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Renten am Morgen: Fitch reduziert Rating von Italien auf ‘BBB-’

Dirk Gojny

(Bloomberg) -- Erneut haben die Kurse der Staatsanleihen aus der Peripherie am Dienstag deutlich zulegen können. Die Renditen der italienischen Staatspapieren wiesen gegenüber ihren Peers eine Outperformance auf. Allerdings konnten auch Bonds aus Kernländern den Tag mit Renditenrückgängen bzw. zumindest unverändert zum Vortag beschließen. Sie holten ihre zwischenzeitlichen Verluste also auf.

Bunds & Co dürften dabei von den schwachen US-Wirtschaftsdaten profitiert haben, die am Dienstagnachmittag veröffentlicht wurden. Im Fahrwasser sinkender Treasury-Renditen legten die Kurse der Kernlandanleihen zu.

Fitch nahm in den letzten Wochen mehrfach außerplanmäßige Änderungen von Bonitätseinschätzungen von einzelnen Euroländern vor. Meist ging es dabei allerdings nur um die Änderung des Ausblicks auf die Bonitätsnote. Am Dienstagabend traf es Italien.

Die Ratingagentur reduzierte die Bonitätseinschätzung Italiens von “BBB” mit einem negativen Ausblick auf “BBB-” mit einem stabilen Ausblick. Damit liegt die Einschätzung des Landes nun auf dem selben Niveau wie diejenige von Moody’s - eine Stufe über Sub Investment Grade.

Fitch begründete die Maßnahme mit den wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen der Pandemie, sieht jedoch auch den Backstop durch die Anleiheankäufe durch die Europäische Zentralbank.

Den Anlegern dürfte die Entscheidung der Ratingagentur vor Augen führen, dass die finanzwirtschaftliche Situation in Italien fragil ist. Es ist wahrscheinlich, dass die Spreads und Kurse italienischer Anleihen am Mittwoch unter Abgabedruck kommen, obwohl der Rating-Ausblick nun auf stabil steht. Ein unmittelbares Absenken der Bonitätsnote durch Fitch in den Sub Investment Grade Bereich steht dementsprechend nicht an.

Nun erhält das Urteil von Moody’s, das am 8. Mai veröffentlicht werden soll, noch mehr Bedeutung. Schließlich würde jede Absenkung - auch nur des Ausblicks - die Bonität des Landes noch weiter in Richtung Sub Investment Grade verschieben.

Am Abend werden die Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell nach dem Ende der FOMC-Sitzung von Interesse sein. Dass er neue geldpolitische Maßnahmen verkündet, ist unwahrscheinlich. In den letzten Wochen handelte die US-Notenbank ja immer dann, wenn sie es für angemessen hielt. Die Anleger wird vermutlich interessieren, ob sich die Einschätzung der Fed zu negativen Zinsen änderte und ob sie über die Anleiheankäufe eine Steuerung der Zinskurve vornehmen wird. Größere Impulse für die Renditebewegung der Treasuries sind nicht zu erwarten.

Im asiatischen Handel legten die Aktienkurse zu. Die US-Aktienfutures lagen ebenso im Plus wie die europäischen Pendants. Der Treasury-Future - Spothandel gibt es wegen ein Feiertags in Japan nicht - liegt ganz leicht im Minus.

Die Vorgaben deuten auf einen Handelsstart in Europa mit leicht steigenden Renditen für Staatspapiere aus den Kernländern hin. Allerdings dürfte die Nachricht über die Herabsetzung der Bonitätsnote Italiens für Verunsicherung bei den Anlegern sorgen. Das sollte die Renditen der Peripherieanleihen - angeführt von den schwächsten Kreditqualitäten Italien und Griechenland - anziehen lassen. Davon sollten die Kernländer profitieren, wobei sich Kursgewinne in engen Grenzen halten werden. Auf der Bundkurve dürfte nämlich die Aufstockung der 10-jährigen Benchmark lasten.

Konjunkturdaten

Die Schnellschätzung für die deutschen Preisdaten im April dürfte wenig Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Allerdings kann der anämische Preisauftrieb Deflationssorgen schüren, wenn es in den kommenden Monaten keine, mindestens geringfügige Beschleunigung des Preisauftriebs gibt, weil beispielsweise die Nachfrage nicht in Gang kommt.

Außerdem werden Stimmungsindikatoren der Europäischen Kommission für April veröffentlicht, die weiter eingebrochen sein sollen. Mit den belgischen Wachstumsdaten werden zugleich erste Informationen über die Konjunkturentwicklung im ersten Quartal veröffentlicht. Am Donnerstag werden weitere Länder und der Euroraum folgen.

Die BIP-Daten aus den USA dürften neben den Ergebnisse der Tagung des FOMC das Tagesereignis sein. Bereits im ersten Quartal wird auch die USA mit einem eingebrochenen privaten Konsum die Auswirkung der Pandemie zu spüren bekommen haben. Die von Bloomberg befragten Volkswirte gehen von einem Rückgang des privaten Konsums um 3,6% aus. Im laufenden Quartal dürfte der Einbruch noch stärker ausfallen. Tendenziell sollten schwache BIP-Daten für sinkende Treasury-Renditen sorgen.

Primärmarkt

Die deutsche Finanzagentur, das italienische und das matlesische Schatzamt werden sich planmäßig an die Kapitalanleger mit Aufstockungen wenden. Die Finanzagentur will die aktuelle 10-jährige Benchmark um 4 Milliarden Euro aufstocken. In den vergangenen Woche mussten technische Unterdeckungen hingenommen werden. Das dürfte auch am Mittwoch der Fall sein.

Das italienische Schatzamt geht mit drei Volumenserhöhungen an den Start. Eine bis Juni 2026 laufende Anleihe sowie die aktuelle 10-jährige Benchmark sollen neben einem Floater aufgestockt werden. Die Volumina betragen bis zu 1,5 Milliarden Euro bzw. bis zu 3,75 Milliarden Euro für die Kuponbonds und bis zu 0,75 Milliarden Euro für den Floater. Das gesamte Emissionsvolumen an Kuponbonds ist mit 5,25 Milliarden Euro überschaubar, zumal es eine Fälligkeit in Höhe von rund 16 Milliarden Euro gibt. Ohne die Reduzierung der Bonitätsnote durch Fitch wären die Bonds problemlos platzierbar gewesen. Nun dürften die Investoren höhere Prämien fordern.

Malta wird drei neue Bonds mit Laufzeiten von 2024, 2026 und 2031 anbieten. Das Emissionsvolumen ist mit insgesamt zwischen 200 und 300 Millionen Euro gering. Der Emittent hat sowieso Seltenheitswert und dürfte zusammen mit der im A-Bereich liegenden Bonität problemlos Abnehmer für die Bonds finden.

Geldmarktpapiere in einem Umfang von 1 Milliarde Euro und einer Laufzeit von sechs Monaten sind aus Griechenland zu erwarten. Am Abend wird das US-Treasury erneut mit Cash Management Bills in Höhe von insgesamt 80 Milliarden Euro aktiv.

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