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Neue Konkurrenz für Rügenwalder Mühle: So will Fleischersatz-Hersteller "Meatless Farm" die Regale von Aldi, Penny und Co. erobern

·Lesedauer: 5 Min.
Erwin Meijer, Europachef von Meatless Farm, beißt beherzt in einen fleischlosen Burger.
Erwin Meijer, Europachef von Meatless Farm, beißt beherzt in einen fleischlosen Burger.

Statt zu "echtem" Fleisch greifen die Deutschen immer häufiger zu Ersatzprodukten. Die Produktion von veganen oder vegetarischen Alternativen für Fleisch wächst schnell. 2020 wurden in Deutschland 83,7 Tausend Tonnen hergestellt, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 39 Prozent. Der Konsum steigt allerdings schon seit Jahren.

Als Morten Toft Bech im Jahr 2016 Meatless Farm gründete, war sein Ziel, eine Fleischalternative zu entwickeln, die dem tierischen Original in Sachen Geschmack, Verarbeitungsmöglichkeiten und Nährwerten in nichts nachsteht. Dass seine Idee damit bereits wenige Jahre später auf einen globalen Trend stoßen würde, hatte er damals wohl noch nicht erwartet. Heute gehört das britische Unternehmen Meatless Farm zu den am schnellsten wachsenden Herstellern pflanzlicher Fleischalternativen weltweit. Vor allem auf dem Heimatmarkt in Großbritannien ist das Unternehmen besonders erfolgreich und erzielt Umsatzsteigerungen von bis zu 149 Prozent im Jahr. Seit einem Jahr expandiert das Unternehmen global, nach Europa, Kanada, in die USA, Lateinamerika und Asien. Mit dem Abschluss einer Fundraising-Runde in Höhe von 75 Millionen US-Dollar im März will das Unternehmen das globale Wachstum weiter vorantreiben. Nächstes Ziel: Deutschland.

Aldi Nord verkauft die Produkte des Start-ups

Vor wenigen Tagen erst startete das Start-up eine Kooperation mit Aldi Nord, die ersten zwei Produkte werden bereits in ausgewählten Filialen verkauft. Der Discounter will die Produkte der Veggie-Marke in den kommenden Wochen als erster Händler bundesweit in sein Sortiment aufnehmen. Ab Januar 2022 will auch Penny in Deutschland Meatless Farms Fleischalternativen listen. Darüber hinaus stehe eine Partnerschaft mit einer weiteren großen deutschen Lebensmitteleinzelhandelskette kurz vor dem Abschluss, sagt Erwin Meijer.

Meijer, ehemaliger Lidl Executive Vice President, wurde von dem Vorstand Jesper Hojer, ebenfalls ein ehemaliger CEO von Lidl, vor knapp einem Jahr zu Meatless Farm geholt, um die Marke in Europa bekannt zu machen und die Expansion in Deutschland umzusetzen. Der neue Europa-Chef und gebürtige Holländer Meijer baut in Amsterdam die neue europäische Unternehmenszentrale auf. Denn die niederländische Großstadt ist aus logistischer Sicht ein günstiger Ausgangspunkt, um andere europäische Länder zu beliefern. Neben Deutschland fokussiert sich Meatless Farm vor allem auf Spanien, Portugal und die Niederlande.

Erst im Juni eröffnete das Start-up ein neues Produktionszentrum im niederländischen Almere, wodurch sich die Produktionskapazitäten um 25 Prozent erhöhten. Von dem neuen, ersten europäischen Standort will Meijer den Vertrieb im Einzelhandel und in der Gastronomie schneller skalieren. Und damit hat der Niederländer bereits Erfolg: Schon jetzt kooperiert das Start-up mit der Imbissbuden-Kette "Best Worscht in Town", die bald eine vegane Currywurst anbieten soll. Außerdem sei man mit einer bekannten Burger-Kette im Gespräch. Der Fast-Commerce-Lieferdienst Gorillas bietet schon einige Fleischalternativen von Meatless Farm in Amsterdam an, in wenigen Tagen sollen die Produkte auch in Berlin ausgeliefert werden. Mit allen anderen großen Handelsketten sei man im Gespräch. Ziel sei es, so Meijer, im kommenden Jahr überall gelistet zu sein.

Braucht es denn noch einen Fleischersatz-Anbieter?

Das ist keine kleine Aufgabe, denn die Konkurrenz auf dem deutschen Markt ist groß: Gutfried macht Veggie-Wurst, Rügenwalder produziert jetzt schon mehr Fleischalternativen als "echte" Fleischerzeugnisse und der US-Marktführer Beyond Meat greift auch hierzulande scharf an. Bei manch einem mag anhand der Fülle der Anbieter die Frage aufkommen: Braucht es denn überhaupt noch einen Anbieter von Fleischalternativen auf dem deutschen Markt? Meijers Antwort darauf: "Der Produktwettbewerb ist ein Segen für die Branche, denn dadurch müssen alle Anbieter konstant ihre Qualität verbessern, weil immer wieder neue Mitstreiter auf den Markt kommen." Das treibe das Verkaufsvolumen hoch, was wiederum den Preis verringere. Ein wichtiger Faktor, um im Massenmarkt akzeptiert zu werden. Sein Ziel: Mit den pflanzlichen Alternativen auf das gleiche Preisniveau von Fleisch kommen, damit die Veggie-Varianten künftig von einer noch breiteren Masse gekauft werden und nicht nur von Veganern und Vegetariern. "Da sind wir mittlerweile schon sehr nah dran", sagt Meijer. Als größten Konkurrenten auf dem deutschen Markt sieht Meijer Rügenwalder. "Die machen einen sehr guten Job sowohl, was die Qualität und die Nährwerte angeht, als auch die Preise. Aber es ist eine sehr deutsche Marke, nicht so international wie wir."

Viele Eigenmarken der Händler würden das Image der Fleischalternativen insgesamt verschlechtern, so Meijer. Denn die Händler und ihre Lieferanten würden in die eigenen Produkte oft nicht so viel Forschung stecken, die Fleischalternativen nicht oft weiterentwickeln. Gerade das sei jedoch für die gesamte Branche sehr wichtig, denn die pflanzlichen Alternativen steckten noch in den Kinderschuhen. "Wenn ich unser Produkt von heute mit dem vor einem Jahr vergleiche, liegen da Welten dazwischen", sagt Meijer. "Unser Produkt ist vielleicht ein iPhone 3 und wir müssen es immer weiterentwickeln, bis wir zu einem iPhone 12 kommen." Zu einem "iPhone 12 des Fleischersatzes" gehörten für ihn weniger Zutaten und noch bessere Nährwerte, also weniger Fett und weniger Zusätze. Dies würde für fast alle Fleischalternativen gelten, die derzeit auf dem Markt erhältlich seien, so Meijer.

Trotz der gefühlt 20 Start-ups, die jedes Jahr auf den Markt drängen, ist das Marktpotenzial jedoch immer noch groß: Die pflanzlichen Alternativen machten 2020 immer noch weniger als ein Prozent des Fleischmarktes aus, wie das Bundesamt für Statistik feststellte. Das im Jahr 2020 in Deutschland produzierte Fleisch einschließlich der Fleischerzeugnisse hatte einen Wert von rund 38,6 Milliarden Euro – mehr als das Hundertfache der veganen und vegetarischen Angebote. Die Zahlen des Statistikamtes zeigen aber auch: Langfristig ist der Fleischkonsum in Deutschland deutlich rückläufig. Ein Indiz dafür, dass Meijer mit Meatless Farm und ihre Konkurrenten mit ihrem Vorhaben, mehr Fleischalternativen auf deutsche Teller zu befördern, auf dem richtigen Weg sind.

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