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Private Geldhäuser sehen keine Bedrohung durch steigende Kreditausfälle

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Hans-Walter Peters, Verbandspräsident der privaten Banken, hält die deutschen Kreditinstitute in der Coronakrise für „wetterfest“. Er rechnet mit weniger drastischen Maßnahmen wie im Frühjahr.

Die privaten Geldhäuser in Deutschland zeigen sich trotz der steigenden Corona-Zahlen optimistisch für die deutsche Finanzbranche. Sie rechnen damit, dass auch mehr Insolvenzen von Unternehmen verkraftbar seien. Hans-Walter Peters, Präsident des privaten Bankenverbandes BdB, sagte am Donnerstag: „Wenn es in den kommenden Monaten zu einem Anstieg der Kreditausfälle kommt, ist das keine Bedrohung für die Banken.“

„Aktuell gehen wir davon aus, dass wir das, was wir erwarten, gut abfedern können“, betonte Peters, der an der Spitze der Hamburger Privatbank Berenberg steht. Die deutschen Institute hätten sich „wetterfest“ gemacht. Er verwies darauf, dass die Banken sowohl ihr Eigenkapital in den vergangenen Jahren deutlich aufgestockt hätten als auch die Risikovorsorge im Zuge der Coronakrise.

Während die Europäische Zentralbank (EZB) gerade erst vor einem Anschwellen notleidender Kredite gewarnt hat, zeigen sich die deutschen Kreditinstitute vergleichsweise gelassen.

Der oberste Bankenaufseher der Euro-Zone, Andrea Enria, mahnte vor einigen Tagen im Handelsblatt: „In einem Extremszenario mit einer zweiten Welle von Infektionen und Eindämmungsmaßnahmen könnte es laut unseren Berechnungen faule Kredite im Umfang von 1,4 Billionen Euro geben.“ Das wäre mehr als nach der letzten Finanzkrise. Laut dem EZB-Bankenaufseher ist es „noch zu früh, um dieses Extremszenario auszuschließen“.

Peters erwartet indes keinen weiteren Lockdown in Deutschland wie im Frühjahr, sondern rechnet stattdessen mit einer Reihe einzelner Maßnahmen, um die Infektionszahlen einzudämmen. Im Fall eines zweiten Lockdowns allerdings müssen die Geldhäuser Peters zufolge neu kalkulieren und wahrscheinlich mehr Rückstellungen bilden.

Auch die Sparkassen, die Marktführer in Deutschland sind, sowie die Volksbanken hatten sich zuletzt zuversichtlich gezeigt und ebenfalls auf den Anstieg ihres Eigenkapitals verwiesen. Zudem haben zahlreiche Unternehmen nach Ausbruch der Pandemie Notdarlehen der Staatsbank KfW erhalten. Bislang sind in Deutschland kaum Kredite ausgefallen, allerdings wurde in Folge der Coronakrise auch die Antragspflicht für Insolvenzen für einige Zeit ausgesetzt.

Die Bundesbank hatte am Dienstag erklärt, dass sie für das erste Quartal 2021 in ihrem Basisszenario mit 6000 Insolvenzen rechnet. Das wäre ein Anstieg um mehr als 35 Prozent, aber weniger als in der globalen Finanzkrise, als etwa 8000 Unternehmen pro Quartal pleitegingen. Die Wertberichtigungen der Banken dürften sich nach ihrer Schätzung auf rund 13 Milliarden Euro vervierfachen.

Dieses Szenario sei für die Kreditinstitute verkraftbar, so die Bundesbank. Allerdings hält Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch auch einen deutlich stärkeren Anstieg der Insolvenzen für möglich. „Wir können nicht ausschließen, dass in einem ungünstigen Szenario deutlich mehr Unternehmen zahlungsunfähig werden als derzeit erwartet.“

Der Bankenpräsident forderte Entlastungen für die Geldhäuser. Er kritisierte das Ausschüttungsverbot für die großen Geldhäuser. Je länger das Verbot aufrecht erhalten würde, desto mehr Investoren zögen sich zurück. „Das bedeutet höhere Finanzierungskosten für die Institute.“ Die europäischen Bankenaufseher haben ein Quasi-Verbot für Dividendenzahlungen bis Anfang 2021 verhängt.

Zudem kritisierte Peters erneut die Negativzinspolitik der EZB. Die Ertragskraft der Geldhäuser leide darunter. Seit Sommer 2014 müssen die Geschäftsbanken für ihre kurzfristigen Einlagen bei der EZB einen Strafzins zahlen, er liegt derzeit bei 0,5 Prozent, wobei die EZB den Banken Freibeträge einräumt. In diesem Jahr würden die europäischen Banken so nach BdB-Kalkulationen rund 10,5 Milliarden Euro zahlen, im Vorjahr waren es rund 3,5 Milliarden Euro.

Immer mehr Geldhäuser in Deutschland reichen den Strafzins an vermögende Kunden weiter oder veranschlagen ihn in neuen Konten, teils auch mit nur noch geringen Freibeträgen. Die EZB will durch den Negativzins Kreditvergabe und Investitionen antreiben.