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Robert Habecks Gaspreisbremsmanöver: Der Tag mit Bloomberg

(Bloomberg) -- Was in anderen Ländern Deckel heißt, nennt man in Deutschland Bremse. Energiepreisbremse statt -deckel. In der Sache läuft bzw. fährt es auf dasselbe hinaus: Angesichts der historisch hohen Preise für Strom und Gas will der Staat eine Obergrenze einziehen, damit Haushalte und Betriebe die Preislast noch tragen können.

Möglicherweise glaubt die Bundesregierung, dass einem Volk der Autofahrer eine Bremse leichter zu verkaufen ist als ein Deckel. Auch wenn man hierzulande gemeinhin lieber aufs Gaspedal tritt. Doch die vielbeschworene Gas- und Strompreisbremse der Bundesregierung, die eigentlich schon am vergangenen Freitag vom Kabinett verabschiedet werden wollte, lässt weiter auf sich warten.

Umso freudiger vernahmen viele gestern die Worte von Wirtschaftsminister Robert Habeck, der auf einer Veranstaltung ankündigte: “Wir werden morgen, nehme ich an, die Energiepreisbremse, also für Strom und Gas, vorstellen.” Die Vorfreude währte nur kurz. Ein Anruf im Ministerium ergab, dass die Vorschläge des Ministers nach wie vor innerhalb der Regierung diskutiert würden und es am heutigen Dienstag sicherlich keine Vorstellung geben werde.

So etwas nennt man wohl, um im Bild zu bleiben, eine Vollbremsung.

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass Habeck beim Versuch, die Energiepreise in Deutschland unter Kontrolle zu kriegen, gefährlich ins Schlingern gerät. Dunkel erinnert man sich noch an die Gasumlage, die vor einigen Monaten die Gemüter erregte, bis sie schließlich klammheimlich begraben wurde. Nun soll es also die Energiepreisbremse richten. Wobei man als passionierter Autofahrer nur zu gut weiß, dass allzu heftige Bremsmanöver im Winter schnell im Straßengraben enden können.

AKTUELLE MELDUNGEN:

  • Um die Deutsche Bank zum führenden Wealth-Manager in Europa zu machen, nimmt Claudio de Sanctis unter anderem Saudi-Arabien und Indonesien ins Visier. Die Bank hat Esther Wong zur Chefin des Wealth-Management-Bereichs Südostasien ernannt.

  • Der Krypto-Broker Genesis kämpft um frisches Kapital für seine Kreditabteilung.

  • Nach zwei Zinsschritten in Höhe von einem Dreiviertelprozentpunkt kann es sich die EZB laut Ratsmitglied Mario Centeno leisten, das Tempo der geldpolitischen Straffung zu reduzieren.

  • Der in Finanznöte geratene Gaskonzern VNG soll nach Informationen von Reuters vom Bund mit einer Milliardensumme gestützt werden.

  • Volkswagen wird in China wohl nur 3,3 Millionen Autos verkaufen, statt wie zuvor erwartet 3,85 Millionen, sagt der China-Chef dem Handelsblatt

  • Der Berliner Fintech-Investor Embedded/Capital steht informierten Kreisen kurz vor der Übernahme durch die New Yorker Beteiligungsgesellschaft Motive Partners.

  • Zur Stärkung der Kapital- und Finanzierungsbasis will TAG Immobilien die Dividende aussetzen. 2023 dürfte der FFO I sinken.

ANALYSEN:

  • Im SMI liegt das mittlere KGV bei 16 und damit wieder auf dem 10-Jahres-Durchschnitt. Im Vergleich zum Rest Europas ist es jedoch beachtlich

  • Den Renditen britischer Gilts droht ein Emissions-Tsunami, der eine Intervention der Bank of England nötig machen könnte, sollten ausländische Käufer weniger zugreifen

AKTIENMÄRKTE | Die Börsen in Asien tendieren am Dienstag uneinheitlich: Der Tokioter Aktienmarkt zeigt sich freundlich. Indessen geht es auf dem chinesischen Festland leicht bergab und in Hongkong fällt der Hang-Seng-Index um 1,6%, womit er den fünften Handelstag in Folge nachgibt. Druck auf die Stimmung geht weiterhin von der Sorge aus, dass sich die Öffnung der chinesischen Wirtschaft von den Beschränkungen zur Corona-Eindämmung lange hinziehen könnte. Dwyfor Evans von State Street Global Markets rechnet mit einer Öffnung erst im zweiten Quartal 2023, da nun erst einmal der Winter anstehe. Die Wall Street schloss leichter trotz Fed-Notenbankern wie Mary Daly aus Cleveland und Raphael Bostic aus Atlanta, die sich offen für ein geringeres Zinserhöhungs-Tempo zeigten.

RENTENMÄRKTE | Am europäischen Rentenmarkt wurden am Dienstag über das Laufzeitenspektrum hinweg Italienbonds abgestoßen, während sonst das Kaufinteresse überwog. Der portugiesische EZB-Rat Centeno konstatierte sieht Spielraum für weitere Zinserhöhungen, sein slowenischer Kollege Vasle äußerte ebenfalls die Erwartung weiterer Straffungen und Österreichs Notenbankchef Holzmann befürwortet einen Zinschritt um 75 Basispunkte, wenn die Lage bleibt wie sie ist. Heute beschafft die deutsche Finanzagentur EU3 Milliarden über 1,3%-2027-Bonds. Am Vormittag steht eine Rede Holzmanns auf der Agenda, am Abend spricht erneut Bundesbankchef Nagel.

ROHSTOFFMÄRKTE | Der Ölmarkt geht seitwärts. Am Montag waren die Preise kurzzeitig um 6% abgesackt angesichts eines Berichts, dass die Opec+ eine Erhöhung der Fördermengen erwäge. Saudi-Arabien dementierte dies jedoch und die Preise erholten sich schnell wieder. Gold erholt sich leicht, nachdem die Preise vier Sitzungen in Folge nachgegeben hatten. Bitcoin verharrt bei weniger als $16.000

TERMINE AM DIENSTAG

  • Das Finanzministerium veröffentlicht seinen Monatsbericht mit einem Überblick zur Entwicklung der Steuereinnahmen. Im Bundestag wird der Haushalt 2023 debattiert (10:00).

  • EZB-Ratsmitglied Holzmann bei PK Wien (10:00), Rehn im finnischen Parlament (11:15) und Bundesbankpräsident Nagel bei der DIHK (19:00)

  • 11:00 Wirtschaftsausblick der OECD

  • Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung mit Bundeskanzler Scholz (11:30), BDI-Präsident Russwurm (12:50), SAP-Chef Klein (16:50) und Außenministerin Baerbock (19:45)

  • 14:30 PK von Wirtschaftsminister Habeck und Frankreichs Wirtschaftsminister Le Maire nach Treffen in Paris

  • 14:30 Bundesbank-Vorstandsmitglied Beermann informiert zu Sicherstellung der Bargeldversorgung

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