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„Ein Riesen-Desaster, das durch nichts zu beschönigen ist“

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Oliver Bellenhaus, Schlüsselfigur im Wirecard-Skandal, entschuldigt sich per Video-Schalte aus dem Gefängnis bei geschädigten Anlegern. Im Januar soll er nach Berlin kommen und vor den Abgeordneten aussagen.

Am Donnerstagabend um 23.07 Uhr schaltet der Wirecard-Untersuchungsausschuss einen der wichtigsten Zeugen im Skandal um den insolventen Zahlungsdienstleister per Video zu: Oliver Bellenhaus, Dreitagebart und kurzgeschorene Haare, sitzt in einem Raum mit Gitterfenster, hinter ihm sein Strafverteidiger. Es ist sein aktueller Wohnsitz, wie er angibt: die Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim.

Bellenhaus, 47, ist die Schlüsselfigur im Wirecard-Skandal: Er war der ehemalige Statthalter von Wirecard in Dubai. In seinen Händen lag das lukrative Geschäft mit Drittpartnern wie Al Alam, das zum Schluss mehr als die Hälfte des Umsatzes der Wirecard AG ausgemacht hatte. Doch dann stellte sich heraus, dass die Gewinne aus diesen Geschäften auf Treuhandkonten zugunsten von Wirecard nicht da waren. Wirecard meldete im Juni Insolvenz an, Anleger verloren über 20 Milliarden Euro.

Bellenhaus richtet zu Beginn seiner Vernehmung einige persönliche Worte an die Öffentlichkeit: Er wolle sich bei den geschädigten Anlegern entschuldigen, sagt er: Die ganze Angelegenheit sei ein „Riesen-Desaster, das sich durch nichts beschönigen lässt. Ich werde mich meiner Verantwortung stellen.“

Vor Bellenhaus hatte der Untersuchungsausschuss an diesem Tag schon versucht, seinen ehemaligen Chef Markus Braun zu befragen – doch der hatte lediglich ein kurzes Statement abgegebenen und darüber hinaus so gut wie keine der Fragen der Abgeordneten beantwortet. Auch der ehemalige Chef-Buchhalter von Wirecard, wie Bellenhaus aus der Untersuchungshaft zugeschaltet, hatte sich wegen bald anstehender Aussagen bei der Münchner Staatsanwaltschaft auf sein Auskunftsverweigerungsrecht berufen – allerdings eine umfassende Aussage im Januar angekündigt. Deshalb sahen die Abgeordneten in seinem Fall von einer ausführlichen Befragung ab und vertagten sich auf Januar.

Zu dieser Lösung kommen sie auch mit Bellenhaus. Im Januar soll er nach Berlin kommen und dem Untersuchungsausschuss Auskunft über seine Rolle im Wirecard-Skandal geben. „Wir arbeiten unter Hochdruck an der Aufarbeitung der ganzen Angelegenheit“, sagt Bellenhaus, der die Zeit bis dahin nutzen will, um weitere Aussagen gegenüber der Münchner Staatsanwaltschaft zu machen.

Der ehemalige Wirecard-Manager hatte sich im Juli den Münchner Staatsanwälten gestellt. Anfangs soll er nicht sehr hilfreich gewesen sein, eierte nach Wahrnehmung der Staatsanwälte herum. Er wurde festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Dort überlegte er sich die Sache offenbar, packte aus. Bellenhaus schilderte den Ermittlern einen Betrug von ungeheurem Ausmaß: Er habe demnach mit Ex-Wirecard-Chef Markus Braun, den Ex-Vorständen Jan Marsalek und Burkhard Ley sowie dem Chef-Buchhalter im Jahr 2015 beschlossen, die Bilanzsumme von Wirecard aufzublähen. 200 Millionen Daten will Bellenhaus frisiert haben, um Wirtschaftsprüfer zu täuschen.

Aufgrund von Bellenhaus‘ Angaben wurden Braun, Ley und der Buchhalter in Haft genommen, Ley befindet sich inzwischen wieder auf freiem Fuß. Den Männern wird gewerbsmäßiger Bandenbetrug, Untreue, unrichtige Darstellung und Marktmanipulation vorgeworfen. Braun weist alle Vorwürfe zurück. Ex-Vorstand Marsalek befindet sich auf der Flucht.

Mehr zum Thema: Als erster Top-Manager des Skandalkonzerns Wirecard teilt Ex-Schatzmeister Thorsten Holten gegen seine ehemaligen Chefs aus.