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Pharmafirmen wollen für weltweiten Zugang zu Covid-19-Impfstoffen und Medikamenten sorgen

·Lesedauer: 4 Min.

16 führende Pharma- und Diagnostikfirmen wollen ärmere Länder mit Vakzinen, Therapeutika und Diagnostika unterstützen. Auch die Gates-Stiftung ist bei der Allianz dabei.

Globale Pharma- und Diagnostikunternehmen haben sich in einer gemeinsamen Erklärung mit der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung dazu bekannt, den Zugang der Weltbevölkerung zu Covid-19-Diagnostika sowie künftigen Impfstoffen und Medikamenten sicherzustellen. In einem am Mittwochmorgen veröffentlichten Kommuniqué betonen die 16 Unternehmen, unter anderem mit Spenden und der Abgabe von Produkten zum Selbstkostenpreis dafür sorgen zu wollen, dass auch ärmere Länder sich die benötigten Produkte leisten können.

„Wenn die verfügbaren ersten zwei Milliarden Dosen der Impfstoffe nur an Menschen in reichen Ländern verteilt werden, wird die Zahl der Todesfälle zweimal höher sein und die Pandemie länger dauern als bei einer gerechten Verteilung, die auch ärmere Länder einbezieht“, sagte Mark Suzman, CEO der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, in einer Telefonkonferenz. Einige reiche Industrieländer haben sich bereits in Verträgen mit Impfstoffherstellern Millionenkontingente an Impfstoffen gesichert, darunter die USA, Kanada, Großbritannien und auch die EU.

Die gemeinsame Erklärung der Lifesciences-Unternehmen ist von den jeweiligen CEOs oder Pharmachefs unterzeichnet. Aus Deutschland sind es Bayer, Boehringer Ingelheim und die Merck KGaA. Außerdem gehören zum Kreis der beteiligten Unternehmen die britischen Pharmakonzerne Astra-Zeneca und GSK, das französische Diagnostikunternehmen BioMérieux, der französische Pharmakonzern Sanofi sowie Novartis und Roche aus der Schweiz. Ebenso dabei sind die US-Pharmaunternehme BMS, Eli Lilly, Gilead, Johnson & Johnson, Merck & Co. und Pfizer sowie die japanische Pharmafirma Eisai.

Auch Bill und Melinda Gates haben die Erklärung unterschrieben. Ihre Stiftung setzt sich insbesondere für eine weltweite Verbesserung der Gesundheitsversorgung ein und unterstützt beispielsweise gemeinsam mit der Impfallianz Gavi die Entwicklung von Impfstoffen für ärmere Länder.

Die Pharmafirmen wollen sich etwa bei der Verteilung der Impfstoffe und Therapeutika dafür einsetzen, dass sie auch diejenigen Menschen erreichen, die die Medikamente dringend brauchen. Dabei unterstützen sie die Strategie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), ausgewählte Risikogruppen wie medizinisches Personal, aber auch besonders gefährdete Patienten bevorzugt zu impfen.

Außerdem erklären sich die unterzeichnenden Firmen bereit, globale Verteilungsinitiativen wie den Covax-Mechanismus der WHO zu unterstützen. Damit will die WHO eine gerechte Abgabe von Corona-Impfstoffen sicherstellen. 172 Länder sind der Plattform bereits beigetreten.

Aktuell gibt es weltweit mehr als 40 Impfstoffe, die in klinischen Studien am Menschen erforscht werden, zeigen Zahlen des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen. Zehn davon sind in der letzten klinischen Phase vor dem Zulassungsantrag – ausgenommen ist dabei der russische Impfstoff, der bereits vor dieser letzten klinischen Phase zugelassen wurde.

Von den westlichen Pharmaunternehmen haben Astra-Zeneca, Johnson & Johnson, die US-Firmen Moderna und Novavax sowie das deutsche Biotechunternehmen Biontech in Kooperation mit Pfizer diese entscheidende Forschungsphase erreicht. Verläuft sie erfolgreich, könnten die ersten Notfallzulassungen von Impfstoffen Endes dieses oder Anfang kommenden Jahres erfolgen, so die Erwartungen.

Geostrategische Interessen versus weltweite Verteilung

Die gemeinsame Erklärung der Pharmaunternehmen mit der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung ist auch vor dem Hintergrund der wachsenden geostrategischen Interessen einiger Staaten bei der Bewältigung der Corona-Pandemie zu sehen. So hatte etwa die US-Regierung Anfang September signalisiert, dass das Land sich nicht am Covax-Mechanismus beteiligen werde.

US-Präsident Donald Trump hatte die Entscheidung offiziell damit begründet, das Projekt stehe unter dem Einfluss der „korrupten“ WHO und Chinas. Doch dürfte es Trump vor allem darum gehen, möglichst viele Impfdosen zum frühestmöglichen Zeitpunkt für die amerikanische Bevölkerung verteilen zu können – für ihn gilt auch in diesem Fall „America first“.

Aber auch China macht bei dem Covax-Projekt der WHO zunächst nicht mit. Es deutet sich an, dass auch die Chinesen bei der Verteilung von Impfstoffen zunächst ihre eigenen geostrategischen Interessen verfolgen. Staats- und Parteichef Xi Jinping versprach zwar im Mai, die im eigenen Land entwickelten Impfstoffe als „globales öffentliches Gut“ allen zur Verfügung stellen zu wollen. Die Frage ist nur, wann und in welcher Reihenfolge.

China entwickelt selbst mehrere Impfstoffkandidaten und testet sie bereits in der entscheidenden dritten Phase am Menschen. Am weitesten sind die Kandidaten der Pharmafirmen Cansino, Sinovac und Sinopharm. Sie könnten Anfang des Jahres auf den Markt kommen, wenn die Zulassung für die breite Anwendung in der Bevölkerung bis dahin erfolgt.

Es zeigt sich, dass China zunächst seine eigene Bevölkerung versorgen sowie befreundeten Ländern und Entwicklungspartnern die Mittel zur Verfügung stellen will. So wird Peking Ländern den Vorrang einräumen, mit denen man über Plattformen wie die Initiative „Neue Seidenstraße“ oder den südostasiatischen Staatenbund Asean verbunden ist.

Erst wenn deren Versorgung über einen ausgearbeiteten Plan gesichert ist, werde China auch der Covax-Initiative beitreten, äußerte Zeng Guang, Chefepidemiologe des chinesischen Zentrums für Krankheitskontrolle und -verhütung, in der chinesischen Zeitung „Global Times“.

Auch chinesische Impfstoffentwickler selbst stellten zuletzt klar, dass sie bei der Verteilung ihrer Mittel einem festen Schema folgen. So plant Sinovac den Impfstoff-Verkaufsstart parallel zu China in den Ländern, in denen das Unternehmen seine finalen Tests am Menschen macht. Dazu gehören Brasilien, Indonesien und die Türkei. Konkurrent Sinopharm testet seinen Corona-Impfstoffkandidaten an Freiwilligen in Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die dritte chinesische Firma Cansino erstellt die Studien in Saudi-Arabien, Brasilien, Chile und Russland.