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Renten am Morgen: Reflation Trade dürfte neuen Zulauf erhalten

Dirk Gojny
·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Sowohl der wahrscheinliche Ausgang der Stichwahlen um die beiden Senatsposten in Georgia als auch der schwach ausgefallene ADP-Bericht haben sich am Mittwoch als Beschleuniger für den Anstieg der Treasury-Renditen erwiesen. Dem konnten sich die Kurse der Staatsanleihen aus dem Euroraum nicht vollständig entziehen.

Da beide Senatssitze wahrscheinlich an die Demokraten gehen werden, würde der künftige US-Präsident im Senat durch die Stimme der künftigen Vizepräsidentin über eine Mehrheit von einer Stimme verfügen. Das wird das Durchregieren vereinfachen. Die Investoren gehen davon aus, dass zügig nach Amtsübernahme das nächste Fiskalpaket auf den Weg gebracht wird.

Angefeuert wurde die Erwartung an den Beschluss eines neuen Fiskalpaket zusätzlich durch den Arbeitsplatzabbau, den der ADP-Bericht meldete. Mehr fiskalische Unterstützung bedeutet eine Verbesserung der wirtschaftlichen Perspektiven und damit mehr Inflationspotenziale.

Abgesehen davon, dass Investoren die zusätzlichen Treasuries kaufen müssen, die für die Finanzierung eines nächsten Fiskalpakets notwendig sind, könnten die Inflationserwartungen gemessen mit der zehn Jahre Breakeven-Rendite oder dem 5-Jahre-5-Jahre-Inflations-Forward-Swapsatz durchaus noch zulegen. Die überraschende Ankündigung Saudi-Arabiens, die Ölfördermenge zu kürzen, gab den Inflationserwartungen ebenfalls ein kleinen Schub.

Als Ergebnis dürften die Renditen der lang laufenden Treasuries zulegen und die US-Zinskurve steiler werden. Der Reflation Trade dürfte dann noch mehr Zulauf erhalten. Dass der Anstieg der Treasury-Renditen jedoch ungebremst weiter geht, ist trotz der Dynamik des jüngsten Anstiegs nicht wahrscheinlich.

Zum einen bleiben die wirtschaftlichen Perspektiven trotz des Anlaufens der Impfungen gedämpft, worauf beispielsweise die US-Notenbanker immer wieder hinwiesen. Zum anderen wird die Haltung der Fed zu den Renditeanstiegen und der Versteilung der Zinskurve von Interesse sein. Dem Protokoll der letzten Tagung des FOMC ist zu entnehmen, dass die Notenbanker das monatliche Ankaufvolumen für angemessen halten. Einige Notenbanker könnten sich auch eine Anhebung des Volumens oder eine Verschiebung der Struktur der Käufe auf längeren Laufzeiten vorstellen. Konkreter wurden die Aussagen jedoch nicht.

Da die Voraussetzungen im Euroraum durchaus andere sind als in den USA, fielen die Renditeanstiege der Kernländer des Euroraums mit zwei bis drei Basispunkten am langen Ende der Zinskurve im Vergleich zu den Treasuries überschaubar aus.

Die Renditeanstiege der Peripherie waren sogar noch etwas geringer. Italienische Bonds notierten sogar weitestgehend unverändert zum Vortagsschluss. Hierzulande wird sich gerade die Europäische Notenbank darum bemühen, die Renditen nicht allzu stark steigen zu lassen. Die Diskussion über die Schuldentragfähigkeit einzelner Staaten wird man sicher nahezu um jeden Preis zu verhindern versuchen.

Die Vorgaben aus dem asiatischen Handel mit überwiegend deutlichen Kursgewinnen an den Aktienmärkten sowie erneut leicht steigenden Treasury-Renditen am langen Ende der Zinskurve dürften für einen Handelsstart der Kernlandbonds mit leichten Kursverlusten sorgen.

Der Tag mit Bloomberg: Biden, Chaos am Kapitol, LafargeHolcim

Die Peripherie sollte ihre leichte Outperformance gegenüber den Kernländern fortsetzen können, wobei die spanischen Papiere durch die Auktionen etwas unter Kursdruck geraten könnten. Zudem könnte es innerhalb der italienischen Regierung Annäherungen bei der Verwendung der Mittel aus dem Aufbaufonds geben.

Die verschiedenen Regierungsparteien dürften demnächst über ein neues Papier beraten, das von verschiedenen Ministern vorbereitet wurde. Sollten sich die politischen Querelen entschärfen lassen, so gäbe das den BTP-Kursen wahrscheinlich zusätzlichen Auftrieb.

Konjunkturdaten

Zwar werden die Schnellschätzungen für die Konsumentenpreisdaten für den Dezember die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen, doch neue Erkenntnisse werden sie nicht liefern. Auch im letzten Monat des Jahres 2020 blieb der Preisauftrieb gering. Die Konsensusprognose geht von einem ganz leichten Rückgang der Preise aus. Lediglich die Kernrate soll im Jahresvergleich ganz geringfügig zugelegt haben. Sofern die europäischen Notenbanker Begründungen für ihre lockere Geldpolitik suchen, werden sie bei dem Blick auf die Preisentwicklung fündig. Das ist jedoch nichts Neues. Die Renditeentwicklung werden die Preisdaten nicht beeinflussen.

Außerdem werden die Stimmungsindikatoren der Europäischen Kommission veröffentlicht. Zumindest die bereits für den Dezember bekanntgegebenen Einkaufsmanagerindizes lassen eine Verbesserung der Stimmung im Dienstleistungsbereich und der Industrie erwarten. Größere Reaktionen wird es an den Bondmärkten auch auf diese Informationen nicht geben.

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung soll in der Vorwoche wieder leicht zugenommen haben. Der US-Arbeitsmarkt befindet sich demnach immer noch in schwierigem Fahrwasser. Daher wird ein schwacher Wert - selbst wenn er im Rahmen der Schätzungen liegt - die Treasury-Kurse stützen. Der ISM für das Dienstleistungsgewerbe dürfte dagegen ignoriert werden. Trotz erwarteter Abschwächung wird er auf Wachstum weisen.

Neupositionierung zu Anleihekäufen?

Außerdem äußern sich mit Mary Daly, Charles Evans, Thomas Barkin (alle stimmberechtigt), Patrick Harker und James Bullard gleich fünf US-Notenbanker. Obwohl die Notenbanker selten auf ganz aktuelle Kapitalmarktentwicklungen reagieren, wäre es für die Investoren sicher von Interesse, welchen Stellenwert die Fed-Vertreter dem jüngsten Renditeanstieg sowie den zulegenden Inflationserwartungen beimessen. Zudem könnte es vielleicht doch Aussagen geben, ob sie eine Änderung des Volumens der Anleihekäufe oder der Struktur der Käufe für notwendig halten. Sollte es Äußerungen geben, die am Status quo festhalten wollen, dürften die Treasury-Kurse daraufhin leicht nachgeben.

Primärmarkt

Das französische und das spanische Schatzamt werden den Investoren zahlreiche Anleihen anbieten. Frankreich geht mit drei Aufstockungen an den Start. Die Laufzeiten sind November 2030, Mai 2040 und Mai 2052. Mit dem Durations-Angebot sollen insgesamt bis zu 11 Milliarden Euro eingesammelt werden.

Das spanische Tesoro hält drei Kuponbonds sowie einen Floater für die Kapitalmarktanleger parat. Bei derjenigen bis 31. Mai 2024 handelt es sich um ein neue Anleihe. Die Laufzeiten Januar 2026 und Oktober 2050 werden aufgestockt. Insgesamt peilt das Schatzamt ein Emissionsvolumen von bis zu 6 Milliarden Euro an. Der Linker mit Laufzeit November 2033 soll noch einmal zusätzlich bis zu 750 Millionen Euro in die Kasse spülen, so dass das Gesamtemissionsvolumen bei maximal 6,75 Milliarden Euro liegen wird.

Während sich die Renditezugeständnisse im kurzen bis mittleren Teil der Zinskurve in Grenzen halten dürften, müssen Frankreich und Spanien am langen Ende wohl etwas größere Zugeständnisse machen. Der leichte Renditeanstieg vom Mittwoch dürfte jedoch für die Platzierung hilfreich sein. Nichtsdestotrotz sollten die Bonds beider Länder insbesondere am langen Ende der Zinskurve bis zum Ende der Platzierungen eine Underperformance gegenüber ihren Peers zeigen.

MEHR:

What a Senate Majority Means for Democrats: Jonathan Bernstein

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