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Osram bringt erstes zugelassenes LED-Nachrüstlicht für Autos auf den Markt

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Die Zulieferer leiden unter der Absatzkrise der Autobranche. Die AMS-Tochter will jetzt mit einer Neuentwicklung den Gebrauchtbestand monetarisieren.

In vielen Neuwagen ist LED-Licht bereits Standard. Osram hat jetzt als nach eigenen Angaben erster Anbieter die Zulassung für eine Nachrüstlösung bestimmter Gebrauchtwagenmodelle erhalten. „Die Straßenzulassung ist ein wichtiger Schritt, auf den wir über Jahre hingearbeitet haben“, sagte Osram-Automotive-Chef Hans-Joachim Schwabe am Donnerstag in München.

Derlei Impulse kann der deutsche Lichtkonzern in seiner Autosparte gut gebrauchen. Das Unternehmen leidet wie viele Zulieferer unter der Branchenflaute. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2019/20 (30. September) brach der Automotive-Umsatz bei Osram um vergleichbar mehr als 35 Prozent auf 282 Millionen Euro ein. Zudem rutschte die Sparte mit einem bereinigten operativen Verlust von 23 Millionen Euro in die roten Zahlen.

Nun könnte aber die LED-Retrofit-Lösung etwas Schub bringen. „Mit unseren LED-Lampen können Fahrer ihre Halogenbeleuchtung legal, einfach und kostengünstig auf den neuesten Stand der Technik umrüsten“, sagte Schwabe.

Die Zulassung des Kraftfahrt-Bundesamts für die LED „Night Breaker“ H7 gelte zunächst für bestimmte Modelle wie den 2er-BMW und den Audi A3, solle aber kontinuierlich erweitert werden.

LED-Licht ist heller als die herkömmliche Autobeleuchtung, und die Lampen halten länger. Bislang bauen manche Autobesitzer nicht zugelassene Lampen ein, riskieren dabei aber Strafen. Die Nachrüstsets – sie kosten rund 130 Euro, die Halogenlampen können relativ einfach selbst oder in der Werkstatt ausgetauscht werden – sind aber eine Übergangstechnologie.

Nachfrage nach LEDs ist hoch

Ein erhofftes Umsatzvolumen wollte Vertriebsleiter Richard Lothholz nicht nennen. Die Nachfrage nach LED-Licht für Autos sei aber groß. Osram wolle das Angebot auf weitere Modelle und Länder ausweiten. Schwabe kann sich vorstellen, dass ein zweistelliger Prozentsatz der Autobesitzer, die nachrüsten könnten, dies auch tun werden.

Das Autolicht der Zukunft wollte Osram eigentlich gemeinsam mit Continental entwickeln. Doch die ambitioniert gestartete Gemeinschaftsfirma lösen die beiden Unternehmen in einem komplizierten Prozess jetzt wieder auf. Angesichts von Konjunkturkrise und Corona-Pandemie ließen sich die „Erwartungen an das profitable Wachstum des Gemeinschaftsunternehmens nicht mehr realisieren“, verkündeten Osram und Conti.

Bei Osram stehen unter dem neuen Eigentümer AMS derzeit alle Geschäfte auf dem Prüfstand. Die Österreicher haben gerade erst einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit der neuen Tochter abgeschlossen und dadurch künftig noch mehr Durchgriff.

Die Arbeitnehmer bei Osram fürchten eine Zerschlagung durch AMS. Genährt wurden die Spekulationen durch eine interne Präsentation, in der Teile des Automotive-Geschäfts in einer Holdingstruktur separat aufgehängt waren, was manche als Vorbereitung eines Verkaufs werteten.

Dabei ging es nach Handelsblatt-Informationen aber nicht um die gesamte Sparte, sondern um traditionelle Autobeleuchtung wie Xenon und Halogen. AMS ist vor allem an der Chipsparte OS Semiconductors von Osram sowie an weiteren modernen Technologien interessiert. Vor allem die Digitalsparte, die auch die elektronischen Vorschaltgeräte umfasst, steht zur Disposition.