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ROUNDUP: Sorge vor Krieg zwischen Israel und der Hisbollah nimmt zu

BEIRUT/TEL AVIV (dpa-AFX) -18 Jahre nach dem letzten Libanon-Krieg wächst die Sorge vor einem neuen Kriegsausbruch zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon. In Israel decken sich Menschen bereits mit Wasser und Lebensmitteln ein, im Libanon herrscht vor allem Resignation. Viele Menschen in dem instabilen und wirtschaftlich schwer angeschlagenen Land haben das Gefühl, nicht noch eine weitere Krise ertragen zu können. Im Libanon gibt es derzeit weder einen Präsidenten noch eine voll handlungsfähige Regierung.

Warum die Situation so hochexplosiv ist, erklärte das US-Portal "Politico" unter Berufung auf US-Geheimdienstinformationen: Sollte es im Gaza-Krieg zwischen Israel und der mit der Hisbollah verbündeten Hamas zu keiner Einigung auf eine Waffenruhe kommen, werde es in den nächsten Wochen wahrscheinlich zur großangelegten militärischen Konfrontation zwischen Israel und der Hisbollah kommen. In einen solchen Krieg könnten auch die USA als wichtigster Verbündeter Israels hineingezogen werden. Möglich ist zudem, dass sich der Iran aufseiten der Hisbollah einschaltet.

Was hat die Hisbollah mit dem Gaza-Krieg zu tun

Auslöser des Gaza-Krieges waren die Massaker und Geiselnahmen von palästinensischen Terrororganisationen wie der Hamas am 7. Oktober in Israel. Die libanesische Hisbollah handelt nach eigenen Aussagen aus Solidarität mit der Hamas. Die "Libanon-Front" sei eine "Unterstützungsfront", wie Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah immer wieder betonte. Sie sei Teil des Kampfes, der über das Schicksal Palästina, des Libanons und der Region entscheide.

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Seit fast neun Monaten gibt es zwischen Israel und der libanesischen Schiitenmiliz nahezu täglich Gefechte. Zuletzt wurden diese heftiger. "Israel tötet immer häufiger hochrangige Militärkommandeure der Hisbollah", schrieb die US-Denkfabrik Washington Institute. Am Donnerstagabend feuerte die Hisbollah Dutzende Raketen auf den Norden Israels - laut der Schiitenmiliz eine Antwort auf die Tötung eines ihrer Kämpfer zuvor.

Die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz rückt nach Angaben der Denkfabrik für ihre Raketenangriffe auf Israel immer weiter in den Süden des Libanons vor. Eine UN-Resolution schrieb nach dem letzten Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im Jahr 2006 vor, dass Hisbollah-Kämpfer hinter dem Litani-Fluss 30 Kilometer von der Grenze zu Israel entfernt bleiben müssen und sich nicht südlich dieser Linie aufhalten dürfen.

Die Hisbollah verfügt über ein Arsenal von rund 150 000 Raketen. Im Kriegsfall könnte sie täglich Tausende von Raketen in Richtung Israel abfeuern. Eine Art Raketenhagel könnte Israels Raketenabwehr überfordern.

Die Ausweitung des Konflikts wäre laut Washington Institute tödlich und kostspielig. Es räumt aber ein: "Ein weiterer Krieg scheint zunehmend unvermeidlich".

US-Beamte seien zunehmend besorgt, dass Israel in den kommenden Wochen verstärkt Luftangriffe und sogar eine Bodenoffensive im Libanon durchführen könnte, meldete der US-Sender NBC.

Die israelische Zeitung "Haaretz" berichtete am Donnerstag, die USA hätten Israel gewarnt, dass auch ein begrenztes Bodenmanöver im Süden des Nachbarlandes, um die Hisbollah von der Grenze zurückzudrängen, einen großflächigen Krieg mit der Schiitenmiliz auslösen könne.

In Israel wächst der Druck

Ohne einen formellen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas ist es jedoch unwahrscheinlich, dass die Hisbollah vollständig aufgibt. Die indirekten Verhandlungen zwischen der Hamas und Israels Regierung, bei denen die USA, Ägypten und Katar vermitteln, stecken in einer Sackgasse.

Während die Hisbollah keine Eile habe, Zugeständnisse zu machen, wächst in Israel nach Angaben des Washington Institutes der Druck, die Bewohner des Nordens zu Beginn des neuen Schuljahres Ende September zurückkehren zu lassen.

In Ortschaften beiderseits der Grenze haben rund 150 000 Menschen die Kampfzone verlassen oder wurden von dort evakuiert. Ohne eine diplomatische Lösung könne dies Israel dazu veranlassen, seine Einsätze gegen die Hisbollah verstärken, um eine Pufferzone zu etablieren, schreibt die Denkfabrik. In Ortschaften beiderseits der Grenze hat der gegenseitige Beschuss schwere Zerstörungen angerichtet.

Nach Informationen der "Financial Times" hat Israels Militär weite Teile des Südlibanon verwüstet und "eine neue Realität" geschaffen. An der Grenze seien ganze Stadtviertel dem Erdboden gleichgemacht und Ackerland zerstört worden, berichtete die Zeitung am Donnerstag unter Berufung auf Satellitenbilder, Regierungsstatistiken und Gespräche mit lokalen Beamten. Nahezu tägliches Bombardement aus der Luft und Artilleriebeschuss hätten einen Großteil der fünf Kilometer nördlich der Blauen Linie gelegenen Gebiete unbewohnbar gemacht.

Deeskalationsversuche der USA fruchten bisher nicht

Die USA versuchen, eine Eskalation zu verhindern - bislang ohne Erfolg. Ein Plan der Regierung von Präsident Joe Biden sieht laut dem Washington Institute vor, dass sich die Hisbollah von der Grenze zurückzieht und zugleich mehrere Tausend Soldaten der libanesischen Armee in dem Gebiet eingesetzt werden. Zugleich sollen die Truppen der UN-Beobachtermission Unifil, die dem Vorrücken der Hisbollah derzeit wenig entgegenzusetzen haben, durch zusätzliche Beobachter etwa aus Deutschland unterstützt werden.

USA bereiten Evakuierung ihrer Bürger vor

Die USA bereiteten sich für den Fall eines großangelegten Kriegs bereits auf die Evakuierung ihrer Landsleute aus dem Libanon vor, zitierte der US-Sender NBC mit den Plänen vertraute US-Quellen. Das Pentagon habe ein zusätzliches Kriegsschiff sowie eine Marineexpeditionseinheit zur Verstärkung der US-Truppen in der Region ins Mittelmeer verlegen lassen, in Vorbereitung auf eine mögliche Evakuierung von amerikanischen Landsleuten, berichtete der Sender weiter. Der Schritt diene auch zur Abschreckung, um eine Eskalation des Konflikts zu verhindern.

Das Auswärtige Amt in Berlin hat am Mittwoch erneut alle Deutschen aufgefordert, den Libanon zu verlassen und von Reisen in das Land abzusehen. Die Sicherheitslage in der Region sei hoch volatil. Eine weitere Eskalation könne auch dazu führen, dass der Flugverkehr auf dem internationalen Rafic-Hariri-Flughafen in Beirut eingestellt wird.