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ROUNDUP 2: Thyssenkrupp bricht Übernahmegespräche für Stahlsparte ab

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(neu: Aktienkurs, Analystenstimmen)

ESSEN (dpa-AFX) - Der Industriekonzern Thyssenkrupp <DE0007500001> wird sein Stahlgeschäft nicht an den britischen Konkurrenten Liberty Steel verkaufen. Die Gespräche scheiterten dabei an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Der Ruhrkonzern will das Stahlgeschäft nun vorerst aus eigener Kraft entwickeln. Damit rücken nun zwei Optionen in den Vordergrund: Neben der Fortführung unter dem eigenen Dach stand zuletzt auch eine mögliche Abspaltung zur Debatte.

Die erste Enttäuschung des Marktes währte nicht lange: Die Papiere von Thyssenkrupp sind am Donnerstagmorgen in der ersten halben Stunde des Handels sogar kurzzeitig ins Plus gedreht. Vorbörslich waren die Anteile des Industriekonzerns auf der Handelsplattform Tradegate noch um elf Prozent abgesackt und verloren zum Xetra-Start immerhin mehr als sechs Prozent.

Das Papier hatte in den letzten Monaten einen starken Lauf. So stieg der Kurs im laufenden Jahr um rund 40 Prozent, in den vergangenen drei Monaten kletterte er sogar um mehr als 130 Prozent, nachdem er in den vergangenen Jahren stark gebeutelt wurde.

Ein Händler hatte vorbörslich bereits das Ausmaß der Kursverluste in Frage gestellt, da ein Verkauf nur eine mehrerer Optionen für die Sparte gewesen sei. Analyst Alan Spence vom Analysehaus Jefferies erklärte, dass der Konzern auf den Stahl-Deal nicht angewiesen sei, zeuge von Disziplin und der verbesserten bilanziellen Lage. Auch die Experten der Commerzbank halten es - gerade angesichts stark erholter Stahlpreise - für möglich, dass Thyssen nun einen Börsengang von Steel Europe anstreben könnte.

Die Übernahmegespräche mit dem Konkurrenten Liberty Steel seien beendet worden, hatte Thyssenkrupp am Mittwochabend mitgeteilt. Eine Veräußerung des Stahlgeschäfts an Liberty Steel werde damit nicht zustande kommen. "Die Vorstellungen über Unternehmenswert und Struktur der Transaktion lagen am Ende doch weit auseinander", sagte Finanzvorstand Klaus Keysberg laut Mitteilung. Zum Monatsanfang hatte Konzernchefin Martina Merz auf der Hauptversammlung von Thyssenkrupp gesagt, Liberty Steel habe ein "aktualisiertes Angebot" übermittelt.

Im Ergebnis habe aber zu wesentlichen Anforderungen von Thyssenkrupp keine gemeinsame Lösung gefunden werden können, hieß es nun vom Unternehmen. Ein Sprecher von Liberty Steel erklärte, man wolle die Tür weiter offen halten. Das Unternehmen sei überzeugt, "den einzigen langfristig tragfähigen Plan für das Stahlgeschäft von Thyssenkrupp vorgelegt zu haben und werde sich bemühen, die Bewertungslücke "zu gegebener Zeit" zu schließen.

Das "Handelsblatt" berichtete am Donnerstag unter Berufung auf Finanzkreise, Liberty Steel habe einen negativen Kaufpreis geboten und dies mit den hohen finanziellen Belastungen durch den CO2-Ausstoß begründet, die durch den Einkauf von Emissionsrechten ausgeglichen werden müssten.

Das Unternehmen wollte ursprünglich im März entscheiden, wie es mit dem Stahlgeschäft weiter gehen soll. Die Stahlsparte litt zuletzt stark unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie und häufte im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von fast einer Milliarde Euro an. Im ersten Quartal gab es wieder Lichtblicke, das Geschäft kehrte wieder in die schwarzen Zahlen zurück. "Jetzt kommt es für uns darauf an, die Zukunftsfähigkeit unseres Stahlgeschäfts aus eigener Kraft sicherzustellen. Daran arbeiten wir mit Hochdruck, so, wie wir das in den vergangenen Wochen und Monaten stets unterstrichen haben", erklärte Keysberg.

Für die Modernisierung seiner Stahlsparte gab Thyssenkrupp zuletzt Investitionen von gut 700 Millionen Euro frei. Mit dem nach Angaben des Unternehmens größten Investitionsprogramm beim Stahl seit fast zwei Jahrzehnten will Thyssenkrupp seine Werke in Duisburg und Bochum fit für die gestiegenen Anforderungen der Autoindustrie machen. Zentrale Teile beider Standorte sollen bis Ende 2024 neu gebaut werden. Im Gegenzug will der Konzern beim Stahl aber mehr Stellen streichen als bisher geplant.