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ROUNDUP: Maschinen- und Anlagenbauer Dürr schraubt Ziele nach oben

·Lesedauer: 4 Min.

BIETIGHEIM-BISSINGEN (dpa-AFX) - Der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr <DE0005565204> profitiert von einem Boom bei der Holzverarbeitung und einer Erholung der Autobranche. Nach einem starken Geschäft im zweiten Quartal und einer anhaltenden Dynamik erhöhte das Unternehmen überraschend am Montagabend die Prognosen für das laufende Jahr. So sollen der Auftragseingang, Umsatz und operatives Ergebnis besser ausfallen als bisher angenommen. An der Börse kam dies gut an. Der Kurs der im MDax <DE0008467416> notierten Aktie legte am Dienstag im frühen Handel deutlich zu.

Beim Umsatz rechnet der Konzern jetzt mit einem Wert zwischen 3,6 Milliarden und 3,8 (2020: 3,3) Milliarden Euro - bisher hatte die Prognose bei 3,45 bis 3,65 Milliarden Euro gelegen. Die Marge gemessen am operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll bei 5,0 bis 6,0 (bisher 4,2 bis 5,2) Prozent liegen, wie das Unternehmen in Bietigheim-Bissingen bei der Vorlage der Eckdaten für das erste Halbjahr mitteilte. Der vollständige Finanzbericht soll wie geplant am 5. August veröffentlicht werden.

Beim Erreichen der jeweils mittleren Werte der Spannen ergibt dies ein operatives Ergebnis von rund 200 Millionen Euro und damit schon wieder fast auf dem Niveau von 2019. Im vergangenen Jahr war das operative Ergebnis wegen der Corona-Krise deutlich eingebrochen - vor Sondereffekten waren es gerade mal noch knapp 100 Millionen Euro. Bis zu den Höhen des Jahres 2017, als Dürr operativ fast 300 Millionen Euro verdiente, ist es allerdings noch etwas hin.

Dürr hatte vor Corona mit einer Reihe von operativen Problemen zu kämpfen unter anderem bei dem 2014 übernommenen Unternehmen Homag, einem Hersteller von Holzverarbeitungsmaschinen. Dürr befand sich deshalb schon vor Ausbruch der Pandemie im Umbruch. Doch 2022 soll das abgehakt sein. Dann sollen Umsatz und operative Marge über dem 2019er-Niveau von 3,9 Milliarden Euro beziehungsweise 6,7 Prozent liegen.

Das mittelfristige Ziel einer Ebit-Marge von mindestens acht Prozent soll 2023 oder spätestens 2024 erreicht werden. Zwischen April und Ende Juni des laufenden Jahres habe die operative Marge 5,9 Prozent betragen und lag damit deutlich über dem Wert vom Jahresauftakt. Im von Corona besonders stark getroffenen Vorjahresquartal steckte Dürr in den roten Zahlen. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen im zweiten Quartal 23 Millionen Euro - nach einem Verlust von 16 Millionen Euro im Vorjahresabschnitt.

Der Umsatz legte im Quartalsvergleich um knapp sieben Prozent auf 843 Millionen Euro zu - gegenüber dem Vorjahr war dies ein Plus von neun Prozent. "Im zweiten Quartal verzeichnete der Dürr-Konzern eine weiter zunehmende Geschäftsdynamik", hieß es. Vor allem die Nachfrage nach Homag-Maschinen. Hier profitierte Dürr von einem neuen Investitionszyklus im Geschäft mit Möbelherstellern sowie der stark gestiegenen Nachfrage nach Produktionstechnik für Holzhäuser.

Auch im Automobilbau setzte sich der Erholungskurs mit einem steigenden Auftragseingang im zweiten Quartal fort. Konzernweit zog der Auftragseingang um rund zwei Drittel auf 1,08 Milliarden Euro an. Damit stieg der Bestand an Aufträgen auf den Rekordwert von fast 3,2 Milliarden Euro. Wegen der anhaltend hohen Nachfrage geht Dürr davon aus, dass der Auftragseingang im laufenden Jahr auf den Rekordwert von 4 Milliarden Euro bis 4,2 (2020: 3,3) Milliarden Euro steigen wird.

Die Dürr-Aktie stieg am Dienstag in den ersten Handelsminuten bis zu neun Prozent auf 39 Euro und damit auf den höchsten Stand seit Mai 2019. Damit setzte das Papier die jüngste Erholung fort, hinkt aber der Entwicklung vieler anderer deutscher Standardwerte mittelfristig hinterher. So liegt der Kurs zwar aktuell rund 150 Prozent über dem Tief aus dem Corona-Crash im vergangenen Frühjahr - anders als bei vielen anderen deutschen Standardwerten ist der Aktienkurs des baden-württembergischen Traditionsunternehmens allerdings noch weit von Rekordhöhen entfernt.

2017 hatte die Aktie zeitweise mehr als 60 Euro gekostet - doch dann ging es vor allem wegen der Probleme bei Homag peu a peu nach unten. Anfang 2020, also vor Ausbruch der Corona-Pandemie, kostete die Aktie rund 30 Euro. Im Corona-Crash ging es dann auf fast 15 Euro nach unten. Von diesem Schock hat sich die Aktie inzwischen allerdings erholt. Auf Fünf-Jahressicht ist das bereits seit 1990 an der Börse gelistete Papier allerdings nur leicht im Plus, während der MDax in diesem Zeitraum mehr als 60 Prozent stieg.

Experte Peter Rothenaicher von der Baader Bank bestätigte nach den Zahlen und der erhöhten Prognose seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 42 Euro. Für ihn ist das Papier weiter einer der besten Werte in dem Sektor. Das zweite Quartal habe seine Erwartungen und die der anderen Experten deutlich übertroffen. So auch die des Warburg-Analysten Christian Cohrs, der seine Einstufung für das Papier nach den Eckdaten auf "Buy" erhöhte und das Kursziel auf 43 Euro anhob. Grundlage dafür sind bessere Annahmen für das laufende und die beiden kommenden Jahre. So rechnet er jetzt beim Umsatz im Jahr 2023 mit einem Umsatz von fast 4,3 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn von 283 Millionen Euro.

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