Deutsche Märkte geschlossen

Das kann der Panzer Gepard, den Deutschland an die Ukraine liefert

·Lesedauer: 3 Min.
Ein in einer Sonderfarbe lackierter Flugabwehrpanzer vom Typ Gepard fährt auf dem Schießplatz im schleswig-holsteinischen Todendorf eine Ehrenrunde.
Ein in einer Sonderfarbe lackierter Flugabwehrpanzer vom Typ Gepard fährt auf dem Schießplatz im schleswig-holsteinischen Todendorf eine Ehrenrunde.

Die Bundesregierung will nun eine Lieferung von Panzern aus Beständen der deutschen Rüstungsindustrie an die Ukraine erlauben. Dazu soll der Rüstungshersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW) grünes Licht erhalten, um technisch aufgearbeitete „Gepard“-Flugabwehrpanzer aus früheren Beständen der Bundeswehr verkaufen zu können.

Damit bricht Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) mit der vormaligen Linie, die Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erst vergangene Woche verkündete: Demnach sollte Deutschland keine schweren Waffensysteme an die Ukraine liefern. Diese Entscheidung wurde international und national stark kritisiert.

Lambrecht soll die Gepard-Lieferungen bei einem Treffen diesen Dienstag mit rund 40 Staatsvertretern auf dem US-Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein verkünden. Neben ihrem US-Amtskollegen Lloyd Austin und fast allen EU-Verteidigungsministern sollen dafür auch der ukrainische Verteidigungsminister und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg anreisen.

Was hat der Panzer „Gepard“ für Vorteile?

Der Gepard kann im Kampf gegen Bodenziele sowie Luftziele effektiv eingesetzt werden. Er ist dabei allwetterfähig – bei Tag und Nacht einsetzbar. Der Gepard verfügt über ein Suchradar mit einer Reichweite von bis zu 15 Kilometern und kann Ziele auf einer Entfernung von 6000 Metern treffen. Außerdem hat er eine Motorstärke von 830 PS mit einer Reichweite von 550 Kilometern. Gerade diese Eigenschaften machen ihn besonders mobil und geeignet für den Bodenkampf. Seine Bewaffnung kann sich so effektiv gegen leicht und stark gepanzerte Bodenziele wehren.

Doch auch in der Luft kann der Gepard effektiv eingesetzt werden: Er dient zur Abwehr von Kampfflugzeugen, Hubschraubern, ferngelenkten Flugkörpern, Raketen und auch modernen Drohnen. Die Geschosse können dabei nicht durch elektronische Abwehrmaßnahmen der gegnerischen Streitkräfte gestört werden.

Durch die zuverlässige Zielerkennung und Zielverfolgung verfügt der Gepard über eine besonders kurze Reaktionszeit im Kampf. Auch die Präzision des Beschusses sticht dabei heraus. Die Splitterwolken der ballistischen Geschosse sollen laut dem Hersteller KMW dabei zuverlässig zur „Zerstörung des Ziels“ führen.

Was hat er für Nachteile?

Die Bekämpfung fliegender Ziele gilt als technisch sehr anspruchsvoll. Gerade für diese Eigenschaft braucht die Bedienung des Gepards eine komplizierte Vorausbildung. Als der Gepard noch Teil des Bundeswehr-Bestands war, mussten Soldatinnen und Soldaten für dessen Bedienung noch mehrstufige Ausbildungen durchlaufen. Das macht dessen Einsatz im Ukraine-Krieg schwierig, denn das ukrainische Militär muss die gelieferten Panzer schnellstmöglich bedienen können.

Der Flugabwehrpanzer Gepard 1A2
Der Flugabwehrpanzer Gepard 1A2

Wieso ist die Lieferung des Panzers im Gegensatz zu anderen möglich?

Der Gepard wurde bereits 2010 aus dem Bestand der Bundeswehr ausgemustert. Das heißt, eine Lieferung eines ausgemusterten Waffensystems wird der Einsatzfähigkeit der Bundeswehr nicht schaden. Der Hersteller KMW verfügt aber noch über eine mittlere zweistellige Zahl dieser Panzer aus der aufgelösten Heeresflugabwehr der Bundeswehr. Im Gegensatz zu Panzerlieferungen des Typs Leopard 2 oder Marder wird die sehr begrenzte Ausstattung des deutschen Militärs durch die Lieferung also nicht berührt.

Auch die Lieferung von Munition sollte bei dem Panzer Gepard weniger Probleme bereiten. Erst 2020 konnte das Rüstungsunternehmen KMW problemlos 16.000 Patronen Munition für die 35-Millimeter-Rohre des Gepards an Katar verkaufen. Recherchen von Business Insider haben zuvor gezeigt, dass Lieferungen des Leopard 1 an die Ukraine unter anderem an zu geringen Munitions-Beständen scheiterten.

Was macht die Bundesregierung neben der Lieferung des Gepards für die Ukraine?

In einem Ringtausch mit Partnern aus Osteuropa sollen der Ukraine Waffensysteme bereitgestellt werden, die dort bereits im Einsatz sind. Deutschland will die Niederlande und die USA zudem bei der Ausbildung ukrainischer Soldaten an Artilleriesystemen unterstützen. Pläne für eine engere Zusammenarbeit gibt es nach der Ankündigung der Niederlande, die das Waffensystem Panzerhaubitze 2000 liefern wollen.

Mit Material der DPA

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.