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Rohölpreise setzen Erholungsrally fort – US-Öl steigt um 15 Prozent

Die Lagerbestände in den USA steigen weniger schnell als erwartet – das treibt die Ölpreise. Jede positive Meldung befeuert die Rally.

Brent ist die für Europa wichtigste Ölsorte. Die Sorte WTI stammt aus den USA. Foto: dpa

Entspannungssignale bei den US-Lagerbeständen haben den Ölpreis am Donnerstag angetrieben. Der Preis für ein Fass West Texas Intermediate (WTI) stieg um mehr als dreizehn Prozent auf 17,15 Dollar. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um acht Prozent auf 24,33 Dollar.

Die US-Rohöllagerbestände waren nach Daten der Energiebehörde EIA in der vergangenen Woche um neun Millionen Barrel auf 527,6 Millionen Barrel geklettert. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem höheren Anstieg um 10,6 Millionen Barrel gerechnet.

„Wenn wir in den kommenden Wochen eine Fortsetzung dieses Trends sehen, könnte dies darauf hindeuten, dass das Schlimmste hinter dem Ölmarkt liegen könnte“, sagte Rohstoffstratege Warren Patterson von ING.

Zur positiven Stimmung trugen auch Aussagen der chinesischen China Petroleum & Chemical Corp (Sinopec) bei. Der Konzern teilte mit, dass seine täglichen Verkäufe von raffinierten Ölprodukten auf mehr als 90 Prozent des Niveaus vor dem Ausbruch des Coronavirus gestiegen seien.

„WTI könnte in diesem Umfeld schnell auf 20 Dollar pro Barrel und Brent auf 30 Dollar pro Barrel steigen“, sagte Jeffrey Halley, Marktanalyst beim Brokerhaus OANDA in Singapur.

Für eine allgemeine Entwarnung reiche es aber noch nicht. „Vor dem Hintergrund des Ausmaßes des allgemeinen Rückgangs der Ölpreise seit Beginn der Pandemie ist die Erholung immer noch winzig“, fügte Halley hinzu.

Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge könnte die weltweite Energienachfrage 2020 durch die weitgehende Lahmlegung der Wirtschaft in Folge der Pandemie um sechs Prozent einbrechen. Bei der Ölnachfrage wird ein Rückgang von 9,3 Millionen Barrel pro Tag (bpd) erwartet.

Am Markt für Rohöl herrscht weiter Unsicherheit. Experten rechnen mit starken Preisschwankungen. Einer wegen der Corona-Pandemie wegbrechenden Nachfrage steht ein viel zu hohes Angebot gegenüber. Dies hat zur Folge, dass immer mehr Erdöl in die verbliebenen freien Lager fließt.

Allerdings mehren sich die Meldungen über Produktionskürzungen. So hat Norwegen am Donnerstag angekündigt, in der zweiten Jahreshälfte weniger Öl fördern zu wollen.

Die norwegische Regierung will die heimische Öl- und Gas-Branche in der Krise aber unter anderem mit Steuervorteilen stützen. Mit einem umfassenden Maßnahmenpaket soll gewährleistet werden, dass die Aktivitäten des Industriezweigs aufrechterhalten und Arbeitsplätze gesichert werden können, wie Ministerpräsidentin Erna Solberg am Donnerstag erklärte.

Nach Angaben der Regierung kann dies einen mit Investitionen in den Jahren 2020 und 2021 verbundenen Liquiditätseffekt im Umfang von 100 Milliarden Kronen (8,95 Milliarden Euro) bedeuten. Die Regierung will einen entsprechenden Vorschlag am 12. Mai dem Parlament in Oslo vorlegen. Ende Mai soll dann ein Maßnahmenpaket für die Umstellung der Wirtschaft auf grüne Technologien folgen.

Mit Material von Reuters und dpa.