte sie dem schwedischen Fernsehsender SVT bereits am Montagmorgen.

Aus Sicht deutscher Sicherheitskreise würde angesichts des Aufwands nur ein staatlicher Akteur infrage kommen, sollte es sich denn um einen Anschlag handeln, zitierte die Deutsche Presse-Agentur am Mitwoch Insider.

Der EU-Außenbeauftragte, Josep Borrell, ging in einer Erklärung am Mittwoch im Namen der 27 Mitgliedstaaten ebenfalls von Sabotage an den Gaspipelines an. Wer dahinter stecken könnte, sagte er nicht. Der Spanier betonte jedoch: "Diese Vorfälle sind kein Zufall und gehen uns alle an." Man werde jede Untersuchung unterstützen, die darauf abziele, Klarheit über die Vorgänge zu erlangen. Zudem werde man Schritte unternehmen, um die Energiesicherheit robuster zu machen. Und weiter: Jede vorsätzliche Störung der europäischen Energieinfrastruktur sei völlig inakzeptabel und werde "mit einer robusten und gemeinsamen Reaktion beantwortet".

Polens Vize-Außenminister Marcin Przydacz war einer der ersten, der am Dienstag in Warschau laut aussprach, was offenbar viele denken – Russland könne hinter den Vorfällen stecken: „Leider verfolgt unser östlicher Nachbar ständig eine aggressive Politik. Wenn er zu einer aggressiven militärischen Politik in der Ukraine fähig ist, ist es offensichtlich, dass keine Provokationen ausgeschlossen werden können, auch nicht in den Abschnitten, die in Westeuropa liegen.“

Mit Material der DPA

Dieser Artikel wurde zuletzt am 29. September aktualisiert. Er erschien am 28. September 2022.