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Porsche SE macht Druck bei ihren Tech-Beteiligungen

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Der Softwarespezialist PTV konnte die Erwartungen des VW-Mutterkonzerns bisher nicht erfüllen. Ein neues Management soll nun den Umsatz kräftig steigern.

Die VW-Muttergesellschaft Porsche SE zieht bei ihren Beteiligungen die Zügel an. Neben der großen Beteiligung am Volkswagen-Konzern ist die Holding, in der die Familien Porsche und Piëch mit 100 Prozent der Stammaktien das Sagen haben, noch an sechs kleineren Unternehmen beteiligt.

Mit den Investitionen wollte die Porsche SE eigentlich die VW-Dividenden in den autonahen Technologiebereich stecken und sich so breiter aufstellen. „Die Performance einzelner Beteiligungen liegt teilweise hinter unseren eigenen Erwartungen zurück“, sagte jedoch Lutz Meschke im Oktober auf der virtuellen Hauptversammlung der Holding.

Der Manager ist Finanzvorstand des Sportwagenbauers Porsche AG, leitet seit Anfang Juli in einer Zweitfunktion auch in der Familienholding das Beteiligungsgeschäft. „Wir arbeiten jedoch an der Weiterentwicklung dieser Beteiligungen, mit dem klaren Ziel, eine attraktive Rendite realisieren zu können.“

Größte Investition war vor drei Jahren die PTV Group in Karlsruhe. Das Unternehmen wurde 1979 als Planungsbüro für Transport und Verkehr aus der Universität Karlsruhe ausgegründet. Heute sieht es sich als Weltmarktführer bei Programmen für die Planung und das Management von Verkehrssystemen.

2500 Städte in der Welt nutzen Software des Unternehmens. Mit ihr können Leitzentralen den Verkehrsfluss überwachen. Auch die langfristige Planung optimaler Straßennetze für Städte ist möglich. Es wird praktisch ein digitaler Zwilling einer Stadt erstellt. Mithilfe von KI sollen auch Verkehrsprognosen präzise möglich werden.

Die Erwartungen, die mit der Übernahme verbunden waren, hat PTV bislang allerdings noch nicht erfüllt. 300 Millionen Euro hatte die Porsche SE investiert, bisher reichte es nur zu einem Jahresumsatz von 117 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr tauschte Porsche das Management aus.

Der neue Chef Christian Haas hat einen fundamentalen Strategiewechsel eingeleitet. Er will weg vom Verkauf von festinstallierter Software beim Kunden hin zu Cloud-Lösungen. „Der Schritt in die Cloud ist unverzichtbar, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein“, betont Haas.

Der neue PTV-Chef hat ambitionierte Ziele

Nachdem der Umsatz im Geschäftsjahr 2019 um einen zweistelligen Prozentsatz stieg und der operative Gewinn fünf Millionen Euro erreichte, schrieb PTV in der ersten Hälfte dieses Jahres Verluste. „Das war Corona-bedingt. Ich erwarte fürs Gesamtjahr ein positives Ergebnis trotz Umstrukturierungen“, ist Haas sicher, dass sein Strategiewechsel bis zum Jahresende noch Früchte trägt.

Bisher wurde die Software gegen Lizenz- und Wartungsgebühren fest auf den Rechnern der Kunden installiert. Haas hat eine neue IT-Infrastruktur geschaffen, bei der die Programme in der Cloud angeboten werden. Er folgt damit dem Trend der Softwaregiganten wie SAP, die auf Lösungen in der Rechnerwolke umstellen.

„Wir wollen neue Kundengruppen damit erschließen“, sagt Haas. Besonders in Asien oder den USA sei der Zugang über die Cloud inzwischen Voraussetzung, um überhaupt ins Geschäft zu kommen.

Die Demo-Versionen der neuen Plattform, die bereits in Singapur läuft, zeigt Haas jetzt schon gerne in der Karlsruher Zentrale. Es funktioniert quasi wie in einem App-Store, der Softwarepakete anbietet, für deren Nutzung Abo-Gebühren gezahlt werden. In Echtzeit simuliert das System, wie der Verkehr sich verändert, wenn beispielsweise eine Straße durch eine Baustelle einspurig wird.

Haas hat sich ambitionierte Ziele gesteckt. Bis 2025 soll sich der jetzige Umsatz auf 200 Millionen Euro nahezu verdoppeln. Ziel ist dabei eine zweistellige operative Gewinnmarge. Das würde dann auch die Eigentümer in Zuffenhausen beruhigen.

Der Befürchtung, dass die Pandemie ihm einen Strich durch die Rechnung machen könnte, begegnet der 46-jährige Ex-Banker mit Optimismus. „Die Stärken von PTV liegen in der Simulation unter Anwendung von Künstlicher Intelligenz. Durch die Pandemie steigt der Bedarf an Simulation.“ Viele Verkehrsbetriebe wollten wissen, wie sich Covid auf die Verkehre in der Stadt auswirkt und wie sie ihre Planungen anpassen können. PTV könne das in Echtzeit liefern.

Software als Differenzierungsfaktor

Neben PTV ist die Porsche-Holding noch an den beiden amerikanischen 3D-Druck-Spezialisten Markforged und Seurat Technologies beteiligt sowie an der auf den Bereich der laserbasierten Objekterkennung, kurz Lidar (Light Detection and Ranging), spezialisierten Aeva Inc. aus dem Silicon Valley.

Zuletzt kam Aurora Labs aus Tel Aviv hinzu. Für rund 2,5 Millionen US-Dollar sicherten sich die Zuffenhausener einen „niedrigen einstelligen Kapitalanteil“. Aurora Labs wurde im Jahr 2016 gegründet. Die Technologie des Unternehmens eignet sich insbesondere für effiziente und sichere Softwareaktualisierungen über eine Funkschnittstelle, sogenannte „Over the Air“-Updates.

„Software wird in Zukunft der große Differenzierungsfaktor im Fahrzeug sein“, sagte Porsche-Vorstand Lutz Meschke zu seiner ersten Beteiligung. Auch dort könnten die PTV-Simulationen angedockt werden.

Die Beteiligungsstrategie der Porsche SE unterliege einer kontinuierlichen Überprüfung, so Meschke. „Dazu gehört auch eine kritische Analyse der bisherigen Investitions- und Beteiligungsmanagementprozesse insbesondere im Hinblick auf mögliche Verbesserungspotenziale in der Zukunft. Diese finden dann Eingang in die weiterentwickelte Investitionsstrategie der Porsche SE mit klar definiertem Fokus und ambitionierten Zielen.“

Wenn das nicht gelingt, hat der Manager einen Plan B, der schon bei seinem Vorgänger funktionierte: Immer wenn die Holding nicht wusste, wohin mit dem Geld, wurde die Beteiligung an Volkswagen aufgestockt. In acht Jahren waren das immerhin eine Milliarde Euro.