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Pandemie trifft Beratungsgeschäft von Deloitte

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Der neue Deutschlandchef Volker Krug bleibt beim Ausblick vorsichtig und richtet die Firma neu aus. Die Regulierung der Branche sieht er kritisch.

Bei der Prüfungsgesellschaft Deloitte war in den vergangenen Jahren das Geschäft mit Managementberatung stets der Treiber mit deutlich zweistelligen Wachstumsraten. Doch die stürmische Phase ist vorbei: Im Geschäftsjahr 2019/20, das am 31. Mai endete, stagnierte der größte Geschäftsbereich bei einem Umsatz von 640 Millionen Euro. Wegen der Pandemie haben Kunden viele Projekte gestoppt oder nach hinten verschoben.

Der seit Juni amtierende Deutschlandchef Volker Krug wertet das Ergebnis dennoch als Erfolg, schließlich habe sich die Consultingsparte trotz der Widrigkeiten auf einem hohen Niveau gehalten. Getragen wurde das Geschäft diesmal von der traditionellen Prüfung und der Steuerberatung.

Insgesamt legte der Umsatz von Deloitte in Deutschland um drei Prozent auf 1,69 Milliarden Euro zu. In den ersten neun Monaten – bis zum Lockdown Mitte März – war Deloitte noch auf einem Wachstumskurs von sechs Prozent. „Wir sind nicht immun gegen die wirtschaftliche Entwicklung“, sagte Krug am Mittwoch und bleibt fürs laufende Geschäftsjahr vorsichtig.

Zwar seien die ersten Monate seit Juni vielversprechend verlaufen. Nun hätten aber Unsicherheiten für Unternehmen wieder zugenommen. Es sei nicht auszuschließen, dass Deloitte in Deutschland erstmals seit elf Jahren einen Umsatzrückgang verzeichnen muss. Man arbeite aber dagegen an.

Krug justiert die Firma neu und will deutlich mehr Geschäft aus der weitverzweigten Organisation herausholen. Statt einzelner Dienstleistungen soll die Vernetzung quer über alle Geschäftsbereiche im Vordergrund stehen, sogenannte Cross-Functional-Services. Praktisch heißt dies, dass etwa bei großen internationalen Umbauprojekten von Kunden nicht nur Managementberater, sondern auch Steuer- und M & A-Experten stärker mitmischen sollen.

Sein Vorgänger Martin Plendl hatte das Ziel ausgegeben, spätestens 2020 an KPMG als der Nummer drei auf dem deutschen Prüfermarkt vorbeizuziehen. Zudem sollte der Umsatz bis 2025 auf drei Milliarden Euro steigen. Krug wollte diese Ziele nicht bestätigen. Er schlägt eher leisere Töne an und fordert Qualität und Fokus auf intelligente Lösungen für die Mandanten.

Aufgeschlossen für verkürzte Rotation

Deloitte verfolgt aber weiter das Ziel, die Präsenz als Abschlussprüfer im Dax 30 auf drei bis fünf Mandate auszubauen. Bisher prüft die Gesellschaft dort nur Bayer. Bei den bisherigen Neuausschreibungen im Zuge der Rotationspflicht waren EY, PwC und KPMG zum Zuge gekommen.

Der Lockdown im März traf Deloitte in der heißen Phase der Abschlussprüfung bei den Kunden, die Arbeit musste auf den rein elektronischen Weg umgestellt werden. Die Prüfungssparte legte 2019/20 um sechs Prozent auf 452 Millionen Euro zu. Getrieben wurde dies vor allem von den dort verbuchten prüfungsnahen Dienstleistungen. Dazu zählen beispielsweise die Beratung beim Aufbau interner Kontrollsysteme, bei Risikomanagement, Compliance-Themen und Cybersecurity.

Für Krug ist die Wirtschaftsprüfung Kerngeschäft, in das man investieren werde. Von Big Data und robotergestützter Analyse erhofft sich die Branche auch eine Qualitätsverbesserung der Prüfung – möglicherweise auch mit dem Effekt, Fälle von Bilanzbetrug wie bei Wirecard schneller aufzudecken oder zu verhindern.

Die anstehende Neuregulierung des Prüfergeschäfts im Zuge des Wirecard-Skandals bewertet Krug unterschiedlich. Prinzipiell unterstützt er eine Weiterentwicklung. „Wir können ja nicht nur den Mandanten sagen, dass sie sich transformieren sollen, sondern müssen das auch selbst tun“, sagte der Deloitte-Chef. Einer verkürzten Rotation auf zehn Jahre steht er positiv gegenüber, ebenso einer engeren Zusammenarbeit von Abschlussprüfer und Aufsichtsrat des Mandanten.

Die geplante Anhebung der Haftung von Abschlussprüfern von vier auf 20 Millionen Euro aber würde aus seiner Sicht den kleinen und mittleren Anbietern zu schaffen machen. Über eine weiter gehende Trennung von Prüfung und Beratung könne man zumindest auf Ebene einzelner Mandate diskutieren, obwohl es da schon eine gesetzliche Regelung gäbe. Eine organisatorische Trennung von Prüfungs- und Beratungsgeschäft und damit eine Aufspaltung der Gesellschaften lehnt Krug aber kategorisch ab.