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Neuer Report über die Zukunft virtueller Währungen der Europäischen Union

Tobias Schmidt

Vergangene Woche berichteten wir von einem von dem Europäischen Parlament in Auftrag gegebenen Report zu digitalen Währungen. Nun ist ein zweiter Report aufgetaucht, den jedoch ein anderes Autorenteam verfasst hat. Wir vergleichen die Erkenntnisse aus beiden Berichten und stellen dar, wie sich die Analysen auf das Handeln des EU-Parlaments auswirken können.

Der Ausschuss für Wirtschaft und Währungen des Europäischen Parlaments (ECON) hat einen Bericht zu digitalen Währungen in Auftrag gegeben. Diese In-Depth Analysis soll dem Ausschuss Handlungsempfehlungen für den Umgang mit virtuellen Währungen in der europäischen Wirtschafts- und Finanzpolitik geben. In der vergangenen Woche schrieben wir über die Analyse, die vom Kiel Institute for the World Economy erstellt wurde. Nun betrachten wir die Ausarbeitung des Center for Social and Economic Research, die einen etwas anderen Schwerpunkt in der Betrachtung legt.

Zwei Analysen, zwei Betrachtungen

In der Analyse des Kiel Institutes stand die Unterscheidung zwischen digitalen Währungen und Kryptowährungen im Zentrum. So sei eine Kryptowährung eine Sonderform der digitalen Währung, die kryptographische Funktionen nutzt. Auch in der Bewertung unterscheidet das Team vom Kiel Institute bei beiden Begriffe. Während eine digitale Währung im Allgemeinen als potentiell gewinnbringend für das Bankensystem angesehen wird, werden Kryptowährungen skeptisch betrachtet. So trauen es die Analysten beispielsweise dem Bitcoin nicht zu, in Zukunft eine ernsthafte Alternative zu staatlichen Währungen zu sein.

Der Grundton in der zweiten Analyse ist deutlich optimistischer gegenüber Kryptowährungen gestimmt. So schreibt das Analyse-Team zwar von digitalen Währungen, meint in den meisten Fällen allerdings Kryptowährungen. Dies wird deutlich, als es heißt, digitale Währungen basieren in vielen, wenn auch nicht in allen Fällen, auf der Blockchain-Technologie. Dank dieser seien sie relativ sicher, transparent und schnell. Die Analysten vergleichen Kryptowährungen mit Papiergeld, das seit dem 18. und 19. Jahrhundert in Umlauf ist. Im Gegensatz dazu seien Kryptowährungen global und grenzüberschreitend nutzbar.

Das Center for Social and Economic Research stimmt dem Kiel Institute darin zu, dass die Rolle von Kryptowährungen als Transaktionsmittel vorerst begrenzt bleiben wird. Sie begründen es damit, dass es in der Breite noch nicht genügend Akzeptanz für Kryptowährungen gibt. So wird die Wertaufbewahrungsfunktion von Kryptowährungen deren primäres Einsatzfeld bleiben – was Langzeitinvestoren zugute kommt. Auch hier traut man dem Bitcoin und anderen Kryptowährungen nicht zu, das Zentralbankgeld herauszufordern. Eine Ausnahme bilden jedoch Volkswirtschaften, in denen politische oder wirtschaftliche Krisen, Hyperinflationen oder sonstige Probleme vorliegen. Hier könnten Kryptowährungen das Versagen traditioneller Institutionen auffangen.

Handlungsanleitungen für die europäischen Regulierer

Den Bericht zur Auswirkung von Kryptowährungen auf die europäische Wirtschaft- und Finanzpolitik hatte das Europäische Parlament in Auftrag gegeben. Dementsprechend finden sich dort auch Handlungsempfehlungen für europäische Regulierer. Die Analysten adressieren die Ängste von Finanzmarktregulierern vor Geldwäscheaktivitäten, Steuerhinterziehung und die Finanzierung illegaler Aktivitäten. Zudem wolle man verhindern, dass betrügerische Finanzprodukte in der Form von Kryptowährungen auf den Markt kommen. Allerdings spricht sich der Report auch dafür aus, die Kryptoszene nicht unter Generalverdacht zu stellen.

In den allermeisten Fällen resultieren Kryptotransaktionen aus den freien Entscheidungen der Marktteilnehmer. Dementsprechend sollten Regulierer sie nach denselben Regeln beurteilen wie sonstige Finanztransaktionen. Ein Investment in Kryptowährungen sollte man demnach auch genauso besteuern wie eines in andere Finanzprodukte. Zugleich wird – angesichts des globalen und grenzüberschreitenden Einsatzes von Kryptowährungen – eine Zusammenarbeit mehrerer Jurisdiktionen empfohlen. Für diese Handlungsempfehlung ist das EU-Parlament jedenfalls der richtige Adressat.

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Source: BTC-ECHO

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