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Private Equity präsentiert sich als Krisengewinner

Die Branche frohlockt bereits: Geringe Wertschwankungen und zweistellige Renditen dürften außerbörsliche Beteiligungen für Anleger auch in Corona-Zeiten attraktiv machen. 

Immer noch steigende Infektionszahlen bei Covid-19 in den USA, eine Weltwirtschaft im Rückwärtsgang und die Gefahr neuer Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China haben den Anlegern deutlich gemacht: Die Krise ist noch nicht vorbei. Die Aktienmärkte gingen Ende vergangener Woche deutlich in die Knie. Wer sein Geld anlegen will, für den bietet sich deshalb Private Equity wieder stärker als Alternative an, sagen Experten.

„Die Bewertung von Private-Equity-Anlagen hält sich in Krisen oftmals stabiler im Vergleich zu anderen liquideren Anlagearten“, erklärt Gregor von Deuten, Investmentexperte des Beteiligungshauses Coller Capital.

Der Berater Triago hat sich die Ende Mai veröffentlichten Quartalszahlen der Finanzinvestoren angeschaut und schätzt, dass der Nettowert der Beteiligungen zwar im Schnitt um 7,2 Prozent gefallen ist. Das sei aber deutlich besser als die Einbrüche um 20 Prozent und mehr, wie sie im Frühjahr wegen der Coronakrise an den meisten Aktienmärkten zu beobachten gewesen seien.

Die Anzahl der Deals fiel nach Berechnungen des Analysehauses Preqin im ersten Quartal um zwölf Prozent auf 1211 im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Wert der abgeschlossenen Transaktionen belief sich auf 94 Milliarden Dollar. Dem stehen 113 Milliarden Dollar in den ersten drei Monaten 2019 gegenüber.

Private-Equity-Manager sammeln von institutionellen Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen Kapital ein und legen es an. Innerhalb von fünf bis zehn Jahren werden die übernommenen Firmen restrukturiert und besser aufgestellt. Mitunter gibt es auch Zukäufe, um den Umsatz anzukurbeln. Im Anschluss verkaufen die Finanzinvestoren die Unternehmen in der Regel dann zu einem höheren Preis weiter oder bringen sie an die Börse.

Während der Finanzkrise 2008 brauchten die Beteiligungshäuser nach der Analyse von Triago noch 24 Monate, bis sich die Branche von den Tiefständen erholt hatte und sich wieder auf dem vorherigen Niveau einpendelte. Diesmal sollte es den Prognosen nach schneller gehen. Der Berater begründet das unter anderem mit den massiven Staatshilfen für die Wirtschaft. 

Siegeszug wird anhalten

Die Experten sind sich sicher: Private Equity wird nach der Coronakrise seinen Siegeszug fortsetzen. In normalen Zeiten liegen die Renditen zwischen elf und 16 Prozent. Dagegen bleibt die Unsicherheit an den weltweiten Aktienmärkten hoch. Und bei Bonds wie beispielsweise den zehnjährigen Bundesanleihen sind nur Negativzinsen drin. Anleger bekommen am Ende der Laufzeit also weniger Geld ausbezahlt, als sie investiert haben. 

Derzeit verfügen die Beteiligungshäuser nach der Berechnung des Analysehauses Preqin über rund 1,5 Billionen Dollar, die sie für Firmenkäufe einsetzen können – Tendenz steigend. „Es ist jedoch ein gewisser Konzentrationsprozess hin zu den größeren Fondsgesellschaften zu beobachten“, erklärt Coller-Capital-Mann von Deuten. Nach der Umfrage seines Hauses erwarten zwei Drittel der Großanleger über die nächsten fünf Jahre eine Konzentration auf die größten Beteiligungshäuser.

Gleichzeitig wollen die Befragten allerdings ihre Kontakte zu mehr Anbietern von Private Equity in den nächsten zwei bis drei Jahren ausbauen. Das gilt gerade für die Staatsfonds. Hier sehen 86 Prozent der Befragten einen Nachholbedarf. Bei Versicherungen gilt das für über 50 Prozent der Befragten.

Der Trend zu größeren Fonds lässt sich auch an den Zahlen für das erste Quartal dieses Jahres ablesen. Zwar fiel die Anzahl der neu geschlossenen Fonds in den ersten drei Monaten um 27 Prozent auf 267. Doch beim Volumen war davon wenig zu merken. Mit 133 Milliarden Dollar lag es zwölf Prozent über dem Vorjahresniveau. Für Preqin liegt das an den großen Fonds. Beispielsweise sammelte Lexington Capital Partners IX insgesamt 14 Milliarden Dollar im Januar 2020 ein.

Die Krux des Erfolgs: Gerade weil Private-Equity-Investments auch in der Krise relativ stabil sind, mussten zuletzt einige große Pensionsfonds und Versicherungen ihr Engagement in diesen alternativen Anlagen zurückfahren. Denn wenn andere Anlagen in Aktien und Anleihen schwächer abschneiden, verschiebt sich die Gesamtgewichtung im Portfolio und weicht sehr wahrscheinlich von der gewünschten Mischung ab. 

Chancen für gebrauchte Beteiligungen

Das bietet Chancen für Fonds, die sich auf gebrauchte Beteiligungen von Private Equity spezialisiert haben. Im Fachjargon wird dieser Zweitmarkt für Anteile auch Secondaries genannt. „Der Sekundärmarkt für Private-Equity-Beteiligungen ist in den vergangenen Jahren größer und reifer geworden. Mit der aktuellen Krise und aufkommenden Liquiditätsschwierigkeiten nimmt das Angebot weiter zu“, sagt Britta Lindhorst, die als Geschäftsführerin für die europäischen Investments der Harald-Quandt-Gruppe in diesem Bereich verantwortlich ist.

Sobald mehr Klarheit über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie und die Auswirkungen auf die mittel- bis langfristigen Erlöse der Unternehmen im dritten Quartal herrscht, könnten, wie das Berater Triago erwartet, auch wieder halbwegs brauchbare Preise für Firmen bezahlt werden. Das soll einen Kickstart auf dem Sekundärmarkt für Beteiligungen auslösen.

Doch noch ist das Transaktionsvolumen gering. Derzeit stimmen die Preiserwartungen von Käufern und Verkäufern grundsätzlich noch nicht überein. „Private Equity ist jedoch eine geduldige Anlageklasse und kann warten, bis attraktive Transaktionen wieder möglich sind“, sagt Coller-Capital-Mann von Deuten. Sein Haus ist selbst auf gebrauchte Beteiligungen spezialisiert. 

Im Vergleich zur Finanzkrise steht die Branche bei Secondaries mit Blick auf eine schnelle Wende besser da. Nach Berechnungen von Triago verfügen die Käufer in diesem Bereich über 140 Milliarden Dollar. Das sei mehr als viermal so viel wie im Jahr 2008.

Die globale Rezession wird nach dem Urteil von Preqin Transaktionen in den Bereichen Einzelhandel, Tourismus und Gastronomie bremsen, die besonders hart vom Corona-Shutdown getroffen wurden. Nach einer Umfrage des Analysehauses wollen mehr als ein Viertel der Investoren wegen Covid-19 Engagements in Private Equity vermeiden, das sich stark auf den Einzelhandel konzentriert.

Interessant sind dagegen Unternehmen in den Bereichen Technologie, Software und Gesundheitswesen.