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Renten am Morgen: Wochenende dürfte BTP-Richtung vorgeben

Dirk Gojny
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Während die Staatsanleihen aus den Kernländern des Euroraums bis zum Handelsschluss am Donnerstag ganz leichte Verluste vor allem am langen Ende der Zinskurve verzeichnet haben, erholten sich die Treasuries von ihrem Renditenanstieg nach deutlich besser als erwartet ausgefallenen wöchentlichen Arbeitsmarktdaten. Sie schlossen - ähnlich wie die Bonds aus den Semi-Kernländern und von der iberischen Halbinsel - weitestgehend unverändert zum Vortagsschluss.

Lediglich italienische Staatsanleihen fuhren erneut größere Renditerückgänge ein. Die Rendite der 10-jährigen Papiere liegt nur noch wenige Basispunkte oberhalb ihres Allzeittiefs. Zudem sank der Spread von 10-jährigen BTPs zu entsprechenden Bunds erstmals seit Januar 2016 wieder unter 100 Basispunkte.

Dass es zahlreiche Aussagen aus den italienischen Politik am Donnerstag gab, wonach eine Regierung unter Mario Draghi unterstützt würde, schien den Investoren für BTP-Käufe auszureichen. Eine stabile Regierungsmehrheit ist aufgrund der politischen Gemengelage jedoch keinesfalls gesichert.

Die Zusagen der Partito Democartico, Italia Viva und einiger kleinerre Parteien die bereits Bestandteil der Conte-Regierung waren, eine Draghi-Regierung unterstützen zu wollen, reichen nicht für Mehrheiten in beiden Kammern des Parlaments aus. Ohne die Zustimmung von der Fünf-Sterne-Bewegung oder Lega zusammen mit Forza Italia, dürfte die Regierungsbildung kaum gelingen. Nach dem kommenden Wochenende sollte mehr Klarheit bestehen, ob eine Regierung unter den gegebenen Mehrheitsverhältnissen gebildet werden kann.

Auch wenn Draghi durch die Finanzmärkte mit großen Vorschusslorbeeren bedacht wird, ist das für die Investoren und für den italienischen Staat Worst-Case-Szenario von Neuwahlen nicht vom Tisch.

Nach den kräftigen Kursgewinnen der vergangenen Tage sowie der Spreadeinengung zu Bunds auf unter 100 Basispunkte sind Gewinnmitnahmen vor dem Wochenende sowie eine etwas vorsichtigere Haltung der Anleger wahrscheinlich. Weitere Spreadrückgänge werden eine stabile Regierung erforden.

Immerhin legte der Anstieg der Inflationserwartungen für de Euroraum am Donnerstag eine Pause. An der Renditeentwicklung der Staatsanleihen ging diese Pause jedoch vorbei, da sich die Realrenditen von ihren Tiefständen nach oben bewegten. Als Ergebnis blieb der Anstieg der Nominalrenditen übrig. Das führte sogar dazu, dass die Bundkurve nicht mehr komplett im negativen Renditebereich verweilt. Dreißigjährige Papiere wiesen eine Nullrendite auf. Allerdings dürfte das Anziehen der Realrenditen für eine Stabilisierung der Bondrenditen sorgen.

Ein Ende der Reflation Trades ist jedoch noch nicht in Sicht. Die Renditedifferenz zwischen 10- und 2-jährigen T-Notes liegt nach wie vor über 100 Basispunkten. Der Anstieg des Ölpreises könnte ebenso für ein weiteres Anziehen der Inflationserwartungen sorgen wie weitere Konkretisierungen des US-Fiskalpakets. Ein Kompromiss mit den Republikanern ist immer noch möglich. Diese verlangen jedoch weitere Erläuterungen und Anpassungen.

Die Staatsanleihen aus den Kernländern dürften trotz leichter Kursgewinne der Treasuries im späten US- und im asiatischen Handel auf dem Vortagsschlussniveau in den Handel am Freitag starten. Mit der leichten Abwertung des Euros gegenüber dem Dollar dürften sich auch die letzten verbliebenen Zinssenkungsfantasien verflüchtigen. In diesem Zusammenhang könnte der Auftritte des Vize-Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Luis de Guindos, von Interesse sein. Insgesamt dürfte sich die EZB mit ihrer derzeitigen Geldpolitik vollauf zufrieden zeigen.

Der Tag mit Bloomberg: Börsen freundlich, Brent vor $60; US-Jobs

Die Investoren könnten vor dem Wochenende bei BTPs etwas vorsichtiger agieren. Das würde den Bonds von der iberischen Halbinsel zugutekommen, da sie kaum Spreadeinengungen gegen die Kernländer verzeichneten.

Konjunkturdaten

Für die deutsche Wirtschaft endete das Jahr versöhnlich. Trotz des Rückgangs der Industrie-Auftragseingänge im Dezember blieb ein Plus gegenüber dem Vorjahr übrig. Die deutschen Unternehmen dürften vor allem von der Erholung der Wirtschaft außerhalb des Euroraums profitiert haben. Darauf deuten auch die Aussagen des VDMA vom Donnerstag hin. Die Anleiherenditen werden die Daten allenfalls kurz bewegen.

Die übrigen Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum - unter anderem französische Außenhandelsinformationen und italienische Einzelhandelsumsätze jeweils für Dezember - dürften ohne Wirkung auf die Renditeentwicklung bleiben.

Der zentrale Impuls wird vom US-Arbeitsmarktbericht ausgehen. Nach dem Stellenabbau im Dezember wird eine leichte Belebung im Januar erwartet. Obwohl der ADP-Bericht positiv überraschte, deuten die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten auf eine anhaltende Schwäche am US-Arbeitsmarkt hin.

Einige US-Notenbanker gaben sich jüngst zwar optimistisch, dass die Arbeitslosigkeit zum Jahresende 2021 hin deutlich zurückgehen wird. Das wird jedoch entscheidend von den Impffortschritten abhängen. Zudem könnten die Unternehmen im Zuge der Optimierung der Arbeitsprozesse künftig einen geringeren Personalbedarf haben.

Gerade im Hinblick auf die kräftig angezogenen Inflationserwartungen werden die Zuwächse bei den Stundenlöhnen von Interesse sein. Die von Bloomberg befragten Volkswirte gehen von einem deutlichen Anstieg sowohl im Monats- als auch Jahresvergleich aus. Um den Lohnanstieg einordnen zu können, wird eine Analyse der Struktur des Arbeitsplatzzuwachses vonnöten sein. Aufgrund der Einschränkungen im öffentlichen Leben dürften kaum Arbeitsplätze in Niedriglohnbereichen geschaffen worden sein, sondern vor allem für besser qualifizierte Arbeitssuchende. Die Sorgen der US-Notenbanker, wonach viele Jobs im Niedriglohnbereich unwiderruflich verloren sein könnten, dürften nicht kleiner werden.

Aufgrund des ADP-Berichts sowie der rückläufigen Zahl an Erstanträgen rechen die Investoren wohl mit einem deutlichen Arbeitsplatzaufbau. Daher dürften auch ein paar zehntausend neue Arbeitsplätze oberhalb der Schätzung kaum Reaktionen bei den Treasuries auslösen. Da die Inflationserwartungen zurzeit im Fokus stehen, dürfte ein erheblicher Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne hingegen für rückläufige Treasury-Kurse sorgen.

Primärmarkt

Lediglich Belgien wird am Kapitalmarkt im Zuge einer Auktion, die nur Primary Dealer zugänglich ist, zwei Anleihen mit Laufzeiten Juni 2026 und März 2035 mit einem Volumen von maximal 500 Millionen Euro anbeiten. Das geringe Aufstockungsvolumen wird die Aufnahmefähigkeit kaum vor Herausforderungen stellen.

Bonitätseinschätzungen

Mit der Aktualisierung der Kreditwürdigkeit Maltas durch Moody’s steht nur ein Land aus dem Euroraum auf dem Prüfstand. S&P Global plant dazu, eine Einschätzung der europäischen Institution ESM abzugeben. Änderungen der Bonitätsurteile sind nicht zu erwarten. Die Ausblicke auf beide Ratings stehen zurzeit auf stabil.

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