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ROUNDUP/Aktien Frankfurt Eröffnung: Wirtschaftssorgen belasten den Dax

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Steigende Corona-Infektionszahlen und warnende Worte der US-Notenbank (Fed) mit Blick auf die Wirtschaftslage haben am Donnerstag den deutschen Aktienmarkt spürbar belastet. Zudem brodelt der Handelsstreit zwischen den USA und China weiter und auch in Sachen Iran setzt US-Präsident Donald Trump auf Konfrontation. Zugleich gibt es auch bei den festgefahrenen Gesprächen über ein Abkommen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien nach der Brexit-Übergangsphase nichts Neues.

All das nährt die Konjunktursorgen der Anleger. Der Dax <DE0008469008> verlor im frühen Handel 0,91 Prozent auf 12 859,19 Punkte. Damit hält sich der Leitindex aber weiter im Bereich um die 12 750 bis 12 850 Zähler, der charttechnisch betrachtet stützend wirkt. Der MDax <DE0008467416> sank um 0,59 Prozent auf 27 241,46 Punkte. Der Leitindex der Eurozone EuroStoxx 50 <EU0009658145> fiel um 1,10 Prozent auf 3281,05 Zähler.

Am Vorabend hatte die Fed die wirtschaftlichen Unsicherheiten aufgrund der Corona-Pandemie hervorgehoben und eine langsamere Erholung für die weltgrößte Volkswirtschaft prognostiziert. Einige Mitglieder der US-Notenbank hatten sich zugleich dafür ausgesprochen, "irgendwann" für mehr Klarheit beim künftigen Zinspfad zu sorgen, während es im letzten Protokoll noch hieß, dass dies auf einem der nächsten Treffen geschehen solle.

"Ganz so eilig wie es einige am Markt erwartet haben, hat es die Fed dann doch nicht mit einer weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik", kommentierten die Analysten der Commerzbank. Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners sieht nun "neue Probleme für die Börsen". Die Prognose der US-Notenbank passe nicht zu den steil nach oben gelaufenen Aktienindizes. "Lange Zeit galt die Fed als ultimativer Retter am Aktienmarkt. Jetzt verdirbt ausgerechnet sie die Party."

Unter den Einzelwerten standen Delivery Hero <DE000A2E4K43> und Wirecard <DE0007472060> im Blick, nachdem die Deutsche Börse am Vorabend mitgeteilt hatte, dass der insolvente Zahlungsabwickler am Montag Dax und TecDax <DE0007203275> verlassen muss. Dafür steigt - wie bereits erwartet - der Online-Essenslieferdienst Delivery in den Leitindex auf und der Laserspezialist LPKF <DE0006450000> zieht in den Technologiewerte-Index ein. Angesichts ausgebliebener Überraschungen ging es im MDax nun für Delivery um 2,0 Prozent abwärts.

Die Anteilsscheine von Aixtron <DE000A0WMPJ6>, die für Delivery in den MDax aufsteigen gaben ebenfalls nach und verloren 1,2 Prozent. Hornbach Baumarkt <DE0006084403> dagegen legten um 1,0 Prozent zu. Sie werden von Montag an die Papiere des Spezialmaschinenbauers für die Chipindustrie im SDax <DE0009653386> ersetzen.

Quartalsbilanzen legten der Konzertveranstalter CTS Eventim <DE0005470306> sowie der Immobilienkonzern TAG <DE0008303504> vor. Die Corona-Krise traf den CTS im zweiten Quartal herb und ein Ausblick auf das restliche Jahr wurde nicht gewagt. Überraschend war dies jedoch nicht. Zudem sollte CTS bessere Chancen als andere haben, gestärkt aus der Krise hervorzugehen, sobald das Geschäft wieder ins Laufen komme, sagte ein Händler. Die Aktien gewannen 1,6 Prozent.

TAG sprangen zugleich um 5,5 Prozent hoch. Der Immobilienkonzern profitierte im zweiten Quartal weiter von steigenden Mieten in Ballungszentren. Der Ausblick auf das laufende Jahr wurde bestätigt, wobei eine Anhebung der Prognose im weiteren Jahresverlauf möglich sei. Von dieser Zuversicht profitierten zahlreiche weitere Immobilienwerte: Aroundtown <LU1673108939> gewannen 1,3 Prozent und im Dax zogen Deutsche Wohnen <DE000A0HN5C6> um 0,5 Prozent und Vonovia <DE000A1ML7J1> um 1,0 Prozent an.

Die Anteilsscheine von Schaeffler <DE000SHA0159> mit minus 6,4 Prozent und New Work <DE000NWRK013> mit minus 3,0 Prozent bildeten indes die Schlusslichter im SDax. Der Automobil- und Industriezulieferer will sich über eine Kapitalerhöhung frisches Geld beschaffen und ruft daher eine außerordentliche Online-Hauptversammlung im September ein.

Die Privatbank Berenberg empfiehlt das Papier des Karrierenetzwerks New Work nun zum Verkauf. Das Schlimmste dürfte zwar vorbei sein, doch die Stellenanzeigen gingen weiter zurück, hieß es. Vor diesem Hintergrund sei die Aktie zu hoch bewertet.