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ROUNDUP/Aktien New York Schluss: Corona-Sorgen setzen den US-Börsen erneut zu

NEW YORK (dpa-AFX) - Die Furcht vor einer zweiten Corona-Infektionswelle ist an die US-Börsen zurückgekehrt und hat den Dow Jones Industrial <US2605661048> am Freitag zeitweise unter die Marke von 25 000 Punkte gedrückt. Zudem dämpften Konjunkturdaten die Stimmung. Mit einem Abschlag von 2,84 Prozent auf 25 015,55 Punkte ging das weltweit bekannteste Börsenbarometer letztlich aus dem Handel. Der Wochenverlust summiert sich auf 3,3 Prozent. Das Anfang Juni in einer beeindruckenden Rally zurückeroberte Niveau von 27 580 Punkten rückte damit noch ein wenig weiter in die Ferne.

Der marktbreite S&P 500 <US78378X1072> büßte am Freitag 2,42 Prozent auf 3009,05 Punkte ein. Der Nasdaq 100 <US6311011026> sank um 2,50 Prozent auf 9849,35 Zähler, nachdem der technologielastige Index der Nasdaq-Börse noch am Dienstag ein Rekordhoch verzeichnet hatte. Hoffnungen, dass das Tal für die Weltkonjunktur angesichts umfangreicher Hilfspakete und zunehmender Lockerungen virusbedingter Beschränkungen in den einzelnen Ländern nicht ganz so tief werden wird, hatten angetrieben.

Inzwischen jedoch ist die Corona-Angst wieder präsent. Mit rund 40 000 gemeldeten Fällen erreichte die Zahl der Neuinfektionen mit dem Virus in den USA am Donnerstag einen neuen Höchststand. Damit ist der bisherige Rekord von rund 36 400 Neuinfektionen vom 24. April übertroffen, wie aus Zahlen der Johns-Hopkins-Universität hervorgeht. Noch vor zwei Wochen lagen die täglich gemeldeten Infektionszahlen bei etwas mehr als der Hälfte des Wertes vom Donnerstag.Konjunkturseitig waren die Daten zudem durchwachsen. Zwar erholten sich die Konsumausgaben im Mai kräftig, aber dennoch nicht ganz so deutlich wie erwartet. Auch enttäuschte das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima für den Monat Juni etwas.

Marktanalyst Edward Moya vom Broker Oanda sieht eine wachsende Gefahr, dass sich die US-Wirtschaft nicht ganz so rasant erholt, wie dies durch bisherige Wirtschaftsdaten nach den allmählichen Lockerungen signalisiert worden war. Insbesondere neue, zumindest regionale Lockdowns könnten eine v-förmige Erholung ausbremsen. Just an diesem Tag etwa ordnete der Gouverneur von Texas wegen der Corona-Gefahren die Schließung von Bars und Kneipen an.

Dabei war die Wette auf ein schnelles Wiederaufleben der Wirtschaft plus die Stimuli durch die Notenbanken und Regierungen zuletzt der wichtigste Treiber der Kurserholung an den Börsen gewesen.

Unter den Branchen stand an diesem Tag vor allem der Bankensektor im Fokus: Nachdem die Aktien der US-Großbanken am Vortag wegen der Lockerung einiger Corona-Beschränkungen deutlich zugelegt hatten, ging es nach dem Stresstest der US-Notenbank vom Vorabend abwärts. Die Fed winkte zwar alle Banken durch und stellte ein durchaus positives Zeugnis aus, machte aber Auflagen: Zur Schonung ihrer Kapitalausstattung dürfen die größten Banken mindestens bis Ende des dritten Quartals keine Dividenden erhöhen oder eigene Aktien zurückkaufen.

Im Dow waren die Aktien von Goldman Sachs <US38141G1040> Schlusslicht mit minus 8,7 Prozent, JPMorgan <US46625H1005> folgten am dritter Stelle mit minus 5,5 Prozent. Im S&P 100 büßten zudem die Papiere von Morgan Stanley <US6174464486>, der Bank of New York Mellon <US0640581007>, U.S. Bancorp <US9029733048>, der Citigroup <US1729674242>, der Bank of America <US0605051046> und Wells Fargo <US9497461015> bis zu 7,4 Prozent ein.

Für die Anteilsscheine von Nike <US6541061031> ging es im Dow nach den am Vorabend veröffentlichten Quartalszahlen um 7,6 Prozent abwärts. Der Sportartikelhersteller hatte wegen der Corona-Pandemie einen Quartalsverlust von mehr als einer Dreiviertelmilliarde US-Dollar verbucht.

Kräftige Verluste verbuchten zudem Twitter <US90184L1026> mit minus 7,4 Prozent und Facebook <US30303M1027> mit minus 8,3 Prozent, wobei die Facebook-Aktien allerdings erst am Dienstag ein Rekordhoch erreicht hatten. Der Konsumgüterriese Unilever <NL0000388619> <GB00B10RZP78> und der Autobauer Honda <JP3854600008> gaben am Freitag bekannt, in den USA vorerst keine Werbeanzeigen mehr bei dem Online-Netzwerk und seiner Tochter Instagram zu schalten. Damit erhält eine in der Vorwoche gestartete Boykottaktion gegen die Plattform wegen deren umstrittenen Umgangs mit rassistischen, hetzerischen und manipulativen Inhalten bedeutenden Zulauf.

Der Euro <EU0009652759> fiel im US-Handelsverlauf zeitweise unter die Marke von 1,12 US-Dollar und erholte sich dann wieder. Zum Börsenschluss an der Wall Street kostete die Gemeinschaftswährung 1,1229 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs im Frankfurter Handel auf 1,1213 (Donnerstag: 1,1200) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8918 (0,8929) Euro.

Am US-Rentenmarkt legten richtungsweisende zehnjährige Staatsanleihen um 14/32 Punkte auf 99 27/32 Punkte und rentierten mit 0,638 Prozent./ck/mis

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---