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Renten am Morgen: Virussorgen schlagen Fiskalpaket am Bondmarkt

Dirk Gojny
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Die Staatsanleihen aus dem Euroraum haben ihre Kursgewinne vom Handelsbeginn am Montag nicht bis zum Schluss halten können. Die Renditerückgänge bei den Kernländern betrugen am langen Ende der Zinskurve lediglich rund einen Basispunkt.

Entsprechend setzte sich die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen auch nicht wieder unter der Marke von -0,6% fest, sondern schloss etwas darüber. Die Peripherie zeigte die zu erwartende Underperformance gegenüber den Kernländern, da Sicherheit im Fokus der Investoren stand.

Zurückzuführen ist diese Bewegung trotz eines ausgeprägten Risk-off an den europäischen Aktienmärkten unter anderem auf die Entwicklung der Treasuries. Sie gaben ihre Kursgewinne aus dem europäischen Handel am Nachmittag nahezu komplett ab. Dem konnten sich die Papiere aus dem Euroraum nicht entziehen. Die Sorge über die ökonomischen Folgen einer ansteckenderen Virusform wurde durch die Hoffnung auf das US-Fiskalpaket aufgewogen.

Immerhin ist diesem Paket am Dienstagmorgen von beiden Kammern des US-Kongresses zugestimmt worden, so dass nur noch die Unterschrift des Präsidenten fehlt. Zugleich ist mit dem Paket auch der Haushalt für das laufende Fiskaljahr auf den Weg gebracht worden, so dass es keinen Shutdown der öffentlichen Verwaltung geben wird. Die Reaktionen an den Finanzmärkten fielen wenig euphorisch aus.

Das Fiskalpaket ist nichts anderes als eine Pflichterfüllung, um auslaufende Programme über das Jahresende hinaus zu verlängern und einen weiteren tiefen Einbruch der Wirtschaftsleistung der USA vielleicht zu verhindern. Im kommenden Jahr wird es dann auf den gewählten US-Präsidenten ankommen, den Konjunkturimpuls zu verstärken.

Ob ihm das gelingen kann, wird entscheidend von dem Ausgang der Wahlen zum Senat in Georgia abhängen. Ohne den Gewinn beider Sitze dort werden die Demokraten keine Mehrheit im Senat haben. Dass sich die Republikaner auf zusätzlichen Stimulus einlassen werden, gilt hingegen als unwahrscheinlich. Nach dem Beschluss über ein Fiskalpaket ist vor dem Start der Verhandlungen über das nächste.

Dessen Refinanzierung dürfte indes kein größeres Problem für das Treasury darstellen. Schließlich waren bereits im noch laufenden Jahr rund eine Billion Dollar für konjunkturelle Maßnahmen eingeplant worden. Außerdem darf sich das US-Schatzamt der Unterstützung durch die Notenbank gewiss sein. Schließlich forderten die Fed-Vertreter zusätzliche fiskalische Maßnahmen über Monate ein. Auch wenn die Fed Struktur und Volumen der Anleiheankäufe zurzeit nicht ändert, dürfte sie ihre Strategie wegen der Finanzierung des Fiskalpakets anpassen, damit die Renditen am langen Ende der Zinskurve nicht zu stark steigen. Der Reflation Trade dürfte dennoch erneut Zulauf erhalten.

Das System Europäischer Zentralbanken drosselte die Anleihekäufe in der abgelaufenen Berichtswoche. Insgesamt wurden öffentliche Anleihen mit einem Volumen von 18,6 Milliarden Euro angekauft. Davon entfielen 15,7 Milliarden Euro auf das PEPP.

Vor dem Einstellen der Käufe hielt sich die EZB mit Ankäufen also etwas zurück. Letztlich machten Spread- und Renditeentwicklungen ein starkes Eingreifen nicht notwendig. Zudem gab es kaum noch neues Material.

Die Vorgaben aus dem asiatischen Handel mit rückläufigen Aktiennotierungen sowie leicht steigenden Treasury-Kursen deuten auf einen Start mit sinkenden Renditen für die Staatsanleihen aus den Kernländern hin. Die -0,6% für 10-jährige Bundesanleihen bleibt in Reichweite. Die Risikoaversion dürfte vorerst anhalten, denn die Sorgen vor einer schnelleren Ausbreitung der Virusinfektion in Europa bleiben, obwohl sich inzwischen die meisten EU-Länder gegenüber Großbritannien abgeschottet haben.

Der Tag mit Bloomberg: EU-Impfstoff, US-Hilfen, Brexit-Bewegung

Ob es doch noch zu einem Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien kommen wird, bleibt offen. Es wird zwar von einem Entgegenkommen der britischen Seite berichtet. Dass eine Einigung im laufenden Jahr noch alle parlamentarischen Hürden nehmen wird, gilt inzwischen jedoch als unwahrscheinlich.

Für die Peripherie dürfte es einen weiterer Tag mit einer Underperformance gegenüber den Kernländern geben. Sicherheit wird hoch im Kurs stehen.

Konjunkturdaten

Abgesehen von einer Eintrübung der Stimmung der deutschen Konsumenten wird es am Vormittag keine weiteren Impulse von Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum geben. Erst am Nachmittag dürften insbesondere die Zahl verkaufter Bestandsimmobilien sowie die Stimmung der US-Konsumenten im Fokus stehen, während die BIP-Daten für das dritte Quartal keine Rolle spielen werden.

Im Vergleich zum Vormonat wird von den von Bloomberg befragten Volkswirten eine Verbesserung der Konsumentenstimmung im Dezember erwartet. Vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit und der damit verbundenen Einkommenssituation sowie der Entwicklung der Einzelhandelsumsätze wäre das inmitten einer in vielen Landesteilen verschärften Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Pandemie eine Überraschung. Wahrscheinlich sollte man sich eher auf einen im Vergleich zum November schwächeren Wert einstellen.

Ein schwächere Wert für das Konsumentenvertrauen dürfte jedoch ausreichen, um die Kurse der Treasuries zu stützen.

Die Zahl verkaufter Bestandsimmobilien wird etwas geringer als noch im Oktober erwartet. Der geschätzte Wert ist jedoch immer noch sehr hoch, so dass von einem Ende des Booms der Nachfrage nach Immobilien kaum gesprochen werden kann. Informationen zur Verfügbarkeit von Bestandsimmobilien sowie deren Preisentwicklung dürften darauf hinweisen, dass die Lage am Immobilienmarkt weiterhin angespannt ist.

Primärmarkt

Am Abend wird das Treasury die aktuellen 5-jährigen TIPS um 15 Milliarden Dollar aufstocken. Das Volumen der Aufstockung ist relativ hoch, was einerseits zu Renditezugeständnissen führen wird. Die Platzierung von Linkern wird andererseits durch die anziehenden Inflationserwartungen gut unterstützt sein. Per Saldo dürfte die Emission also vergleichsweise problemlos wie die Aufstockung des 20-jährigen T-Bonds am Montagabend verlaufen. Letztere profitierte vor allem von der Risk-off-Stimmung an den Finanzmärkten.

Außerdem werden Cash Management Bills mit einem Umfang von 60 Milliarden Dollar angeboten.

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