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Robo-Advisor sind Fondsmanagern in der Krise ebenbürtig

Aktuell versuchen alle Geldmanager, vor allem Kursverluste wettzumachen. Nach einer Studie können Robo-Advisor mit klassischen Geldmanagern mithalten.

Sie sind angetreten als die besseren, weil effektiveren und preiswerteren Vermögensverwalter im Vergleich zu den klassischen Geldmanagern. Für die noch recht junge Sparte der Robos, also der digitalen Vermögensverwalter, kommt ein Börsenabsturz wie in der Corona-Krise einem Lackmustest gleich.

Nach einem ersten Eindruck haben größere Anbieter zuletzt schon deutliche Kursverluste eingefahren, aber auch wieder Boden gut gemacht. Mit vermögensverwaltenden Fonds und einigen klassischen Vermögensverwaltern halten nicht alle jungen Anbieter mit. Doch unterm Strich sind die Robos einer neuen Studie zufolge den traditionellen Geldmanagern ebenbürtig.

„In einer beispiellosen Zeit mit heftigen Reaktionen an den Kapitalmärkten sind auch die Portfolios der Robo-Advisor deutlich ins Minus gerutscht“, sagt Philipp Dobbert, Chefvolkswirt der Berliner Quirin Bank und Leiter der Anlagestrategien des Robos Quirion. Aber die gute Nachricht sei, dass sie sich seit dem Tief der Märkte Mitte März auch schon wieder deutlich erholt hätten.

So ist bei der Quirin-Bank-Tochter von einem Kursverlust von knapp einem Viertel für eine Strategie mit hälftigem Aktien- und Anleiheanteil noch ein Minus von elf Prozent seit Jahresanfang übrig.
Beim Marktführer Scalable Capital betragen die Verluste je nach Strategie in diesem Jahr aktuell noch zwischen 2,5 und gut 19 Prozent, wie Chef Erik Podzuweit sagt.

Und beim Anbieter Liqid, der mit HQ Trust, der Vermögensverwaltung der Familie Herbert Quandt, verbunden ist, liegt die Spanne nach Angaben von Unternehmenschef Christian Schneider-Sickert zwischen einem kleinen Plus von gut einem Prozent und minus 19 Prozent seit dem Aktienhoch Mitte Februar.

Viele Robo-Portfolios längerfristig im Vorteil

Damit stehen manche Robos etwas schlechter da als viele Fonds, die auf einen ausgewogenen Mix aus Aktien und Anleihen setzen. Diese sind nach Zahlen des Fondsratinghauses Morningstar seit Jahresbeginn im Schnitt knapp neun Prozent im Minus. Auch viele klassische Vermögensverwalter mit ausgewogenen Portfolios stehen nach eigener Einschätzung seit Jahresanfang noch im höheren einstelligen Bereich im Minus.

Diese kurzfristige Wertentwicklung allein reicht jedoch nicht aus, um die Qualität der Geldmanager zu bewerten. Längerfristig, etwa mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre seien viele Robo-Portfolios im Vorteil, betont Dobbert von Quirion und verweist auf sein Haus. Das gilt auch für viele klassische Vermögensverwalter. Mischfonds hätten dagegen in den bewegten Jahren an den Börsen unterm Strich ein leichtes Minus gemacht.

Für einen umfassenderen Vergleich der automatisierten mit klassischen Vermögensmanagern hat das Institut für Vermögensaufbau (IVA) aus München weitere wesentliche Qualitätsmerkmale geprüft.

Das Ergebnis der Studie im Auftrag von Quirion: Eine Gruppe von 16 überdurchschnittlich bewerteten Robo-Advisors biete mit ihren Anlagevorschlägen eine Portfolioqualität, die jener von 17 ebenfalls als überdurchschnittlich eingestuften klassischen Vermögensverwaltern „ebenbürtig“ sei.

Gute Noten für Robos

Grundlage der IVA-Untersuchung waren Portfoliodaten aus dem vergangenen Sommer. In die Bewertung flossen die Portfoliostruktur, die Produktumsetzung und die Kosten ein. Bei den Robo-Advisors wurden Portfolios der Kategorie „ausgewogen“ verglichen.

Die Portfoliostruktur der durchschnittlichen Robo-Angebote hat das IVA mit der Schulnote 2,0 bewertet. Abzüge in der Bewertung gab es für einen unterdurchschnittlichen Anteil von Alternativen Investments wie außerbörsliche Beteiligungen, Immobilien oder Hedgefonds.

Bei der Produktumsetzung wurden die Portfolios als „weitgehend effizient strukturiert“ bewertet und erhielten die Note 1,7. Abzüge gab es, da nicht ganz auf den überteuerten Kauf von Marktprämien verzichtet worden sei, der größte Produktgeber im Durchschnitt einen leicht erhöhten Anteil hatte und es in Einzelfällen eine übermäßige Bevorzugung hauseigener Produkte gegeben habe.

Bei den Kosten erzielten die durchschnittlichen Robo-Portfolios dagegen eine glatte eins. Sie lägen im Durchschnitt mit gut einem Prozent um rund ein Drittel niedriger als die des durchschnittlichen Vorschlags eines klassischen Vermögensverwalters, stellt das IVA fest.

Dies, obwohl die Robo-Portfolios im Durchschnitt schon ab einem Anlagebetrag von 15 000 Euro zu haben sind. Bei den klassischen Verwaltern waren Portfolios mit Anlagesummen von 500 000 Euro verglichen worden.