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Neue Gerüchte: Apple will 2024 ein Auto auf den Markt bringen

Jahn, Thomas
·Lesedauer: 5 Min.

Seit Jahren arbeitet der Konzern am „Projekt Titan“. Nun könnten neue Batterietechnik und Sensoren neuen Schwung bringen. Die Tesla-Aktie reagiert.

Kaum jemand kennt die alte und die neue Autowelt so gut wie Karl-Thomas Neumann. Er war Chef von Opel und China-Chef von Volkswagen, sitzt in Verwaltungsräten von Start-ups im Silicon Valley. Auch mit Apple kam der Deutsche zusammen, besuchte das hochgeheime Autoprojekt „Titan“ in Palo Alto.

Dass der Technologieriese Apple am Einstieg in den Automarkt arbeitet, ist für Neumann völlig klar. „Es wird für das Auto bald nur noch einen Zentralcomputer geben, für den man eigene Chips oder Software herstellen muss. Das beherrscht Apple“, sagt Neumann.

Jetzt scheinen sich nach langem Anlauf die Pläne von Konzernchef Tim Cook zu konkretisieren. Laut amerikanischen und chinesischen Medienberichten könnte bereits 2024 das „Apple Car“ an den Start gehen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters sollen vor allem neue Batterietechnik und Lidar-Sensoren Schwung in das Projekt bringen. Die Börsenreaktion war eindeutig: Apple-Aktien legten am Donnerstag nach Bekanntwerden der Berichte deutlich zu, Papiere des Konkurrenten Tesla gaben nach.

Experten äußern sich dagegen zurückhaltend. Die Massenproduktion von Autos ist technisch aufwendig, teuer und erzielt im Vergleich mit Software oder dem iPhone niedrigere Gewinnmargen. „Seit zehn Jahren geht Apple aus gutem Grund halbschwanger mit der Idee“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research.

Allerdings mehren sich die Meldungen über einen möglichen Start. Vor zwei Wochen schrieb die taiwanische Website „Digitimes“, dass der Chiphersteller TSMC an einem Chip für das Apple-Auto arbeitet. Der Konzern plane eine Fabrik in den USA.
Jetzt zitiert Reuters mehrere Unternehmensinsider, die vom Marktdebüt in vier Jahren sprechen. Das könne sich aber aufgrund der Corona-Pandemie noch um ein Jahr verzögern. „Ein physisches Produkt scheint bei Apple gesetzt zu sein“, sagt Peter Fintl, Analyst von der Technologieberatung Altran.

Laut der Investmentbank Morgan Stanley besitzt der iPhone-Hersteller die „Schlüsselzutaten“ für einen erfolgreichen Start im Automarkt, darunter Zugang zu genügend Kapital und Top-Talenten. Auch habe er fünf Kerntechnologien, die wichtig für digitale und autonom fahrende Autos seien, in seinen eigenen Laboren entwickelt: Halbleiter, Batterien, Kameras, Sensoren und Monitore.

Dafür hat sich Apple auch personell aufgestellt: Im vergangenen Jahr holte der Konzern den Deutschen Michael Schwekutsch vom Elektroautopionier Tesla. Dort war er zuletzt im Rang eines Vizepräsidenten für die Entwicklung von Antrieben und Batteriepacks zuständig. Wenige Monate später übernahm Apple zudem das Roboterauto-Start-up Drive.ai.

Revolutionäre Batterietechnik

Schwekutsch arbeitet als Chefingenieur für die Spezialprojektegruppe mit dem Codenamen „Titan“. Die gibt es seit 2014 und ging bereits durch mehrere Phasen. Zunächst entwarfen die Apple-Ingenieure Prototypen eines eigenen Elektroautos. Dann wurde der Schwerpunkt auf die Entwicklung von Systemen zum autonomen Fahren gelegt. Aktuell sind von Apple zu Roboterwagen umgebaute Lexus-SUVs auf Testfahrten im Silicon Valley unterwegs.

Zentrale Figur beim Projekt Titan ist Doug Field, den Apple 2018 von Tesla abwarb. Field kennt beide Konzerne sehr gut. Der frühere Ford-Ingenieur hatte mehrere Jahre bei Apple gearbeitet, bis er 2013 zu Tesla wechselte. Bei dem Elektroautohersteller stieg er bis zum Chefingenieur der Autoentwicklung auf, begleitete Schlüsselfahrzeuge wie das Model 3, mit dem Tesla zum Massenproduzenten aufstieg. Seit seiner Rückkehr zu Apple räumt er beim Projekt Titan auf, entließ dort im vergangenen Jahr zahlreiche Mitarbeiter.

Im Zentrum des Vorstoßes von Apple soll vor allem eine neue Batterietechnik stehen. Für ein Fahrzeug arbeite Apple laut Reuters an einer „Monozelle“, was eine revolutionäre Entwicklung wäre. Dabei wird die Aufteilung der Batterie in verschiedene Module und Zellen reduziert oder gar aufgehoben. Das spart Material und erhöht die Reichweite.

Die Batterie soll auf Basis von Lithium-Eisenphosphat arbeiten. Diese Materialkombination gilt zwar als sicherer als Lithium-Ionen-Batterien. Allerdings bietet sie eine geringere Energiedichte, weswegen die Batterie schwerer und größer sein muss, um dieselbe Energie in einem Fahrzeug zu speichern. Tesla stattet sein Model 3 beispielsweise nur in China mit Lithium-Eisenphosphat-Batterien aus.

Apple nutzt bereits ähnliche Batterien für seine iPhones. Beim Technologietransfer sieht Autoexperte Dudenhöffer allerdings große Probleme. Ein Auto sei eben nicht ein Konsumprodukt wie ein Smartphone. „Die Anforderungen sind ganz andere“, sagt Dudenhöffer.

Großes Marktpotenzial

Auch Innovationsexperte Fintl von Altran teilt diese Ansicht. Allerdings sei die Batterietechnik Lithium-Eisenphosphat bereits von führenden Anbietern wie BYD und CATL entscheidend vorangetrieben worden. Apple müsse dort gar nicht mehr so große Technologiesprünge vollbringen.

Weiterhin soll Apple laut Reuters auf die sogenannte Lidar-Technik setzen. Die per Laser erfolgte Abstands- und Geschwindigkeitsmessung wird auch bei autonomen Fahrzeugen eingesetzt. Die in diesem Jahr auf den Markt gebrachten iPhones verfügen über Lidar, etwa um Räume auszumessen oder 3D-Modelle zu bauen.

In der Branche wird allerdings heftig darüber gestritten, wie wichtig die Technik für autonomes Fahren ist. Während deutsche Hersteller sie verwenden, setzt Tesla sie nicht ein. Sie sei nur eine scheinbare Hilfe, Kameras seien die bessere Alternative. „Jeder, der auf Lidar setzt, wird in sein Unglück rennen“, sagte Tesla-Chef Elon Musk bereits im vergangenen Jahr.

Die Motivation für Apple ist klar: Das Unternehmen wird im laufenden Geschäftsjahr 315 Milliarden Dollar Umsatz erzielen. Bei der Größenordnung braucht es neue und lukrative Geschäftsfelder. Der globale Automarkt hat ein Umsatzpotenzial von rund zwei Billionen Dollar.

Unklar ist aber, in welcher Form Apple in das Geschäft einsteigen will: als Autohersteller oder in einer Partnerschaft. Erst vor wenigen Tagen änderte Apple die Organisationsstruktur. Das Projekt Titan steht jetzt unter der Führung von KI-Chef John Giannandrea, während es zuvor bei Hardware-Chef Bob Mansfield angedockt war. „Wir sehen das als Zeichen“, sagte Gene Munster, Analyst von Risikokapitalgeber Loup Ventures, „dass die Marschrichtung immer noch nicht klar ist.“

Nach Meinung von Analyst Fintl von Altran ist die Sache aber klar. Es wird ein Auto gebaut. „Apple wäre töricht, wenn es nicht bei den großen Auftragsfertigern wie etwa Magna anfragen würde. Das Unternehmen verfügt über exzellente Ingenieurskunst und Fertigung.“ Apple und Magna mit Sitz in Österreich waren vor einigen Jahren bereist in intensiven Gesprächen, bis Apple die Verhandlungen abbrach. Die könnten jetzt wieder aufleben.