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Ramsch-Bier wird von Supermärkten spottbillig verschleudert

Brück, Mario
·Lesedauer: 3 Min.

Discounter und Supermärkte reagieren auf die rückläufige Einkaufsfrequenz der Verbraucher im Lockdown. Sie zücken den Rotstift. Eines ihrer beliebtesten Streichobjekte: Bier.

Die deutschen Lebensmittelhändler und Getränkemarktketten haben während der Coronapandemie bei bekannten Biermarken wie Warsteiner, Krombacher, Becks und Co. den Rotstift gezückt, um Kunden in die Läden zu locken. Dadurch sind die Aktionspreise für den Kasten mit je 20 Halbliterflaschen bedrohlich nahe an oder sogar unter die 10-Euro-Schwelle gerutscht.

So verschleudert Kaufland in diesen Tagen den Kasten Warsteiner für 9,60 Euro statt 14,60 – minus 35 Prozent. Auch Real bietet Warsteiner fast 30 Prozent billiger an. Beim Kauf von zwei Kästen packt der Händler sogar noch einen Sechserpack Warsteiner-Brewers-Gold im Wert von 4, 29 Euro gratis dazu. Bei Rewe gibt es den Kasten Warsteiner in dieser Woche für knappe elf Euro, während die Kölner Supermarktkette Oettinger für 5,99 Euro verscherbelt. Knapp unter elf Euro halten sich Krombacher bei der Getränkemarktkette Trinkgut und Becks bei Real.

Preisaktionen werden immer wichtiger

Die grundsätzliche Lust auf Bier scheint bei den Verbrauchern dennoch ungebrochen. Daher sind Lockvogelangebote mit bekannten Biermarken für den Einzelhandel wichtig und werden immer bedeutender. Während der Anteil der Biermarken, die über Aktionen verkauft wurden, 2010 bei knapp über 60 Prozent lag, stieg er im vergangenen Jahr schon auf 75 Prozent. Im Laufe der Coronapandemie sind die Aktionspreise der großen Marken laut Erhebung der Markt- und Preisforscher von Drotax in Bad Homburg von Monat zu Monat gesunken. So stürzte etwa der Durchschnittspreis für den Kasten Becks von mehr als 12 Euro im März auf 10.91 im Dezember.

Warsteiner stürzte im Schnitt sogar von 11,37 Euro auf 10,68 Euro. „Seit März 2020 erkennen wir einen kontinuierlichen Preisrückgang, der durch die Mehrwertsteuersenkung Anfang Juli nochmals unterstützt und verstärkt wurde,“ sagt Drotax-Experte Robert Schreck. „Den Höhepunkt hat das Preisminimum im Dezember 2020 erfahren, sicherlich auch vor dem Hintergrund, coronabedingte Überproduktionen abzubauen.“ Allerdings sei auch erkennbar, dass der Preis für Pils im 20er-Kasten in den ersten Wochen des Jahres wieder angezogen sei.

Historische Verluste

Nach einer aktuellen Schätzung der Brauerei Veltins könnte der Monatsausstoß der deutschen Brauwirtschaft im Januar 2021 auf ein Volumen von nahezu fünf Millionen Hektoliter abstürzen – ein historischer Verlust gleich zum Jahresauftakt. Im zurückliegenden Jahrzehnt verbuchten Deutschlands Brauereien einen Januar-Absatz, der zwischen 5,7 und 6,4 Millionen Hektolitern lag. Doch das Bier muss weg. „Bei den Brauereien wird das Haltbarkeitsdatum zum Problem“, sagt Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Viele Brauereien verkauften 2020 zwar mehr Flaschenbier und kompensierten teilweise dadurch ihre Mengenverluste, beim Umsatz macht sich das aber deutlich weniger bemerkbar.

Zusammenbruch des Fassbiermarktes

Hier schlagen die Gastronomieverluste aufgrund der deutlich höheren Fassbierpreise deutlich stärker zu Buche. Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes: „Mit den Lockdowns und dem dadurch ausgelösten Zusammenbruch des Fassbiermarktes haben die Brauereien von einem Tag auf den anderen einen großen Teil ihrer wirtschaftlichen Basis verloren. Ware im Millionenwert musste bereits vernichtet werden.“

Insgesamt haben die Brauereien in Deutschland 2020 aufgrund des Lockdowns in der Gastronomie und des Veranstaltungsverbots 5,1 Millionen Hektoliter Bier (minus 5,5 Prozent) weniger abgesetzt. Ein Drittel des Ausstoßverlustes entfällt dabei auf die zehn größten Biermarken, einige davon schnitten deutlich unter Marktniveau ab. Damit ging innerhalb eines Jahres hierzulande so viel Menge verloren wie in keinem anderen Jahr der Nachkriegszeit.

Mehr zum Thema: Augustiner, Warsteiner, Krombacher: So leiden deutsche Brauereien unter Corona