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PUMA IM FOKUS: Aktie koppelt sich von Corona-Sorgen ab

·Lesedauer: 6 Min.

HERZOGENAURACH (dpa-AFX) - Die Corona-Krise trifft konsumlastige Unternehmen wie den Sportartikelhersteller Puma <DE0006969603> hart. So sind Sportgeschäfte, Sportvereine oder Fitnessstudios in vielen Regionen insbesondere in Europa wieder seit Monaten dicht. Wie viele andere Unternehmen auch verlegt Puma seine Geschäfte ins Internet. Dem Aktienkurs sieht man die Misere jedoch so gut wie gar nicht an. Was beim Unternehmen los ist, was Analysten sagen und was der Aktienkurs macht.

DAS IST LOS BEI PUMA:

"Wir werden drei Phasen durchlaufen: die Krise überstehen, uns erholen und wieder wachsen." Mit diesen Worten hatte Konzernchef Björn Gulden vergangenen Mai im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie auf ein schwieriges Jahr 2020 eingestimmt. Nachdem im Frühjahresquartal die Geschäfte wegen der weitgehenden Stilllegung des öffentlich Lebens weltweit eingebrochen waren, sah die Welt für Puma dann im dritten Quartal zunächst wieder freundlicher aus. So konnte das Unternehmen auf den Wachstumspfad zurückkehren. Die Nachfrage zeigte sich dabei äußerst robust - als hätten Kunden etwas aus dem ersten Lockdown aufzuholen gehabt. Das Quartal habe sich dabei "viel besser" entwickelt, "als ich es erwartet hatte", sagte Vorstandschef Gulden denn auch im vergangenen Oktober.

Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,58 Milliarden Euro. Währungsbereinigt lag das Plus bei 13,3 Prozent. Während die Regionen Europa und Amerika währungsbereinigt zweistellige prozentuale Wachstumsraten erzielten, gingen die Umsätze in der Region Asien-Pazifik zurück. Dies lag auch an einem langsameren Wachstum im Großraum China, wo hohe Lagerbestände mit großen Rabatten losgeschlagen wurden. Für das vierte Quartal erwartete der Manager in dem für Puma wichtigen Markt wieder eine stärkere Entwicklung. Nach neun Monaten stand für den Konzern jedoch weiterhin ein dickes Umsatzminus von 7,7 Prozent zu Buche, das operative Ergebnis (Ebit) lag weit unter dem Vorjahresniveau.

Dabei veränderte sich auch das Einkaufsverhalten der Kunden. So gingen die Verbraucher weniger in die Läden und kauften mehr digital. Puma verzeichnete im E-Commerce-Geschäft im dritten Quartal einen Umsatzsprung von knapp 61 Prozent. Wenn die Kunden jedoch in die Läden kämen, kauften diese mehr als früher, bemerkte Gulden.

Für das vierte Quartal hat sich Puma bereits damals vorsichtig gezeigt. So hatte Gulden zwar von einem guten Beginn im Oktober gesprochen. Doch schon zu diesem Zeitpunkt waren die Infektionsfälle mit Covid-19 weltweit wieder deutlich gestiegen. Deswegen sei er für den Rest des Jahres "vorsichtiger geworden", hatte der Manager erklärt. Auf einen Ausblick auf das Gesamtjahr hatte Puma daher verzichtet. "Wir werden kurzfristig weiterhin durch diese Pandemie steuern, ohne Pumas mittelfristiges Momentum zu beeinträchtigen."

Guldens Zurückhaltung, die einigen Analysten zu dem Zeitpunkt sauer aufstieß, war begründet. Ab November kam es zu erneuten Einschränkungen insbesondere in Europa. Regional wurden Geschäfte wieder geschlossen, auch in Deutschland. Die Öffnungsperspektiven für den Heimatmarkt hängen am Erreichen eines stabilen Inzidenzwert von 35 pro 100 000 Einwohner ab. Seine Zahlen für das vierte Quartal will Puma am 24. Februar vorlegen. Ob sich Gulden dann bereits einen Ausblick für 2021 zutraut, bleibt abzuwarten.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Analysten rechnen mit einem deutlichen Gewinnrückgang. So dürfte sich das Ebit 2020 mehr als halbiert haben, geht aus einem von der Nachrichtenagentur Bloomberg zusammengestellten Konsens hervor. Auch beim Umsatz wird ein dickes Minus erwartet. Für das vierte Quartal rechnen Analysten mit einem stabilen Umsatz im Vergleich zum Vorquartal und einem rückläufigen Ebit.

Insgesamt sind die Experten mit Blick auf die mittelfristigen Perspektiven positiv gestimmt. Schon für das laufende Jahr sehen sie wieder einen starken Anstieg bei Umsatz und Ebit, die sogar höher liegen dürften als vor der Pandemie. Die Aufwärtsentwicklung dürfte in den folgenden Jahren anhalten.

UBS-Analystin Zuzanna Pusz etwa hält auf Puma große Stücke. Trotz der schwierigen Situation geht sie davon aus, dass Puma an die starke Geschäftsentwicklung vom Vorjahr anknüpfen könne und erwartet ein "starkes Jahr 2020". Dank seiner Produktpalette werde der Konzern weitere Marktanteile gewinnen, ist sich die Analystin sicher. Ebenso sieht sie das Potenzial für höhere Margen. Dazu komme, dass die Aktie im Branchenvergleich relativ günstig sei, wenn man die Bewertung der vergangenen Jahre berücksichtige. Auch danach sei die Wachstumsgeschichte noch nicht vorbei.

Optimistisch ist auch das Analysehaus Pareto. So dürften die Zahlen eine Erholung in der Branche signalisieren und die durchschnittlichen Marktprognosen einmal mehr übertreffen, erwartet Analyst Mark Josefson. Ähnlich schätzt das Commerzbank-Experte Andreas Riemann ein. Das Schlussquartal 2020 dürfte für den Sportartikelhersteller besser gelaufen sein als zunächst gedacht, da Lockdown-Maßnahmen in Europa sich weniger negativ auf die Nachfrage ausgewirkt haben sollten als befürchtet und das Online-Geschäft geholfen habe.

Dass Puma in den vergangenen Jahren zu den Lieblingen der Analysten zählte und Erwartungen häufig übertreffen konnte, könnte dem Markt nun jedoch womöglich auf die Füße fallen. Baader-Bank-Analyst Volker Bosse etwa kann die Euphorie nicht nachvollziehen. Er hat die Aktie im Januar von "Add" auf "Reduce" herabgestuft und das Kursziel von 90 auf 80 Euro gesenkt. Die Anleger hegten immer noch zu hohe Erwartungen an die Aktie, kommentierte er. Weltweit betrachtet sei etwa die Hälfte der eigenen Filialen coronabedingt geschlossen, so dass der Start ins neue Geschäftsjahr wohl enttäuscht haben dürfte, auch wenn das vierte Quartal noch überzeugt haben sollte.

Der Ausblick von Puma auf das neue Jahr dürfte daher unter den Markterwartungen liegen, schätzt er. Denn eigentlich sei man davon ausgegangen, dass 2021 wieder ein "normales Jahr" werden dürfte. Dies sei jedoch nicht der Fall. Eine "Normalisierung" sei erst im zweiten Halbjahr zu erwarten, wenn die Impfungen vorankämen.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Die Pandemie hat auch den Aktienkurs von Puma zunächst heftig gebeutelt. Seit dem Crash im März vergangenen Jahres haben sich die Papiere jedoch wieder massiv erholt und konnten die Pandemie-Sorgen abschütteln - so als gebe es kein Corona. Ende Dezember konnte der Kurs sogar die Marke von 90 Euro knacken und markierte kurz mit über 93 Euro ein Rekordhoch.

Die Aktie gehörte bereits in den vergangenen Jahren zu den Börsen-Lieblingen. Ende Februar 2020, als die Krise bereits sichtbar war, war der Titel bis auf 84 Euro - und dem bis dahin höchsten Stand - gestiegen. Der Absturz kurz danach erfolgte umso heftiger. Der Kurs wurde in den knapp vier Wochen danach fast halbiert. Sein Tief erreichte er dabei bei rund 40 Euro. Im Juni überschritt der Kurs wieder die Marke von 70 Euro, bröckelte dann aber wieder leicht ab.

Nachdem sich Analysten im Oktober kurz enttäuscht darüber gezeigt hatten, dass Puma sich keine Prognose für 2020 zutraute, ging es wieder stetig bergauf - trotz des erneuten Lockdowns. Anfang es Jahres kletterte sie bis auf 93,44 Euro. Kurz danach wurde die Euphorie wieder etwas gebremst, nachdem es keine schnellen Lockerungen gab und es in vielen Regionen insbesondere in Europa nur vorsichtige Öffnungsperspektiven gibt, da die Impfungen schleppend verlaufen.

Aktuell kostet das Papier knapp 86 Euro und damit rund ein Fünftel mehr als vor einem Jahr. Betrachtet man die Entwicklung über mehrere Jahre, hat sich der Einstieg noch mehr gelohnt. Über drei Jahre verzeichnete Puma einen Kursanstieg von mehr als 150 Prozent, über fünf Jahre liegt dieser sogar bei fast 370 rozent. Damit schnitt Puma in diesen Zeiträumen besser ab als der Erzrivale Adidas <DE000A1EWWW0> aus der gleichen Stadt.

Beim Blick auf die Marktkapitalisierung hat Adidas aber die Nase noch deutlich vorn. So kommt der Dax-Konzern <DE0008469008> derzeit auf einen Börsenwert von 58 Milliarden Euro und Puma auf 13 Milliarden Euro. Damit ist das im MDax gelistete Unternehmen aber wertvoll genug, um zu dem Kreis der potenziellen Dax-Aufsteiger zu zählen, wenn der deutsche Leitindex im September von 30 auf 40 Mitglieder aufgestockt wird.