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ROUNDUP 2: Siemens erhöht zu Kaesers Abschied Prognose - Aktie steigt

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(neu: Aussagen aus der Telefonkonferenz, Aktienkurs, Analystenstimme)

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Technologiekonzern Siemens <DE0007236101> hat nach einem guten ersten Quartal seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr angehoben. So erwartet das Unternehmen nun einen deutlichen Gewinnanstieg, auch das Umsatzwachstum aus eigener Kraft soll höher ausfallen als zunächst geplant. Treiber ist dabei das Geschäft mit der Digitalisierung. Die Nachrichten kamen an der Börse gut an.

Die Aktie stieg zu Handelsbeginn um fast drei Prozent. Die Anhebung des Ergebnisziels falle deutlicher aus, als er und die meisten Investoren nach der Veröffentlichung der Eckdaten erwartet hätten, kommentierte Andreas Willi von der US-Bank JP Morgan in einer ersten Einschätzung.

Siemens geht damit mitten in der Corona-Pandemie mit positiven Nachrichten in die später am Mittwochvormittag beginnende Hauptversammlung. Es ist die letzte des langjährigen Konzernchefs Joe Kaeser. "Das Team hat trotz eines komplexen Umfelds eine hervorragende Leistung abgeliefert. Ich bin dankbar, so ein starkes Unternehmen an die neue Führungsriege übergeben zu können", sagte er. Als "Abschiedsgeschenk" will sein Nachfolger Roland Busch die erhöhte Prognose jedoch nicht verstanden wissen. "Einige Branchen, in denen wir führend sind, haben sich deutlich schneller erholt als erwartet, wie etwa Automotive oder Maschinenbau", erläuterte er in einer Telefonkonferenz.

2020/21 (per Ende September) soll der Umsatz auf vergleichbarer Basis daher nun im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich wachsen, wie das Unternehmen am Mittwoch in München mitteilte. Den Gewinn nach Steuern sieht das Management in einer Bandbreite von 5 bis 5,5 Milliarden Euro, nach 4,2 Milliarden im Vorjahr. Bislang war der Konzern bei den beiden Kennziffern von einem jeweils moderaten Anstieg ausgegangen. Gegenwind erwartet Siemens dabei weiter von der Währungsseite. Für Umsatz und Ergebnismarge der Digitalisierungssparte zeigte sich Siemens ebenfalls optimistischer. Auch das Geschäft mit intelligenter Infrastruktur soll eine höhere Rendite liefern als bisher geplant.

Dabei setzt Busch voraus, dass sich Verbesserungen der Bedingungen in den kommenden Quartalen fortsetzt, "speziell in unseren kurzzyklischen Geschäften". Zwar bleibt der Manager mit Blick auf die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Pandemie vorsichtig, für ein "Strohfeuer" hält der die gute Entwicklung jedoch nicht.

Im ersten Geschäftsquartal profitierte das Unternehmen von einer starken operativen Entwicklung seiner Automatisierungs- und Softwaregeschäfte sowie dem Bereich intelligente Infrastruktur. So hätten gerade im Automatisierungsgeschäft ein Nachholbedarf der Kunden positiv ausgewirkt, erläuterte Finanzvorstand Ralf Thomas. Zudem hätten Vertriebspartner ihre Lagerbestände aufgefüllt. Auch die Medizintechniktochter Healthineers trug zu der positiven Entwicklung bei - das Unternehmen hatte bereits zu Wochenbeginn starke Zahlen geliefert und seine Prognose erhöht.

Insgesamt stieg der Umsatz im ersten Quartal um drei Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Vergleichbar - also ohne Währungsumrechnungs- und Portfolioeffekte - stieg der Umsatz um sieben Prozent. Der Auftragseingang nahm um 11 Prozent auf 15,9 Milliarden Euro zu. Negative Währungseffekte belasteten das Wachstum dabei mit jeweils fünf Prozentpunkten. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebita) der Industriegeschäfte stieg um fast 40 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Hier profitierte der Konzern neben der starken operativen Entwicklung auch von deutlich gesunkenen Restrukturierungskosten. Nach Steuern verdiente Siemens 1,5 Milliarden Euro, und damit 38 Prozent mehr als im Vorjahr.

Siemens hatte bereits Ende Januar starke operative Zahlen für seine Kerngeschäfte vorgelegt, die zum Teil deutlich über den Erwartungen der Analysten lagen. Dabei hatte das Unternehmen bereits angekündigt, die Prognose überprüfen zu wollen.

Vorstandschef Kaeser wird auf der online stattfindenden Hauptversammlung das letzte Mal den Siemens-Aktionären Rede und Antwort stehen und danach den Staffelstab endgültig an Roland Busch übergeben. Der seit 2013 als Konzernchef wirkende Kaeser hinterlässt seinem Nachfolger ein bestelltes Feld. "Siemens ist strategisch und operativ gut auf die Zukunft vorbereitet. Aber es gibt noch viel zu tun", sagte der Manager, der sich künftig auf den Aufsichtsratsvorsitz bei Siemens Energy konzentrieren wird.

Die jahrelange Neuausrichtung hin zum Kerngeschäft Digitalisierung fand im vergangenen September mit der Abspaltung des Energiegeschäfts vorläufig ihren Abschluss. Siemens wird künftig noch stärker auf das Geschäft mit Automatisierung und Software sowie intelligenter Infrastruktur setzen, von dem sich die Münchner große Wachstumschancen versprechen. Busch steht nun vor der Aufgabe, das Geschäft von Siemens mit der digitalen Technik weiterzuentwickeln und einen schlagkräftigen Konzern zu formen.