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Russland bittet Türkei im Konflikt auf Aserbaidschan um Hilfe

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Um den Karabach-Konflikt nicht ausarten zu lassen, setzt Moskau auf Deeskalation. Sogar Außenminister Heiko Maas soll eingeschaltet worden sein.

Moskau zeigt sich laut Peskow nicht begeistert von den Aussagen aus Ankara. Foto: dpa
Moskau zeigt sich laut Peskow nicht begeistert von den Aussagen aus Ankara. Foto: dpa

Russland hat im blutigen Konflikt um die Unruheregion Berg-Karabach die Türkei aufgefordert, ihren Verbündeten Aserbaidschan zu Verhandlungen zu bewegen. Ankara müsse alles tun, um die Konfliktparteien zu einem Waffenstillzustand zu bringen und eine friedliche Lösung zu finden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag in Moskau. Bisherige Unterstützungserklärungen von türkischer Seite für Aserbaidschan hätten nur Öl ins Feuer gegossen.

„Wir unterstützen solche Erklärungen definitiv nicht“, sagte Peskow der Agentur Tass zufolge.

Die Türkei ist der engste Verbündete der öl- und gasreichen Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan am Kaspischen Meer. Zuvor hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Armenien die Schuld an der Eskalation gegeben.

Die Türkei stehe „mit allen Mitteln und ganzem Herzen“ an Aserbaidschans Seite, sagte er. Russland ist hingegen die Schutzmacht von Armenien und will auch zwischen beiden Ländern vermitteln. Prinzipiell haben aber auch Aserbaidschan und Russland gute Beziehungen zueinander.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat nach eigenen Angaben mit Bundesaußenminister Heiko Maas zum Berg-Karabach-Konflikt telefoniert. Man habe über die neuesten Entwicklungen und Lösungsansätze gesprochen, sagte Cavusoglu am Mittwoch in Ankara vor der aserbaidschanischen Botschaft. Aus Berlin gab es zunächst keine Bestätigung des Gesprächs.
„In Wahrheit ist die Lösung dieses Problems einfach“, sagte Cavusoglu. „Es gibt nur eine Lösung. Armenien zieht sich aus dem von ihm besetzten aserbaidschanischen Gebiet zurück. Solange dieser Rückzug nicht geschieht, wird dieses Problem nicht gelöst.“ Er betonte, die Türkei stehe solidarisch an Aserbaidschans Seite.

Der seit Jahrzehnten dauernde Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien um die Region Berg-Karabach war am Sonntag wieder aufgeflammt. Mehr als 100 Menschen wurden seitdem getötet.
Berg-Karabach wird von Armenien kontrolliert und gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet.

Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, die dort Tausende Soldaten sowie viele Waffen stationiert hat. Das öl- und gasreiche sowie militärisch hochgerüstete Aserbaidschan hat die Türkei als Verbündeten.

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