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ROUNDUP: Virologin für PCR-Tests in Schulen - Baerbock: In Schutz investieren

·Lesedauer: 4 Min.

BERLIN (dpa-AFX) - Die Corona-Lage wirkt insgesamt entspannt - angesichts der Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante richtet sich aber bereits jetzt der Blick auf den Schulbeginn nach den Sommerferien. Zahlreiche Schüler werden dann noch ungeimpft sein, weil für die Jüngeren noch keine Impfungen zugelassen sind und die Ständige Impfkommission sie für ältere Kinder und Jugendliche nur eingeschränkt empfiehlt.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock fordert deshalb massive Investitionen, um sämtliche Schulen gegen das Virus zu wappnen. "Es muss eine Luftfilteranlage für jeden Klassenraum in diesem Land zur Verfügung gestellt werden", sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe und der französischen Zeitung "Ouest-France". "Ja, das kostet Geld. Aber ich nehme nicht hin, dass wir wieder in eine Situation geraten, wo ein Teil der Kinder von Zuhause aus lernen muss, nur weil keine Vorsorge geleistet wurde."

Dass jedes Klassenzimmer deutschlandweit bis nach den Ferien ein individuell zugeschnittenes Belüftungssystem hat, hält die Virologin Melanie Brinkmann nach eigenen Worten allerdings für illusorisch. Die Professorin vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) spricht sich für das Maskentragen und den vermehrten Einsatz sogenannter Lollitests oder Gurgeltests aus - anstelle der weniger präzisen Antigen-Schnelltests. "Das spart Kosten und kann per PCR ausgewertet werden", erklärte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Das sei sehr effektiv, wenn es regelmäßig erfolge. Lollitests und Gurgeltests können auch gruppenweise abgenommen und auf einmal ausgewertet werden, nur bei positivem Ergebnis ist dann eine individuelle Nachtestung nötig. "Die Delta-Variante wird nach den Sommerferien sehr schnell durch die Schulen rauschen, wenn wir keine Vorsorge treffen", warnte Brinkmann.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder forderte die Ständige Impfkommission (Stiko) auf, dringend zu überlegen, wann sie das Impfen von Jugendlichen empfehle. "Das wirksamste Mittel gegen die Delta-Variante ist die Schülerimpfung. Gerade in den jüngeren Altersgruppen sind die Inzidenzzahlen am höchsten", sagte der CSU-Chef der "Bild am Sonntag". Bisher war die Datengrundlage zu Kindern aus Sicht der Impfkommission zu gering für eine allgemeine Impfempfehlung - und das Risiko möglicher Folgewirkungen bei ihnen größer als das einer Corona-Erkrankung mit schwerem Verlauf.

Für die Erwachsenen läuft die Impfkampagne dagegen auf Hochtouren. Mehr als 37 Prozent sind vollständig geimpft. Die Bundesregierung hat versprochen, dass alle impfwilligen Erwachsenen bis Ende des Monats eine Impfung angeboten bekommen, allerdings könnte der eigentliche Termin dann erst später liegen.

Die Corona-Inzidenz lag am Samstagmorgen erstmals seit rund elf Monaten unter 5. Das Robert Koch-Institut (RKI) bezifferte den bundesweiten Wert auf 4,9 (Vortag 5,0; Vorwoche 5,9). Zuletzt hatte der Wert am 30. Juli 2020 mit 4,8 unter der 5er-Schwelle gelegen.

Zwei andere Corona-Werte lassen jedoch aufmerken: Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Freitagabend bei 1,00 (Vortag 0,92). Das bedeutet, dass ein Infizierter rechnerisch im Schnitt einen weiteren Menschen ansteckt. Nach RKI-Daten lag er zuletzt im April über 1,00. Seinen Tiefstand seitdem erreichte er im Juni mit 0,68 - danach ging es verhältnismäßig rasch nach oben.

Bemerkenswert ist auch die Zahl der Neuinfektionen, obgleich sich daraus noch kein Trend ablesen lässt: Die Gesundheitsämter meldeten binnen eines Tages 671 Ansteckungen, wie aus dem RKI-Dashboard vom Samstagmorgen (05.01 Uhr) hervorgeht. Damit lag dieser Wert erstmals seit dem 2. Juni höher als genau eine Woche zuvor. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte die Zahl bei 592 Neuansteckungen gelegen.

Der Anteil der Delta-Variante an den Neuinfektionen ist innerhalb weniger Wochen rasant gestiegen. Das RKI geht davon aus, dass inzwischen etwa die Hälfte der Ansteckungen durch die aus Indien stammende Variante verursacht wird.

Trotz fortschreitender Impfkampagne rechnet eine große Mehrheit der Deutschen im Herbst mit steigenden Corona-Infektionszahlen und neuen staatlichen Beschränkungen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sagten 76 Prozent, dass sie einen Anstieg der Infektionszahlen erwarten. 74 Prozent gehen von einer Verschärfung der Maßnahmen gegen die Pandemie im Herbst aus. Nur 16 Prozent meinen, dass es keine neuen Einschränkungen geben wird. Zehn Prozent machten keine Angaben.

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