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Nike steigert Gewinn kräftig – Coronakrise kurbelt Online-Absatz an

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Die Erlöse im digitalen Geschäft stiegen um 82 Prozent. Der Adidas-Konkurrent übertrifft damit Analysten-Erwartungen. Die Aktie legt nachbörslich um acht Prozent zu.

Der Online-Shopping-Boom und geringere Ausgaben während der Corona-Pandemie haben Nike im jüngsten Quartal zu einem höheren Gewinn verholfen. Nach dem Schock im Vorquartal hat der US-Sportartikelhersteller Nike die Investoren damit diesmal positiv überrascht.

Der Adidas-Konkurrent hielt seinen Umsatz in den drei Monaten bis Ende August mit 10,6 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahr fast stabil und steigerte den Gewinn dabei um elf Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar. Damit übertraf Nike alle Erwartungen. Der Aktienkurs kletterte daraufhin im nachbörslichen Handel um mehr als acht Prozent.

Für die guten Zahlen sind vor allem das starke Online-Geschäft und die geringeren Kosten verantwortlich. Nike hat in seinem ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres deutlich weniger für Werbung ausgegeben. Hinzu kam, dass viele Live-Sportveranstaltungen wegen Covid-19 abgesagt worden waren.

Während der Verkauf in den Läden eher schleppend lief, legte das digitale Geschäft um 82 Prozent zu. „Wir wissen, dass das Digitale das 'New Normal‘ ist“, sagte der CEO John Donahoe. Nike habe im vergangenen Quartal 900 Millionen Dollar mehr online umgesetzt als noch im Jahr zuvor. Das bedeutet, dass sich das digitale Geschäft von Nike nun der Zwei-Milliarden-Dollar-Grenze nähert.

Das starke Online-Geschäft passt auch zu Nikes erklärter Strategie, die Kunden immer stärker direkt anzusprechen und die Zwischenhändler auszuschalten. Ein Kunde, der über mehrere Kanäle – von neuen Läden über den Running-Club bis zum Online-Shop – mit der Marke kommuniziert sei auf sein Leben gesehen vier Mal so viel wert wie Kunden, die dies nicht tun, betonte Donahoe.

Weniger Kooperationen mit Einzelhändlern

Im August hatte ein Bericht des Analysten Sam Poser von Susquehanna Financial für Aufsehen gesorgt, als der seinen Kunden mitteilte, Nike werde seine Beziehungen zu verschiedenen Händlern beenden – darunter auch der Online-Händler Zappos.

Das Unternehmen aus Beaverton in Oregon hatte daraufhin bestätigt, dass es sich auf jene Kooperationen konzentrieren wolle, die für beide Seite gut laufen. Im Zuge dieser Änderungen werden ab Anfang Oktober 500 Stellen in der Zentrale in Oregon wegfallen.

Analysten schätzen, dass Nike insgesamt sieben bis zehn Prozent der Mitarbeiter entlassen will. Im Juni hatte Nike die Märkte mit einem Verlust von 790 Millionen Dollar in seinem vierten Quartal geschockt. Das lag vor allem daran, dass wegen der Corona-Pandemie so viele Läden geschlossen waren.

Mittlerweile sieht die Lage besser aus: „In China, Japan, Emea und Südkorea wachsen wir schon wieder“, betonte der CEO Donahoe. Vor allem Schuhe liefen gut, während Kleidung und Ausrüstung sich schlechter verkaufen. In Europa legte insbesondere die Skater-Marke Converse deutlich zu. Um Frauen stärker als Kundinnen zu gewinnen, hat Nike im vergangenen Quartal eine Linie für werdende Mütter und eine Yoga-Kollektion auf den Markt gebracht.

Positionierung bei Black Lives Matter

Zuletzt hatte Nike auch wegen der Proteste nach der Tötung von George Floyd durch die Polizei im Mittelpunkt gestanden. Aus Solidarität wandelte das kalifornische Unternehmen seinen berühmten Slogan 'Just Do It' in einem Spot in 'For once, don't do it' ab. Darin ruft der Schuhkonzern die Menschen auf, diesmal nicht so zu tun, als gebe es keinen Rassismus.

Adidas dagegen hatte sich zuletzt dem Vorwurf des Rassismus ausgesetzt gesehen. Daraufhin hatte der deutsche Nike-Konkurrent unter anderem angekündigt, dass 30 Prozent der Neueinstellungen in den USA Schwarze und Latinos sein werden. Sowohl für Nike als auch für Adidas sind die fast 48 Millionen Afro-Amerikaner ein wichtiger Markt.