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Die Proteste der Klima-Aktivisten sind wirkungslos und realitätsfern

Die Klebeaktionen bringen nichts, wenn man keine Alternativen anbieten kann. - Copyright: dpa
Die Klebeaktionen bringen nichts, wenn man keine Alternativen anbieten kann. - Copyright: dpa

Um es ganz klar zu sagen: Natürlich müssen wir dringend etwas gegen den Klimawandel unternehmen. Es ist auch richtig, dass auf die Folgen der drohenden Katastrophe noch stärker aufmerksam gemacht werden muss. Dass Klima-Aktivisten dafür zu rabiaten Mitteln am Rande der Gesetzmäßigkeit greifen, halte ich auch nicht für falsch. Ein Protest auf der Straße, sei es durch eine Demonstration oder das Festkleben vor Ampelanlagen sind durchaus zielführend – sie erregen viel Aufmerksamkeit.

Das Problem ist nur: Die Proteste bringen ansonsten nichts. Sie führen nicht dazu, dass die Bürgerinnen und Bürger umdenken. Wer drei Kilometer hinter einer Reihe festgeklebter Demonstranten im Stau steht, hat keine Chance, das Gespräch mit ihnen zu suchen. Was bleibt, sind Ärger und Unverständnis. Dabei sehen 80 Prozent aller Deutschen die Lebensgrundlagen durch den Klimawandel gefährdet, wie das Bundesumweltamt in einer Studie schon im Jahr 2020 feststellte.

Wenn die Demonstranten die Aufmerksamkeit für die Probleme des Klimawandels erhöhen wollen, dann scheinen sie ihr Ziel schon erreicht zu haben. Sicher, es kann immer mehr gemacht werden, aber die Frage muss erlaubt sein, ob die Verursachung von Staus das richtige Mittel dafür ist. Denn Staus sorgen hauptsächlich dafür, dass die Umweltbelastungen weiter steigen. Es wird also das Gegenteil dessen erreicht, was man eigentlich will.

Autos werden nicht verschwinden

Zu fordern, dass Autos von den Straßen verschwinden sollen, ist zudem utopisch. Zwar ist es richtig, dass Städte und Kommunen dem individuellen Autoverkehr weniger Platz einräumen müssen. 70 Jahre Verkehrs- und Infrastrukturpolitik lassen sich aber nicht innerhalb von wenigen Monaten oder Jahren korrigieren. Dafür fehlt es an Geld und dem Ausbau von alternativen Mobilitätsangeboten. Solange es zum Auto keine Alternative gibt, vor allem in den Speckgürteln der Städte, wird sich wenig ändern.

Natürlich könnte der Verkehr in Zukunft, auch dank autonomer Fahrzeuge, anders aussehen. Das private Auto wird in den Innenstädten in zehn bis 15 Jahren weit weniger Raum einnehmen, als das jetzt noch der Fall ist. Die Frage ist aber, wie man in der Zwischenzeit mit den Verkehrs- und Klimaproblemen umgeht. Und hier haben die Aktivisten keine Antworten oder Pläne, die die nahe Zukunft betreffen.

Die Aktivisten haben keine Antworten

Dabei gibt es Alternativen zu der aktuellen Situation. Der Ausbau und vor allem die Förderung des Carsharings könnte die Verkehrsprobleme zumindest teilweise verbessern. Es gibt genügend Studien, die belegen, dass das Carsharing für bis zu 30 Prozent weniger Autos auf den Straßen sorgen könnte. Wichtig ist hier, dass die Autos vorwiegend in den Vorstädten verfügbar sein müssen.

Auch das mittlerweile fast in Vergessenheit geratene Ridesharing kann in den Innenstädten für Entlastungen sorgen. Es ist auch ein Angebot für jene, die mit dem ÖPNV eher auf Kriegsfuß stehen. Das Problem an Ridesharing ist, dass die laufenden Kosten die Einnahmen übersteigen und Unternehmen auf Zuschüsse angewiesen sind, um profitabel wirtschaften zu können. Das wird sich durch den Einsatz autonomer Fahrzeuge verändern. Aber die Technologie ist noch nicht ausgereift.

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Die Klima-Proteste ignorieren all diese Alternativen und fordern eine Maximallösung, die nicht umsetzbar ist. So erreicht man weder die Mitarbeitenden in den Stadtverwaltungen noch die Menschen, die sich der Probleme, die der Verkehr jeden Tag verursacht, ja bewusst sind. Wenn die Aktivisten etwas erreichen wollen, müssen sie mehr leisten, als sich nur auf der Fahrbahn festzukleben. Die Menschen sind offen für vernünftige Lösungen. Aber nicht für Protest, der keine Alternativen anbietet.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.