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ROUNDUP: Bahnverbindungen der Ukraine nach Westen sollen verstärkt werden

BERLIN (dpa-AFX) -Deutschland und die Europäische Union wollen sich mit der Ukraine auch beim Bahnverkehr stärker verbinden. Alternative Frachtrouten der Kriegszeit sollten beibehalten werden, wenn wieder Frieden herrscht, sagte EU-Transportkommissarin Adina Valean am Dienstag in Berlin. Die Karten für das transeuropäische Transportnetz seien entsprechend überarbeitet. "Sie sind auf der Landkarte, sie sind Teil Europas", sagte Valean im Beisein des ukrainischen Bahnchefs Olexander Kamyschin auf der Bahntechnikmesse Innotrans.

Dort unterzeichneten die Deutsche Bahn und die ukrainische Bahngesellschaft Ukrsalisnyzja eine Vereinbarung, um Güterverkehrskorridore und Terminalkapazitäten für Agrartransporte auszubauen. Die DB will zudem bei der Einführung europäischer Standards im Bahnbetrieb und Management beraten. Zudem sichert sie Hilfeleistungen beim Wiederaufbau nach dem Krieg zu.

Kamyschin sagte im Interview mit der Deutsche Presse-Agentur: "Wir haben unsere Entscheidung getroffen: Wir gehen nach Europa. Letztendlich brauchen wir dafür eine echte Integration in die europäische Infrastruktur." Notwendig seien neue Schienenstrecken in die Nachbarländer und mehr Frachtkapazität über europäische Häfen.

"Für mich ist klar: Die Ukraine erhält weiter jede Unterstützung, die wir bieten können", hob Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) auf der Innotrans hervor. Bahnchef Richard Lutz würdigte die Beschäftigten der ukrainischen Bahn. Sie retteten Leben und riskierten ihr eigenes.

Fachleute der Güterbahn DB Cargo sollen nach der Vereinbarung helfen, Güter-Korridore und Terminals für den Umschlag zwischen der ukrainischen Breitspur und der Normalspur neu zu entwickeln oder bestehende zu ertüchtigen. Denn eine Hürde beim Transport der Waren ist, dass die ukrainischen Zugwaggons nicht mit dem Großteil des EU-Schienennetzes kompatibel sind. Einige Güterverkehrsknoten im Westen der Ukraine könnten schon von Normalspur-Zügen angesteuert werden, hieß es. Es soll nun auch geprüft werden, ob ukrainische Getreidewagen für Exporte in die EU genutzt werden können. Geprüft werde auch, Wagen in die Ukraine zu liefern.

Mit Hilfe der EU-Kommission sind bislang insgesamt 14 Millionen Tonnen an landwirtschaftlichen Produkten aus der Ukraine exportiert worden. Über Solidaritätsspuren und die Schwarzmeerhäfen wurden seit Beginn des russischen Angriffskrieges vor allem Getreide und Ölsaaten aus der Ukraine in die EU geliefert, wie ein EU-Beamter am Dienstag in Brüssel sagte. Im Mai hatten nach Angaben der EU-Kommission noch 20 Millionen Tonnen Getreide in der Ukraine festgesteckt.

Vor Beginn des Krieges war die Ukraine einer der weltweit wichtigsten Getreideproduzenten. Viele und vor allem ärmere Länder sind dringend auf günstige Lieferungen etwa von Weizen aus dem Land angewiesen. Wegen des russischen Krieges gegen die Ukraine sind Seewege und Häfen allerdings weitgehend blockiert.

Kamyschin rief europäische Eisenbahnen zu gemeinsamen Geschäften auf. "Wir sind unter Beschuss, wir brauchen Waffen, finanzielle Hilfe und den ganzen Rest. Aber letztendlich sind wir eine unternehmerische Nation." Die Ukraine habe Millionen Tonnen Fracht, die nach Europa gehen könnten. Europäischen Bahnen erwarteten zusätzliche Einnahmen. "Das ist der beste Weg, wie Europa uns helfen kann: Kaufen von uns und Geschäfte machen mit uns."

Die Bahn gilt als Rückgrat für den Verkehr in dem vom russischen Angriffskrieg gebeutelten Land. Strecken und Bahnhöfe sind immer wieder Ziele von Angriffen. Das Unternehmen hat laut Kamyschin 244 Mitarbeiter verloren. Beschädigte und zerstörte Streckenabschnitte würden so schnell wie möglich repariert, damit Ortschaften wieder versorgt werden können. "Tempo ist unser Pfad zum Sieg."

Auf der Innotrans präsentieren bis Freitag über 2800 Aussteller aus 56 Ländern dem Fachpublikum Züge, Schienensysteme, Zubehör und Dienstleistungen. Im Fokus stehen alternative Antriebsarten, etwa mit Wasserstoff oder Batterien, und digitale Lösungen für mehr Bahnverkehr.

Die hohen Energiekosten bremsen aus Sicht von Verkehrsminister Wissing den Klimaschutz im Bahnverkehr. Manche Güterbahnen berichten von um 1000 Prozent gestiegenen Stromkosten und überlegten nun, wieder Dieselloks fahren zu lassen, sagte Wissing. "Diese Entwicklung ist höchst bedenklich. Sie würde uns um Jahre zurückwerfen auf dem Weg zu einer klimaneutralen Schiene."