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ROUNDUP: Gewerkschaft warnt vor Strompreis-Anstieg durch höhere EEG-Umlage

·Lesedauer: 2 Min.

HANNOVER/BERLIN (dpa-AFX) - Den Verbrauchern in Deutschland drohen nach Einschätzung der IG Bergbau, Chemie, Energie im kommenden Jahr kräftig steigende Strompreise. Die aktuelle Kombination aus coronabedingtem Rückgang des Verbrauchs der Industrie und hoher Ökostromerzeugung werde die EEG-Umlage zur Finanzierung der erneuerbaren Energien "auf bislang ungekannte Höhen" steigen lassen, warnte die Gewerkschaft am Donnerstag.

Die IG BCE rechnet damit, dass die Umlage im kommenden Jahr um 20 Prozent auf deutlich mehr als 8 Cent je Kilowattstunde steigen wird. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 3000 Kilowattstunden würde dann 50 Euro mehr im Jahr zahlen müssen. Derzeit beträgt die EEG-Umlage knapp 6,8 Cent.

Die hohe Ökostromproduktion und der geringere Verbrauch führe an der Strombörse zu extrem niedrigen Spotmarktpreisen, betonte die Gewerkschaft. Der Staat garantiere den Betreibern von EEG-Stromanlagen jedoch marktunabhängige Vergütungen. Die Kosten dafür zahlten die Stromkunden über die EEG-Umlage, die bei fallenden Börsenstrompreisen steige.

Die Corona-Krise lege "die problematische Systematik des EEG-Gesetzes schonungslos offen", sagte der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. Stromverbrauch werde immer mehr auch zum sozialen Faktor: Starke und Schwächere würden gleich belastet. Das müsse bei Massenkurzarbeit und Jobverlusten schnell ein Ende haben. "Es wird Zeit, dass sich der Staat zu seiner Verantwortung bekennt und die Kosten der Energiewende über den Bundeshaushalt trägt", forderte Vassiliadis.

Ohne die für das nächste Jahr beschlossene Absenkung der EEG-Umlage aus den Einnahmen des CO2-Preises erwartet auch die Denkfabrik Agora Energiewende einen Anstieg der EEG-Umlage in ähnlicher Größenordnung wie die Gewerkschaft. "Wenn die Versorger die gesunkenen Börsenstrompreise an die Kunden weitergeben, wird der Anstieg etwas gedämpft", sagte Thorsten Lenck, Strommarktexperte bei Agora Energiewende. Allerdings verpuffe die von der Bundesregierung geplante Absenkung der EEG-Umlage. Die aktuelle Entwicklung zeige, wie wichtig eine Reform der Abgaben und Umlagen auf den Strompreis sei. Die Bundesregierung solle die EEG-Umlage früher und stärker als geplant senken, sagte Lenck.

Eine Sprecherin des Übertragungsnetzbetreibers Tennet sagte, für Aussagen über die Höhe der Umlage im kommenden Jahr sei es noch zu früh. Der Satz für 2021 werde erst im Herbst auf Basis der Entwicklung der vorangegangenen Monate festgelegt. Die Übertragungsnetzbetreiber ermitteln die notwendige Höhe der EEG-Umlage.

Der ungewöhnlich sonnige April hat auch die Produktion von Solarstrom in Deutschland kräftig nach oben getrieben. Die Photovoltaikanlagen haben insgesamt 6,9 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt, wie Zahlen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigen. Zum Vergleich: Im April des vergangenen Jahres waren es nur 5,6 Milliarden Kilowattstunden. Auch seit Jahresbeginn hat die Solarproduktion kräftig zugenommen. Von Januar bis April waren es 17 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2019.